
- Modellauto Mercedes SL 2012 neu Maßstab 1:43 - Firma 1zu87.com
"Never change a winning team" - diesen Grundsatz scheint der Stuttgarter Autohersteller Mercedes-Benz bei der Vergabe seiner Aufträge zur Herstellung von aktuellen Modellautos seiner Palette nicht zu beherzigen. Obwohl die Firma Minichamps aus Aachen von den beiden direkten Vorgängern des brandneuen Mercedes SL des Jahrganges 2012 handwerklich perfekte Miniaturen im Maßstab 1:43 gefertigt hat und auch von den früheren SL faszinierende Miniaturen lieferte, schwenkte der Autobauer beim in Detroit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellten neuen SL um und beauftragte Norev mit der Herstellung des Modellautos zum neuen Roadster. Zum Bedauern der Fans, denn dieser SL ist kein Premiumprodukt. Seine Optik, sein Finish und die Ausführung seiner Räder passen nicht zu den Modellen von Minichamps und verfälschen vor allem die Anmutung des Designs des Vorbildes: Mercedes pfuscht damit also massiv in das einheitliche Bild rein, dass eine SL-Sammlung in den Vitrinen der Fans ergeben müsste. Warum das so ist? Ein Blick auf das Modellauto von Norev deckt die Fehler auf.
Rückblick: Die Vorbilder zu den Modellautos des SL
1957 startete der zweite offene Zweisitzer diesen Namens als Nachfolger des 1954 präsentierten, geschlossenen 300 SL Flügeltürers, intern W198 genannt. 1955 kam der W121 B II auf den Markt, besser als 190 SL bekannt und damit der erste offene SL. Der SL, der unter der Baureihennummer W113 gebaut und von 1963 bis 1971 verkauft wurde, trug den Spitznamen Pagode und ersetzte die beiden Vorgänger im Alleingang. Sein Nachfolger wiederum diente selbst Bobby Ewing in der Fernsehserie "Dallas" als fahrbarer Untersatz: Der von 1971 bis 1989 gefertigte SL vom Typ R107. Von 1989 bis 2001 wurde der R129 gebaut: In 13 Jahren 204.940 Exemplare. Ähnlich lang, aber im Jahr 2008 einem gravierenden Facelift unterzogen, wurde von 2001 bis 2011 der R230 gebaut.
Modellauto Mercedes SL 2012 im Test
Von allen diesen Typen entwickelte Minichamps Modellautos im Maßstab 1:43, doch beim Ende 2011 erstmals vorgestellten neuen SL der Typenbezeichnung R231 wechselte Mercedes-Benz zu Norev. Aber das Modell des Herstellers aus dem französischen Vaulx-en-Velin misslang trotz auf den ersten Blick guter Ausstattung. Erster Kritikpunkt: Die Front des Zinkdruckguss-Modells. Norev ist es gelungen, die Linien der Frontpartie in den Maßstab 1.43 zu übertragen. Dass die Gitter des Kühlergrills nicht durchbrochen sind, der Fan also nicht hindurch sehen kann, ist in der Preisklasse üblich; dass die Front aber zu flächig, zu zweidimensional wirkt, fällt sofort auf. Die überdimensionierte Gravur der Scheinwerferwaschanlage stört ebenso; die Scheinwerfer selbst zeichnen den Aufbau ihrer Vorbilder nicht korrekt nach. Das gilt nicht für die Tagfahrlichtleisten in der Bugschürze.
Die Chromspange im Kühlergrill, die den Mercedes-Stern umfasst, ist nicht so exakt herausgearbeitet, wie es das Vorbild erfordert; die sanften Rundungen fehlen. Die Konturen der Hauben, der Türen sowie der aufgesetzten Bügeltürgriffe sind korrekt ausgeführt. Lieblos ausgearbeitet und ebenfalls zu flächig wirkend die Lüftungsöffnungen oben auf der Motorhaube. Doch auch ein Blick ins Interieur bringt schon allein dann Mängel in der Modellausführung an den Tag, wenn der Betrachter des Modells nur Fotos vom Vorbild neben sich liegen hat. Zwar hat Norev ordentlich Farbe in das Interieur gebracht, auch an Details wie den Sicherheitsgurten nicht gespart, doch viel Farbe macht noch kein gutes Modell, wenn einzelne Bestandteile eben nicht wirklichkeitsgetreu wiedergegeben wurden.
Modellauto Mercedes SL mit Detailmängeln im Innenraum
Die Optik des mittleren Tastenfeldes der Mittelkonsole beim 1:43er-Modell hat mit dem Vorbild wenig zu tun; ebenso wie diejenige der Klimaanlagensteuerung. Das Aludecor umrandet beim Original diese Einheiten; beim Modell tut es das nicht. Dafür ist am Lenkrad mehr Alu nachgebildet, als beim Vorbild. Die Lüfterdüsen neben dem Navigationsbildschirm reichen nicht an die Kante ihrer Umrandung heran; ganz anders also als beim Vorbild. Die Tasten der Sitz-Memory-Steuerung sind keine silbernen Punkte wie beim Modell, sondern beim 1:1er-Benz fein gerahmt. Sicher, Kleinigkeiten nur und allein für das superkritische wie geübte Auge ein Störfaktor, aber bei Minichamps kommt so etwas nicht vor. Und die inzwischen 29,90 Euro, die das Modell kostet, die verlangen nach korrekter Wiedergabe des Vorbildes.
Hier geht es zum Vorbild: Der neue Mercedes SL 2012
Ärgerlich auch, dass die Räder wieder sehr groß wirken; eine typische Norev-Krankheit und schon beim ersten Audi A4 Cabriolet ein Kritikpunkt. Schön zwar ist, dass Norev ein aufsetzbares Hardtop in Form des neuen Glasdaches Magic Sky mitliefert, aber dessen Passform ist so schlecht, dass die Gesamtlinie gestört wird. Vor allem die Vorderkante am Windschutzscheibenrahmen liegt nicht sauber an. Mit Kanten scheint Norev Probleme zu haben, denn auch beim Mercedes SL 2012 im Maßstab 1:18 stört eine solche, nämlich die der zu öffnenden Motorhaube ganz vorne. Grob auch die Kanten und Konturen und damit schlecht in der Passung die Rückleuchten des kleinen SL, die zu sehr aus der Karosse heraustreten und sich nicht so schön in die Karosserie schmiegen, wie die Originale und die Rückleuchten des SL von Minichamps im Maßstab 1:43 aus 2008.
Was soll Mercedes' neue Liebe zu den Franzosen?
Die in der für Mercedes typischen Werbeverpackung in den Handel kommenden Modelle des R231 sind in drei Farben erhältlich: In Iridium-Silber-Metallic unter der Bestellnummer B66960103, in Weißmetallic wie schon der SLS AMG unter der Nummer B66960104 sowie in Graumetallic mit der Artikelnummer B66960105. Die Miniaturen sind etwa 10,5 Zentimeter lang und bringen rund 180 Gramm auf die Waage. Es mag zwar sein, dass die Daimler AG die Modelle bei Norev günstiger bekommt, doch dass nach dem C-Klasse-Coupé, dem CLS und der B-Klasse in 1:43 nun auch noch so eine wichtige Neuheit wie der SL aus Frankreich kommt, muss nun wirklich nicht sein, denn das Finish von Minichamps erreichen diese Modelle nicht. Französische Vorbilder werden von französischen Modellbauern gefertigt; wieso nicht deutsche Originale von deutschen Firmen?
Klicken Sie hier zum neuen Mercedes SL 2012 im Maßstab 1:18
So geht es richtig: Mercedes SL von Minichamps in 1:43 von 1955
