Wochenlang gab es Rätselraten um die Zukunft von Hermann Maier. Der 36-Jährige ließ Kritiker und Fans eine lange Zeit im Ungewissen, um am 13. Oktober 2009 dann doch den Schlussstrich zu ziehen. Der Skifahrer entschied sich noch vor dem Start in die Saison 2009/2010 für ein Ende seiner Karriere. Damit begräbt er sein letztes Ziel: die Olympischen Spiele 2010.
In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz wurde allen Teilnehmern klar, dass es sich hier nicht um eine einfache Entscheidung gehandelt hat. Hermann Maier rang mit seinen Worten und schwelgte noch einmal in seiner Vergangenheit. Bis zuletzt hatte er mit sich gerungen, seine Karriere doch noch weiter zu führen und erst nach den Olympischen Spielen in Vancouver zu beenden. Am Ende war es eine Bauchentscheidung, die zu dieser Überlegung geführt hat. Damit tritt der erfolgreichste Skirennfahrer Österreichs zurück.
54 Siege errang Hermann Maier im Weltcup. Drei Mal war der Österreicher Weltmeister und insgesamt vier Mal holte er sich den Gesamtweltcup. Zudem sicherte er sich zwei Mal Olympia-Gold.
Der Spätstarter in den Weltcup
Hermann Maier kann getrost als Spätstarter bezeichnet werden. Am 7. Dezember 1972 in Altenmarkt geboren, fand der gelernte Maurer erst spät in den Weltcup. Bei seinem Heimrennen in Flachau durfte er als Vorläufer auf die Piste und machte erstmals auf sich aufmerksam. Wäre seine Fahrt in die Wertung gekommen, hätte Maier Platz 12 belegt. Der Österreichische Skiverband bedankte sich mit einem Startplatz im Europacup, in dem er bis zum Ende der Saison fünf Rennen für sich entscheiden konnte. Parallel dazu gab er sein Debüt im Weltcup und sammelte sofort erste Punkte.
Im darauffolgenden Jahr etablierte er sich in der Spitzengruppe und ließ sich selbst durch einen Sturz in Chamonix nicht aufhalten. Er brach sich das Handgelenk, stand aber einen Monat später wieder auf den Brettern. Trotz Armschiene holte er sich am ersten Rennwochenende nach der Verletzung den ersten Weltcupsieg.
Die Geburt des Herminators
Seinen unbändigen Willen bewies er ein Jahr später bei den Olympischen Spielen 1998 in Nagano. Beim Abfahrtslauf kam er schon nach wenigen Sekunden zu Fall. Bei diesem Sturz des Jahrhunderts wurde er 40 Meter durch die Luft gewirbelt und landete abseits der Strecke im Tiefschnee. Die Bilder gingen um die Welt, doch Maier hatte Glück. Er zog nur leichte Verletzungen davon. Drei Tage später startete er beim Super-G und holte überraschend Gold. Im folgenden Riesenslalom stand der Österreicher ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen. Damit war der "Herminator", der Außerirdische geboren. Diesen Spitznamen trug Maier bis zum Ende seiner Karriere.
In den folgenden Jahren wurde Maier zum dominierenden Fahrer im Weltcup, der sich immer wieder in die Siegerlisten eintrug. Bis zum 24. August 2001: Nach einem schweren Motorradunfall fiel der Herminator anderthalb Jahre aus. Sein rechtes Bein konnte gerade noch gerettet werden. Anfang 2003 startete er wieder bei einem Weltcuprennen und siegte 13 Tage später einen Super-G. Nach seinem Comeback holt er noch ein Mal (2003/2004) den Gesamtweltcup, WM-Gold in Bormio 2005 und insgesamt 13 Siege.
In den letzten Jahren hatte Hermann Maier vermehrt mit Knieproblemen zu tun und musste sich immer öfter den jüngeren Konkurrenz beugen. Damit startet die Ski Alpin-Saison 2009/2010 ohne den Oldie. Der Österreicher geht als zweitbester Skirennfahrer der Geschichte in die Annalen ein und bleibt als "Mr. Super-G" und "Herminator" nicht nur in den Köpfen von Ski-Fans in Erinnerung.
