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Sklaverei in Brasilien

Am 13. Mai 1888 wurde sie offiziell abgeschafft

Vor der allgemeinen Abolition sollte das Los der Sklaven schrittweise verbessert werden. Doch es waren nur wenige Schwarze, die in die Gunst dieser Gesetze fielen.

Es war Prinzessin Isabel, die 1888 in Abwesenheit ihres Vaters ihre Unterschrift unter ein paar Zeilen namens „Lei Áurea“ setzte – und damit Geschichte schrieb. Denn dieses „Goldene Gesetz“ bedeutete das offizielle Aus für die Sklaverei in Brasilien, dem letzten Land, in dem Menschen noch willkürlich verkauft, verpfändet, vermietet oder sogar getötet werden konnten.

Insgesamt waren es schätzungsweise vier Millionen Afrikaner, die während der Kolonialzeit von Westafrika nach Brasilien verschifft und dort versklavt wurden. Wie hoch die Zahl derer ist, die die strapaziöse Überfahrt auf den Sklavenschiffen nicht überlebten, ist ungewiss. Zusammengepfercht wie Tiere auf dem Weg zum Schlachthof sprechen Experten von rund 350.000 Toten.

Das Verbot des transatlantischen Sklavenhandels

Dem „Lei Áurea“ war eine graduelle Verbesserung der Situation der Sklaven vorangegangen. Die Briten hatten 1845 ein Gesetz namens „Bill Aberdean“ verabschiedet, es sah den Sklavenhandel zwischen Afrika und Amerika als einen Akt der Piraterie, der nach allen Mitteln gestoppt werden musste. Der Druck der Briten auf Brasilien, der größte „Sklavenimporteur“, war groß, immer wieder attackierten die Briten Sklavenschiffe in den brasilianischen Gewässern.

1850 handelten die Brasilianer: Sie erließen das Gesetz „Eusébio de Queirós“, es sollte den transatlantischen Sklavenhandel verbieten. Bis das Importverbot endgültig umgesetzt wurde dauerte es jedoch ein paar Jahre: 1850 führte Brasilien noch 23.000 Sklaven ein (1849 waren es 54.000), im Folgejahr sank die Zahl auf 3.287. Die letzte "Menschen-Fracht“ wurde 1855 in Brasilien entladen.

Das Gesetz des „freien Unterleibs“

21 Jahre nach dem Importverbot, am 28 September 1871, erklärte das „Gesetz des freien Unterleibs“ (Lei do Ventre Livre) alle Kinder von versklavten Müttern für „frei“, die nach diesem Stichtag geboren wurden. Das Gesetz verpflichtete die Besitzer der Mütter, den Kindern bis zum achten Lebensjahr Unterhalt zu zahlen. Danach entschädigte eine staatliche Abfindung die Eigentümer der Sklavinnen, wer nicht auf dieses Angebot zurückgriff, der konnte den Dienst des Minderjährigen noch bis zum 21. Lebensjahr in Anspruch nehmen. Das Gesetz etablierte auch einen Emanzipationsfonds: mit dem Geld, das in diesen Fonds floss, wurden jährlich ein paar Sklaven in jeder Provinz freigekauft. Insgesamt waren es etwa 20.000 Sklaven, die zwischen 1871 und 1884 freigelassen wurden.

Ceará, die erste Provinz ohne Sklaven

Das kleine Städtchen Redanaco in der nordöstlichen Provinz Ceará war die erste brasilianische Gemeinde, die die Sklaverei "bereits" 1882 abschaffte. Zwei Jahre später folgte die gesamte Provinz diesem Beispiel. Allerdings waren es nur wenige Sklaven, die Ceará in die Freiheit entlassen konnte. Denn nachdem der Zuckerrohr-Boom im Nordosten abflachte, schufteten im 19. Jahrhundert die meisten Sklaven im Süden des Landes: In Minas Gerais wurde Gold gefunden und im südlichen Brasilien florierte auch der Kaffee-Anbau - zwei wirtschaftliche Motoren, die die Sklaven in Gang halten mussten.

Das "Gesetz der 60-Jährigen"

Drei Jahre vor der landesweiten Abschaffung,1885, kamen noch ein paar alternde Sklaven in die Gunst eines neuen Gesetzes, dem "Lei dos Sexenarios", das „Gesetz der 60-Jährigen“: Es entließ alle Sklaven ab dem vollendeten 60. Lebensjahr in die Freiheit, verpflichtete sie aber zu weiteren drei Jahren Dienstleistungen an ihren ehemaligen Eigentümern.

Weiße statt Schwarze

Hand in Hand mit der schrittweisen Abschaffung der Sklaverei ging eine massive Einwanderungspolitik, allein zwischen 1850 und 1860 lockten großzügige Angebote 130.000 Weiße nach Brasilien. Die Europäer sollten die tragenden Kräfte eines neuen Brasiliens werden, eines unabhängigen Staates, der nach der Pfeife des Kapitalismus tanzte.

Weite Informationen zum Thema:

Sangmeister, Hartmut (1990): Sklavenbefreiung und Rassenprobleme in Brasilien. In: Zeitschrift für Lateinamerika, Wien, 38/39, S. 57-81.

Gerit Gönitzer - Den Großteil meines Lebens verbrachte ich in Wien. Dort studierte ich auch Sozial- und Kulturanthropologie, Publizistik und ...

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