
- Skulduggery Pleasant von Derek Landy - Juliane Günzel
Skulduggery Pleasant, ein Detektiv wie er im Buche steht – mit dem feinen Unterschied, dass ihm sowohl Haut, als auch Muskeln, sämtliche Gewebearten und inneren Organe fehlen. Dafür besitzt der schlagkräftige Knochenmann kolossale magische Fähigkeiten und einen würzig makaberen Humor – beides unersetzliche Eigenschaften, wenn man technisch gesehen eigentlich tot ist.
Die Millionenerbin und der Skelettdetektiv
Stephanie Edgley ist ein ganz normales zwölfjähriges Mädchen mit einer ganz normalen Familie und einem ganz normalen Leben. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als ihr Lieblingsonkel und Bestsellerautor Gordon Edgley stirbt und ihr seinen gesamten Besitz inklusive eines luxuriösen Herrenhauses vermacht. Nun tauchen plötzlich Freunde ihres Onkels auf, die sie nie zuvor gesehen hat. Wie beispielsweise der seltsame Gentleman mit dem absurden (und höchst unaussprechlichen) Namen Skulduggery Pleasant, der trotz guten Wetters in Mantel, Hut und Schal gewickelt ist und sich konsequent weigert, seine Sonnenbrille abzunehmen.
Doch spürbar werden die sich anbahnenden Veränderungen in Stephanies Leben erst, als sie ihre erste (etwas unfreiwillige) Nacht allein im neuen Haus verbringt. Es beginnt mit einem seltsamen Anruf und endet darin, dass ein Mann einbricht und auf höchst brutale Weise nach einem ominösen Schlüssel verlangt. Praktisch also, dass Skulduggery gerade in der Nähe ist und zu ihrer Rettung eilt. Etwas unpraktisch ist allerdings, dass ihm bei diesem knochenharten Kampf Hut und Sonnenbrille verloren gehen und ein blank geputzter Schädel darunter zum Vorschein kommt.
Eine Welt, so makaber, dass man sie mit Humor tragen muss
Stephanie tut, was alle vernunftbegabten Menschen, die mit einem sprechenden Skelett konfrontiert werden, tun würden – sie fällt in Ohnmacht. Allerdings nicht für lang und sobald sie ihre Augen aufschlägt, nimmt sie keine Blatt mehr vor den Mund. So schafft sie es auch, ihren zivilisiert untoten Retter mit spitzer Zunge dazu zu überreden, sie bei seinen Recherchen nach dem Auftraggeber des Einbrechers mitzunehmen. Denn Skulduggery ist kein Hohlkopf (im übertragenen Sinn, denn natürlich ist sein Schädel hohl), sondern ein Detektiv und Magier und nimmt sich sogleich ihres Falls an.
Der geheimnisvolle Detektiv beweist weiterhin seinen Mut, indem er sich zähneknirschend Stephanies nie enden wollenden Fragen stellt und sie mit rückgratverknotender Eleganz und tödlichem Humor aus so manch prekärer Lage rettet, in die sie sich kontinuierlich hineinkatapultiert. Ebenso unweigerlich verstrickt sich Stephanie in einer Welt, die düster und voller Gefahren ist und damit völlig anders, als ihr bisheriges Leben. Doch da ist noch etwas, was sie an dieser Welt voll nie gekannter Abenteuer reizt: Sie ist belebt von Magie.
Lachen bis die Kiefer schmerzen
Derek Landy hat mit „Skulduggery Pleasant“ ein einzigartiges Werk geschaffen, mit markerschütterndem Humor, knochenbrechender Action und zähneklappernden Gruseleinlagen. Die Story ist sowohl düster als auch aberwitzig komisch, was zum Großteil Skulduggery zu verdanken ist, der in jeder noch so aussichtslosen Situation einen coolen, extravaganten und mitunter auch idiotischen Spruch auf den nicht vorhandenen Lippen hat. Dieses Buch ist sowohl für jung als auch alt absolut fesselnd und bis auf die Knochen erschütternd. – Natürlich erschütternd aufgrund der Lachkrämpfe.
Anmerkung: Diese Rezension bezieht sich auf die englische Ausgabe des Buches.
Derek Landy: Skulduggery Pleasant. Harper Collins 2007. Taschenbuch, 371 Seiten. Euro 7,50.
