Slade 1975 - 1980: Die Glamrocklegende auf Talfahrt

alive two - zippifoto
alive two - zippifoto
Der Versuch die USA zu erobern misslingt; in England laufen Slade die Fans davon; die Band trennt sich von Manager und Plattenlabel; steht 1980 vor dem Ende

Im Juli 1973 hatte Don Powell, Schlagzeuger der englischen Glamrock Superstars Slade, einen schweren Autounfall, den er wie durch ein Wunder überlebte. Trotz körperlicher Genesung litt er fortan unter Konzentrationsstörungen, Folge eines schweren Schädeltraumas. Erst im Frühjahr 1975 traute sich die Band, wieder auf Tournee zu gehen.

Slade wollen die USA erobern

Nach Beendigung der erfolgreichen UK-Tour im Frühjahr 1975, begaben sich Slade das erste Mal seit drei Jahren auf den Weg in die USA. 1972 war man für eine handvoll Konzerte und einige Fernsehauftritte dort angereist. Viel gebracht hatte es der Band damals nicht; der Gute-Laune-Rock der vier Musiker aus England wollte bei den Amerikanern nicht so recht ankommen. Nun war es an der Zeit, einen zweiten Versuch zu wagen. Über mangelndes Interesse an ihren Konzerten konnten die vier dann auch nicht klagen; live kamen Slade exzellent an. Mehr Platten verkauften sie aber dennoch nicht. Dafür ließen sie sich sehr von dem inspirieren, was zu der Zeit auf dem amerikanischen Plattenmarkt angesagt war. Ende 1975 kehrten Slade nach England zurück und schlossen sich sofort mit Manager und Produzent Chas Chandler im Plattenstudio ein. Das Ergebnis wurde im März 1976 veröffentlicht: die LP „Nobody's Fools“ und die daraus parallel ausgekoppelteSingle „Let's Call It Quits“. Während die Single noch Platz 10 der Charts in England erreichte, floppte die LP komplett. Für viele Fans war das keine Slade-Musik mehr. Die Band flüchtete daher wieder nach Amerika, gab dort etliche weitere Konzert. Gefrustet kehrten Slade Ende 1976 zurück nach England. In den USA kamen sie nicht weiter, dazu liefen ihnen in Europa die Fans davon.

Vom Versuch, die englischen Fans zu versöhnen

Den Jahreswechsel verbrachten Slade wieder im Studio. Vergessen waren die musikalischen Schlenker in Richtung Reggae, Country und Folk, wie man sie auf „Nobody's Fools“ hören konnte. Die Band fand zurück zum rabiaten Rock ihrer Glanzzeiten. Im März 1977 erschien die LP „Whatever Happened To Slade“. Das Stück „Gypsy Roadhog“ wurde als Single ausgekoppelt, ein rauer, aber eingängiger Rocker, der immerhin in die Top 50 sprang. Eine ausgedehnte Tour durch England folgte, sowie einige Gastspiele in europäischen TV-Shows. Im Sommer brachte man „My Baby Left Me“, ein alter Klassiker aus den fifties, als Single heraus: wieder nur die Top 50. Im April 1978 wollten Slade Humor zeigen und brachten ein Stück als Single heraus, das die englische Fußballnationalmannschaft dazu motivieren sollte, sich für die WM in Argentinien zu qualifizieren.Das Stück hieß „Give Us A Goal“ und floppte. Kurz vor Erscheinen flog England aus der Qualifikation und die englischen Fans fanden den Song nun gar nicht witzig.

Slade trennen sich von Chas Chandler

Ende 1978 erschien ein zweites Live-Album. Mit Blick auf das erfolgreiche erste Live-Werk „Slade Alive“ von 1972, nannte man die neue LP eben „Slade Alive II“. Es war ein Mix aus Live-Mitschnitten von 1976, aufgenommen in den USA und 1977, aufgenommen in England. „Alive II“ verkaufte sich immerhin besser als seine beiden Vorgänger, ein Überflieger wurde diese Scheibe dennoch nicht. Parallel zur LP brachten Slade auch noch eine neue Single heraus, eine neue Studioaufnahme mit dem Titel „Rock 'n' Roll Bolero“, die auch nur mäßig erfolgreich war. Slade gingen wieder ausgiebig auf Tour, um Werbung für ihre neuen Platten zu machen. Mitte 1979 ging es wieder ins Aufnahmestudio, dabei zu erheblichen Kontroversen zwischen der Band und ihrem Produzenten Chas Chandler. Die Produktion wurde abgebrochen. Wochen später nahmen die Musiker ihre neuen Songs dann ohne Chandler, also in Eigenregie auf. Die neue LP hieß „Return To Base“ und erschien Ende 1979 auf dem WEA Label, denn durch die Trennung von Chas Chandler verloren Slade auch ihre langjährige Plattenfirma Polydor. Die neue Scheibe war eine Art „back to the roots“, ein Hauch von Live-Atmosphäre wurde den Songs untergemischt. Die Verkäufe waren dennoch lau.

Slade hatten die Schnauze voll. Eine Tournee blieb aus. 1980 war es schließlich so, dass sich Slade eigentlich und faktisch aufgelöst hatten. Nur wurde dies nicht publik gemacht. Jeder ging seinem Privatleben nach und trauerte still früheren Erfolgen nach.

(Quelle: Noddy Holder: Who's Crazee Now?/ 2000 bei Ebury Press/ ISBN 0-09-187503-x)

Andreas , Deutsche Telekom AG

Andreas Zipper - Mein Name ist Zipper, Andreas Zipper. Schon seit Schultagen nennen mich die meisten Bekannten nur kurz ZIPPI. Ich wurde am 19. April 1961 ...

rss