
- Skywalk Allgäu, spazieren in Himmelsnähe. - © skywalk allgäu
Am 30. Oktober 2010 ist der Skywalk Allgäu bereits eröffnet worden, am 6. April 2011 wird er nun offiziell eingeweiht. Alphornbläser und Blaskapelle umrahmen dabei Grußworte, die Allgäuer Bergkette wird erklärt, der Mittelpunkt aber ist die Segnung der ungewöhnlichen Anlage. Dass eine derartige Touristenattraktion überhaupt gesegnet wird, liegt am Erbauer. Die Skywalk Allgäu gemeinnützige GmbH gehört zur Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg (KJF), der Gesundheits- und Sozialdienstleister bereichert sein breites Spektrum mit dem Skywalk erheblich. Zum einen sind mindestens 40 Prozent der Mitarbeiter der Integrationsfirma Behinderte und zum anderen vergrößert die nahe gelegene Kinderfachklinik Prinzregent Luitpold, der Träger ist ebenfalls der KJF, ihr therapeutisches Angebot. Dazu kommt der hohe touristische Wert der Anlage.
Eine gigantische Metallkonstruktion macht das Spazieren in den Baumwipfeln möglich
In einjähriger Bauzeit wurden zehn Millionen Euro in eine gigantische Metallkonstruktion investiert, damit der Besucher in 20 bis 30 Metern Höhe einen Himmelsspaziergang machen kann. Mehrere Masten und Türme sind mit dicken Stahlseilen im Boden verankert, zwischen ihnen sind auf 540 Metern breite Holzstege angelegt, auf denen man auch mit dem Rollstuhl oder einem Kinderwaqen wandeln kann. Die höchste der integrierten Plattformen ist 35 Meter hoch, dazu kommt ein 50 Meter hoher Turm, der über einen gläsernen Fahrstuhl verfügt, mit dem man die Plattformen und Stege erreichen kann, wenn man nicht auf dem Fußsteg oder über die Treppen die Höhe erklimmen will. Die Stege schwanken minimal, das sollte man mögen, weitgehende Schwindelfreiheit ist auch hilfreich. Die umgebenden Metallgeländer sind aber sehr robust und vertrauenserweckend. Am Wipfelpfad gibt es zusätzlich eine Hängebrückenkonstruktion, die in einer Röhrenrutsche endet, beides ist Anfang April 2011 noch nicht zur Benutzung freigegeben
In den Wipfeln zu gehen ist eine ungewöhnliche Erfahrung
Die Stege enden auf Höhe der Baumwipfel, so hat man zu allen Seiten einen phantastischen Ausblick auf den Bodensee, die österreichischen, deutschen und schweizer Berge. Für diesen allerdings lohnt ein Gang auf den Wipfelpfad streng genommen nicht, denn in Scheidegg und Umgebung gibt es nur wenige Orte, an denen man keine großartige Sicht hat. Aber dabei auf der Höhe von Baumwipfeln zu sein, das ist schon ein seltsames Gefühl und erinnert ein wenig an den Scheinriesen aus der Augsburger Puppenkiste.
Der Wipfelpfad ist das Herzstück der Anlage, aber auch alle anderen Elemente können sich sehen lassen. Der geplante Barfußpfad ist noch nicht benutzbar, aber schon zu sehen. Zwei Naturerlebnispfade laden aber jetzt schon zu waldbezogenen Entdeckungen ein. Dazu wird noch ein erlebnispädagogischer Teil kommen, der extra gebucht werden muss. Was allerdings jetzt schon Jung und Alt begeistert, sind die zahlreichen Spielgeräte, Wippen und Klettergerüste, diese sind so kreativ, robust und einladend, dass schon mal ganze Familien darauf herumturnen und einen Heidenspaß haben.
Da einige Teile der Anlage in der prallen Sonne und dazu knapp 1000 Meter ü.M. liegen, sollte man dringend an einen Sonnenschutz, speziell auch für Kinder, denken.
Das Gesamtkonzept des Skywalks überzeugt
Man merkt auf Schritt und Tritt, dass beim Skywalk Leute mitgedacht haben, die die Belange von Menschen mit Einschränkungen kennen. Das fängt mit der Beschilderung an. Im Ort sind überall Hinweisschilder zu finden, die zum Skywalk führen, der in Oberschwenden, einem etwas höher gelegenen Teil von Scheidegg liegt. Reist man mit dem Auto an, gibt es circa 500 Meter unterhalb der Anlage einen Parkplatz, parkberechtigte Behinderte finden fünf Plätze direkt an der Anlage. Das gesamte Gelände ist rollstuhlfreundlich gestaltet, auf Tafeln kann man sich über die Steigungen der Wege informieren - wenn ein Weg mal nicht rollstuhlfähig ist, wird das vor Befahren angekündigt. Auch die angeschlossene Gastronomie und der Souveniershop sind barrierefrei. Die Geländer auf dem Wipfelpfad sind so gestaltet, dass man auch durch die Streben einen guten Blick hat, an den Türmen des Wipfelpfades befinden sich Notrufknöpfe. Einzig merkwürdig ist die Höhe der meisten angebrachten Informationsschilder, für einen stehenden Erwachsenen gut zu lesen, Kinder und Rollifahrer werden damit nicht glücklich.
Vor der Anlage gibt es auch Parkplätze für Fahrräder, aber es empfiehlt sich eigentlich eher, zu Fuß zu kommen. Von Scheidegg aus braucht man ungefähr 45 bis 60 Minuten, um bergan zum Skywalk zu gelangen. Idealer Ausgangspunkt dafür ist der Parkplatz am Kurhaus, die verschiedenen Wege von dort sind ausgeschildert.
Tageausflug nach Scheidegg im Westallgäu zum Skywalk Allgäu
Der Skywalk ist ein gutes Ziel für einen Tagesausflug mit der ganzen Familie. Eine einmal erworbene Eintrittskarte hat den ganzen Tag Gültigkeit, ist allerdings mit Euro 8,50 nicht billig. Es gibt aber zahlreiche Ermäßigungen, Gruppen- und Jahreskarten. Der Skywalk ist ganzjährig geöffnet, im Sommer von 10 bis 18 Uhr, im Winter von 10 bis 16 Uhr. Bei schlechter Witterung sind Einschränkungen möglich. Auf der Homepage der Anlage oder unter der Telefonnummer 08381/896-1800 findet man dazu tagesaktuelle Informationen.
Aus dem Gebiet zwischen Immenstadt, Oberstaufen, Wangen, Ravensburg, Friedrichshafen, Lindau und Bregenz lohnt es sich, einen Tagesausflug zum Skywalk zu unternehmen. Wer ihn erwandern will, kann das über wunderbar ausgeschilderte Wege von Scheidegg, Lindenberg, Scheffau und Möggers aus. Und wer richtig gut zu Fuß ist, kann eine ausgedehnte Tour vom Pfänder aus machen: mit der Pfänderbahn von Bregenz aus auf den Gipfel, drei Stunden nach Scheidegg wandern, den Skywalk besuchen und wieder zurück.
Scheidegg lohnt sich generell für einen Ausflug
Wer seine Freizeit gerne weniger animiert und organisiert verbringt, dem sei der Walderlebnispfad in der österreichischen Nachbargemeinde Möggers empfohlen, er ist allerdings nicht barrierefrei. Außerdem gibt es in der Umgebung unzählige perfekt ausgeschilderte Wanderrouten für jeden Anspruch, man kann sie oftmals miteinander kombinieren und sich so Strecken nach Maß zusammenstellen. Wer sich glutenfrei ernähren möchte oder muss, findet in Scheidegg neun Restaurants oder Gasthäuser, denen glutenfreies Kochen eine Herzensangelegenheit ist. Und wer sich in die Gegend verliebt, der findet auch ein großes Angebot an verschiedenen Unterkünften für einen sonnenreichen Urlaub.
Weiterführende Informationen: skywalk-allgaeu.de
Bildnachweis: © skywalk allgäu
