"Skyline" – Keine schönen Aussichten nach Alien-Invasion

Geh' nicht in das Licht! Denn im Science-Fiction-Thriller "Skyline" locken bösartige Aliens ihre menschlichen Opfer mit blauem Licht in ihre Raumschiffe.

An Invasionen außerirdischer Fieslinge mangelt es dem modernen Kino nicht. Angefangen von George Pals Verfilmung des Literaturklassikers „Der Krieg der Welten“ über skurrile B-Movies bis hin zu Roland Emmerichs „Independence Day“ oder Steven Spielbergs Remake von „Der Krieg der Welten“: Von oben kam noch selten etwas Gutes!

Einen ungewöhnlichen Dreh finden die Regisseure Greg und Colin Strause mit ihrem Science-Fiction-Film „Skyline“: Anstatt mit überlegenen Waffensystemen eine Spur der Zerstörung zu ziehen, locken die Außerirdischen mit mysteriösen, hypnotischen Lichtern Menschen in ihre Raumschiffe, wo sie eine ganz spezielle Behandlung erwartet.

„Was ist das?“ – „Blaues Licht“ (Rambo III)

Dabei beginnt dieser Tag für den Yuppie Jarrod (Eric Balfour, bekannt aus „Six Feet Under“ und „24“) durchaus angenehm. Mit der wunderschönen Elaine (Scottie Thompson) an seiner Seite reist er nach Los Angeles, wo sein bester Kumpel Terry (Donald Faison) eine Geburtstagsparty schmeißt. Die Party endet jedoch abrupt und im Streit nachdem Jarrod erfahren hat, dass Elaine von ihm schwanger ist.

Die alte Weisheit „Wenigstens regnet es nicht oder überfallen blutrünstige Aliens die Erde“ bewahrheitet sich nicht. Denn alsbald sehen sich die jungen Leute mit einer handfesten Invasion außerirdischer Wesen konfrontiert. Diese locken mittels blauen Lichts fast sämtliche Stadtbewohner hinaus auf die Straße, von wo aus sie in gigantische Raumschiffe befördert werden. Eine schier aussichtslose Situation erwartet Jarrod, Elaine und Terry: In Terrys Apartment sitzen sie in der Falle und riesige Maschinenwesen lauern in den Straßen der Stadt auf die wenigen Überlebenden. Trotzdem wagen sie den Ausbruch – mit fatalen Folgen …

Besser nicht erwähnen: Aliens vs. Predator 2!

Berühmt, wenn man so möchte, wurde das Brüderpaar Greg und Colin Strause gleich mit ihrem Leinwanddebüt „Aliens vs. Predator 2“. Freilich handelte es sich um einen zweifelhaften Ruhm, wurde dieser auf zwei der beliebtesten Science-Fiction-Serien basierende Film doch einerseits von der Kritik förmlich in der Luft zerrissen, andererseits selbst von vielen Fans der „Alien“- und „Predator“-Filme gemieden und spielte an den Kinokassen weniger ein als jeder andere „Alien“-Film zuvor.

Das war 2007. Drei Jahre später versuchen es die Gebrüder Strause erneut, diesmal mit einem originären Film. Das verblüffende Ergebnis: „Skyline“ stellt gegenüber „Aliens vs. Predator 2“ eine gewaltige Verbesserung dar! Natürlich ist die Prämisse einer außerirdischen Invasion kalter Kaffee. Immerhin findet der Film einen gänzlich neuen Zugang zu diesem beliebten Thema, indem er auf geschickte Weise dem Sirenengesang einen modernen Anstrich verleiht. Während die Argonauten oder Odysseus nur mit List der Verführung standhalten konnten, sind die Protagonisten in „Skyline“ auf Verdunkelung ihrer Umgebung angewiesen, um nicht in die Falle zu tappen.

Viel Effektezauber für wenig Budget

Am Erstaunlichsten an dem knapp 90-minütigen Streifen sind die phantastischen Effekte. Mit einem für Hollywoodverhältnisse lächerlichen Budget von zehn Millionen Dollar starten die Strause-Brüder nach etwas zähem Beginn ein Special-Effects-Feuerwerk der A-Klasse. Zwar dürften die Gagen der Mitwirkenden denkbar gering ausgefallen und der größte Teil des Budgets in die CGI geflossen sein. Doch wie man es auch dreht oder wendet: Dieser vergleichsweise billige Film wirkt szenenweise wie ein Michael-Bay-Kracher der „Transformers“-Kategorie.

Dramaturgie und Charakterisierung ausbaufähig

Natürlich dürfen die Mängel von „Skyline“ nicht verschwiegen werden, was auf Grund der Offensichtlichkeit auch gar nicht möglich sein dürfte. Wie schon bei ihrem Regiedebüt „Aliens vs. Predator 2“ stechen die dramaturgischen Schwächen ins Auge. Gerade in puncto Charakterisierung müssen die Strause-Brüder noch vieles lernen. Marginale Fortschritte gegenüber ihrem Debütwerk sind erkennbar, aber bei weitem nicht ausreichend. Die Protagonisten schaffen es nicht, irgendwelche Gefühle beim Zuschauer auszulösen. Ganz im Gegenteil: Jarrod und seine Freunde nerven fast von der ersten Sekunde an, wobei Elaine das Kunststück gelingt, als schwangere, junge Frau denkbar unsympathisch rüberzukommen.

Schuld daran trägt nicht die Darstellerriege sondern einzig und allein das Drehbuch. Die Dialoge befinden sich selbst bei freundlicher Betrachtungsweise allenfalls auf Fernsehfilm-Niveau, von komplett absenten Charakterentwicklungen ganz zu schweigen.

„Skyline“: Kein Meisterwerk, aber unterhaltsam

Auch wenn man von „Skyline“ kein Meisterwerk erwarten durfte und diese Erwartung entsprechend erfüllt wird: Unterhaltend ist der Streifen allemal, sofern man über die Drehbuchschwächen hinwegzusehen bereit ist. Mit einem sorgfältigeren Script hätte dieser Science-Fiction-Film ein echter Blockbuster werden können.

Angesichts des offenen Endes und der vielen unbeantworteten Fragen, die der Film unentwegt aufwirft, sollte die eine oder andere Fortsetzung nicht überraschen. Und auch wenn den Fans „Aliens vs. Predator 2“ immer noch schmerzhaft in den Knochen steckt: Mit „Skyline“ deuten Greg und Colin Strause an, dass sie zu mehr fähig sind, als der Demontage einer heißgeliebten Science-Fiction-Serie. Zumindest schwebten bei einem Sequel keine fremden Filmreihen in Gefahr …

Originaltitel: „Skyline“

Regie: Greg und Colin Strause

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 94 Minuten

Verleih: Wild Bunch Germany

Deutscher Kinostart: 23. Dezember 2010

FSK: ab 16 Jahren

Offizielle Website: www.skyline.centralfilm.de

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