Slade 1980 - 1987: Rückkehr der Rockveteranen

Slade Ende - Zippifoto
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Erfolgreicher Auftritt in Reading 1980; Plattendeal mit RCA; In den US-Charts mit "Run Run Away"; Persönliche Probleme führen 1987 zum endgültigen Aus

Mitte der siebziger Jahre waren Slade eine der erfolgreichsten Rockbands Europas. Um 1980 war davon kaum noch etwas zu merken. Sie hatten ihren langjährigen Deal mit Polydor Records verloren und sich mit ihrem Manager und Produzenten Chas Chandler überworfen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte sich die Band in jenem Jahr eigentlich schon aufgelöst. Aber dann kam alles doch noch ganz anders.

Reading Rock Festival 1980

Das Annual National Jazz, Blues & Rock Festival, seit es in der Universitätsstadt Reading stattfand,Reading Rock Festival genannt, wurde erstmalig 1963 veranstaltet. Seit den späten 60ern fand es stets am letzten Augustwochenende, von Freitag bis Samstag statt. 1980 hatten die Veranstalter ein kleines Problem: eine Band, die an einem der drei Nachmittage dort auftreten sollte, hatte relativ kurzfristig abgesagt. Somit wurde Ersatz gesucht. Jemand aus dem Umfeld der Organisatoren brachte den Namen Slade ins Spiel. Man begann herum zu telefonieren, um herauszufinden, ob die Band zur Verfügung stehen würde. Über Umwege wurde die Band erreicht und diese war zwar überrascht, sagte aber zu. In aller Eile wurden Bandproben organisiert, durchgeführt und am Stichtag machten sich Noddy Holder, Jim Lea, Dave Hill und Don Powell aus den Weg nach Reading. Das Ganze war derart kurzfristig abgelaufen, dass die vier Musiker vor ihrem Auftritt ihr Equipment selbst auf der Bühne aufbauen mussten, weil sie keine Roadies dabei hatten. Dann kam der Auftritt und für 45 Minuten hatten 30000 Rockfans einen wahnsinnigen Spaß. Slade wurden ab gefeiert wie in ihren besten Tagen. Auf Wunsch der Band nahm ein Soundtechniker am Mischpult den Auftritt auf.

Slade erklimmen zum zweiten Mal den Gipfel

Der Erfolg beim Reading Festival ermunterte die Band weiter zu machen. Es folgten zwei selbst finanzierte und auf einem eigenen kleinen Label veröffentlichte EPs. Die erste, Ende 1980 herausgegeben, enthielt Momente des Auftritts in Reading, die zweite vier brandneue Studioproduktionen, darunter die späteren Live-Klassiker „We'll Bring The House Down“ und „When I'm Dancing, I Ain't Fighting“. Diese EP erschien im Frühjahr 1981. RCA Records wurde auf Slade aufmerksam und nahm die Band unter Vertrag. Ende 1981 erschien der erste Longplayer für das neue Label: „Til Deaf Do Us Part“. Diese LP und die daraus ausgekoppelte Single „Rock 'n' Roll Preacher“ schafften den Sprung in die höheren Regionen der britischen Charts. Eine UK-Tour wurde zum Triumphzug für die Band. Konzerte dieser Tournee wurden mitgeschnitten, denn RCA wollte für das nächste Album Slade von ihrer allerbesten Seite zeigen: Live. Die vier Musiker reisten auch quer durch Europa, gaben Konzerte, teils als Vorgruppe, und traten in Fernsehshows auf. Verloren gegangenes Terrain wurde langsam wieder zurück erobert. Ende 1982 erschien das Live-Album „Slade On Stage“ und Slade sprangen damit in die Top 20 der heimischen LP-Charts.

Der langersehnte Erfolg in den USA

Kurz vor Weihnachten 1983 erschien die LP „The Amazing Kamikaze Syndrome“, aus der nacheinander die Singles „My Oh My“ und „Run Run Away“ ausgekoppelt wurden. Beide Singles wurden riesige Erfolge in Europa, ebenso der Longplayer. „Run Run Away“ schaffte aber auch den Sprung in die oberen Regionen der US-Charts. Das amerikanische Publikum war auf Slade aufmerksam geworden. Verantwortlich dafür war eine amerikanische Hardrock Band namens Quiet Riot. Die hatten 1983 Slade's 1973er Megahit „Cum On Feel The Noize“ gecovert und selbst als Single herausgebracht. Quiet Riot stürmten damit an die amerikanische Chart Spitze. Das machte die amerikanischen Rockfans neugierig und man begann sich für Slade zu interessieren. Und die vier Rockveteranen nutzten die Gunst der Stunde und absolvierten eine, diesmal erfolgreiche, US-Tour. Während es nun musikalisch sehr, sehr gut für Slade lief. Bauten sich langsam private Probleme auf.

Das langsame Ende

Zurück aus den USA ging die Band ins Studio, um einen würdigen Nachfolger für das „Kamikaze“-Album einzuspielen. Sänger Noddy Holder hatte inzwischen gesundheitliche Probleme. Die letzten Tourneen mussten für ihn der blanke Horror gewesen sein. Die langen Jahre in hohen Absätzen und Plateauschuhen auf den Bühnen dieser Welt hatten seinen Rücken kaputt gemacht. Lange stehen ging nur unter allergrößten Schmerzen. Bei den Aufnahmen zum neuen Album „Rogues Gallery“ verzichtete Holder auf eigenes Gitarrenspiel und konzentrierte sich ausschließlich aufs Singen. Auch das Songwriting von ihm und Bassist Jim Lea funktionierte nicht mehr so gut, weil immer wieder unterbrochen werden musste, weil Noddy sich wieder vor Schmerzen krümmte. Die Songs auf „Rogues Gallery“, herausgegeben Anfang 1985, waren dementsprechend auch eher von mäßiger Qualität. Ebenso mäßig waren dann auch die Verkäufe. Als ob die Probleme mit Noddy Holders Rücken nicht schon ausreichen würden, kam noch hinzu, dass Gitarrist Dave Hill für sich den Glauben der Zeugen Jehovas für sich entdeckt hatte und damit seinen Bandfreunden gehörig auf die Nerven ging. Zwar lieferten Slade pflichtbewusst Anfang 1987 noch eine weitere LP ab, „You Boyz Make Big Noize“, aber dann war Schluss. 1991 trafen sich die vier noch einmal, um zwei bis dahin unveröffentlichte Songs für eine Best-Of-CD umzuarbeiten. Eins der beiden Stücke, „Radio Wall Of Sound“, wurde sogar noch ein Hit.

Noddy Holder bekam eine eigene Show im englischen Fernsehen. Jim Lea versuchte sich als Produzent von Talenten und macht sich nützlich als Archivar von Slade. Dave Hill und Don Powell machten weiter, zunächst unter dem Namen Slade II. Inzwischen haben die beiden aber die Namensrechte erworben, und so touren Slade auch heute noch durch die Länder, meist auf Oldie-Veranstaltungen.

(Quelle: Noddy Holder: Who's Crazee Now?/ 2000 bei Ebury Press/ ISBN 0-09-187503-x)

Andreas , Deutsche Telekom AG

Andreas Zipper - Mein Name ist Zipper, Andreas Zipper. Schon seit Schultagen nennen mich die meisten Bekannten nur kurz ZIPPI. Ich wurde am 19. April 1961 ...

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