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Als Slade 1971 mit „Get Down And Get With It“ und „Coz I Luv You“ zwei Hits in Folge landeten, waren die vier Musiker bereits seit fünf Jahren zusammen aktiv. Im Großraum Birmingham, die Heimatregion der vier, firmierten sie als 'N Betweens. Nach ihrem Umzug nach London nannten sie sich zunächst Ambrose Slade, und nachdem von Chas Chandler (ehemals Bassist bei The Animals und Manager/Produzent von Jimi Hendrix) entdeckt wurden nur kurz Slade. 1969/1970 brachte die Band drei wenig beachtete Singles und ein ebenso ignoriertes Album heraus. Der endlich einsetzende Erfolg von 1971 ließ hoffen.
Slade bringen Hits in Serie
In den nächsten beiden Jahren mutierten Slade zu europäischen Chartdauerbrennern. Neben den vier Top-Five Hits „Look Wot You Dun“, „Tak Me Bak Home“, „Mama Weer All Crazee Now“ und„Gudbuy T'Jane“ lieferten Slade 1972 auch die beiden Bestseller-LPs „Slade Alive“ und „Slayed?“ ab. Im Laufe des Jahres eroberte die Band auch das restliche Europa. 1973 folgten die Singles „Cum On Feel The Noize“ und „Skweeze Me Pleeze Me“, wie die Vorgänger seit 1971 mit einem Fake-Livesound versehen und falscher Rechtschreibung in den Songtiteln. Nach etlichen Konzerten in Britannien und Europa, ging es Anfang 1973 nach Australien, wo die Platten der Band einen ebenso großen Erfolg hatten, wie auf dem alten Kontinent. Vorgruppe auf dieser Tournee waren die damals noch relativ unbekannten Status Quo. In den australischen Konzerthallen war also Party angesagt. Zurück in England machten sich Slade schon bald im Tonstudio an die Arbeit, ein neuer Longplayer stand auf dem Programm. Die Band wollte weg vom bisherigen Klangschema und ihr musikalisches Spektrum ein wenig erweitern. Zunächst nahm Drummer Don Powell seine Spuren auf, erst danach sollte das andere Instrumentarium und der Gesang folgen, und das war auch gut so.
Don Powells Autounfall und die Folgen
Die neue LP sollte rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft fertig sein und eine neue Single war für den frühen Herbst geplant, als Don Powell im Juli 1973 mit seinem Auto schwer verunglückte. Seine Freundin, die auf dem Beifahrersitz saß, starb an Ort und Stelle. Der Schlagzeuger kam bewusstlos ins Krankenhaus. Dort erlangte er erst nach Tagen wieder das Bewusstsein. Ein schweres Schädeltrauma und etliche Knochenbrüche setzten Don Powell für Monate außer Gefecht. Nicht wissend, wie es mit Slade in Zukunft weitergehen würde, veröffentlichte Polydor, die Plattenfirma der Band im August 1973 ein Best-Of-Album mit dem Titel „Sladest“. Die drei restlichen Mitglieder der Band hatten immerhin die Kraft, zwei der neuen Stück für eine Single fertig zu stellen. Die Platte, mit der Zugnummer „My Friend Stan“, erschien im September. Single wie LP setzten die bisherige Erfolgsserie fort. Während Don Powell sich weiter erholte, brachten Slade rechtzeitig zu Weihnachten eine passende Single heraus: „Merry Xmas Everybody“. Diese Platte wurde als erstes und einziges Werk von Slade in Britannien mit Platin ausgezeichnet. Für das kommende Jahr wusste niemand so recht, wie es weitergehen würde. Plattenfirma und auch Manager Chas Chandler legten den anderen drei Musikern nahe, sich einen neuen Drummer zu suchen, aber Noddy Holder, Jim Lea und Dave Hill blieben stur: ohne Don Powell keine Slade.
Don erholt sich langsam und ein Film wird gedreht
1974 kehrten Slade in die Normalität zurück, zum Teil jedenfalls. Don Powell hatte das Schlimmste überstanden und kehrte an sein Schlagzeug zurück. Das zurück gehaltene Album erschien im Februar mit dem Titel „Old, New, Borrowed And Blue“ und kassierte Gold. Das Stück „Everyday“, eine Ballade, wird kurz darauf erfolgreich als Single ausgekoppelt. Mit Don zu arbeiten war zu der Zeit nicht einfach. Sein Kurzzeitgedächtnis funktionierte nicht richtig; ein Schlagzeugpart, den er sich an dem einen Tag ausgetüftelt hatte, war am nächsten Tag schon wieder vergessen. An eventuelle Tourneen war somit überhaupt nicht zu denken. Dafür lag der Band aber ein Angebot vor, einen Film zu drehen. Slade nahmen an. Die Story beschrieb eine Band, die sich jahrelang in den Clubs hocharbeitete, bis sie eines Tages einen vermeintlich pfiffigen Typen traf, der die Musiker fortan managte, ihnen einen Plattendeal besorgte und populär machte. Dabei wurde mehr Aufwand für Werbung und Imagepflege betrieben, als für die musikalische Qualität. Letztendlich ging die Band daran auch zugrunde. Der Film mit dem Titel „Flame“ erschien Ende 1974. Parallel dazu lieferten Slade ein Soundtrack-Album ab, aus dem die Halbballade „Far Far Away“ als Single ausgekoppelt wurde. Für das kommende Jahr war dann endlich eine Tournee durch Britannien angedacht.
Die Tournee verlief wieder einmal erfolgreich. Don Powell hatte seine Gedächtnisaussetzer gut im Griff. Bei allem Erfolg in Europa ärgerte es Slade, dass sie bislang keinen Fuß in den riesigen US-Markt setzen konnten. Das sollte fortan anders werden. Chas Chandler plante eine ausgedehnte US-Tour. Sicherlich würde man auch die Amerikaner begeistern können.
(Quelle: Noddy Holder: Who's Crazee Now?/ 2000 bei Ebury Press/ ISBN 0-09-187503-x)
