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Slow Food ist das Gegenteil von Fast Food: da wird nichts im Stehen, im Auto oder vor dem Fernseher verzehrt. Keine Fertiggerichte, Nährwerttabellen oder Heilsversprechen, Geschmacksverstärker, „natürliche“ Aromen oder Fettreduziertes. Slow Food ist nicht mehr und nicht weniger als gutes Essen, zu dem man eine Beziehung hat und das mehr ist als bloßer Brennstoff, sondern vollwertiger Genuss. Wer an solches Essen denkt, dem fallen meist regionaltypische Spezialitäten ein: Schwarzwälder Schinken, Hamburger Labskaus, bayrischer Schweinebraten oder schwäbische Maultaschen geben einen Hinweis darauf, wie wichtig die kulturelle Bedeutung einer guten Mahlzeit sein könnte.
Die Slow Food Philosophie
Bereits im 16. Jahrhundert sinnierte die Ordensgründerin der Karmelitinnen Teresa von Avila „Tu deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen.“ Einen ähnlichen Gedanken mag Carlo Petrini gehabt haben, als er 1989 Slow Food als Verein ins Leben rief. Zu allererst standen die Idee einer genussvollen Esskultur und der Wunsch nach beschaulicheren Lebensrhythmen im Vordergrund der Bewegung, hatte doch nicht nur McDonald‘s allerorten Fuß gefasst, sondern auch die Lebensweise im Allgemeinen enorm an Geschwindigkeit zugelegt. Daher schien es wichtig, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Und zwar nicht en passant und hektisch wie bei den Fast-Food-Ketten, sondern in Ruhe und mit Lust. Damit die Nahrungsaufnahme wieder zu Entspannung und Regeneration führt, die Lebensqualität steigt.
Die Beliebtheit von Fast-Food-Produkten und schnell zubereiteten Fertigprodukten entsprechen einem grundsätzlichen Trend in einer schnelllebigen Industrie- und Mediengesellschaft. Ein niedriger Verkaufspreis, die schnelle und unkomplizierte Verfügbarkeit, geringe Produktionskosten und der massenkonforme Geschmack garantieren hohe Verkaufszahlen in allen Bevölkerungsschichten und damit satte Gewinne für die Konzerne.
Doch Fast Food hat Folgen: Die verwendeten Kunststoffverpackungen und das Wegwerfgeschirr belasten die Abfallwirtschaft. Die Qualität der angebotenen Speisen ist aus mehreren Gründen meist fragwürdig: Die Fertig- und Tiefkühlwaren sind ernährungsphysiologisch nicht optimal, be¬sonders bei regelmäßigem Verzehr (gehärtete Fette, Zucker, Weizenmehl). Das Garen der Speisen erfolgt möglichst schnell per Mikrowelle, Grill oder Fritteuse. Die Folgen: Bei zu starker Erhitzung von Fetten können krebserregende Nitrosamine entstehen, die Vitamine werden zerstört. Die häufig ballaststoffarmen Speisen sind sehr geschmacksintensiv, angereichert mit Geschmacksverstärkern, Konservierungsstoffen, Salz und Süßstoffen. Ein weiterer Nachteil liegt natürlich in der Art des Konsums: Der hastige Verzehr im Stehen und die Art der Speisen verleiten dazu, zu viel zu essen, wodurch die Verdauung belastet wird. Die Folgen sind besonders in den USA gut zu beobachten: Dort leiden schon viele Schulkinder an Übergewicht oder Diabetes. Bei häufigem Konsum von Fast Food steigt erwiesenermaßen die Gefahr, dass die Gesundheit Schaden nimmt. Adipositas (Fettsucht), Stoffwechselstörungen, Diabetes oder Allergien sind mögliche Folgen.
Die Diskussionen über gesunde Ernährung, Qualität und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln scheinen auch an den großen Fast-Food-Ketten nicht spurlos vorüber gegangen zu sein. Sie haben inzwischen auf das veränderte Qualitätsbewusstsein bei den Verbrauchern reagiert und werben mit Umweltmanagement und Produktqualität.
In den Augen der Slow Food Anhänger sind die beworbenen Maßnahmen nur schlichte Werbestrategie. Aus dem Wunsch nach bewusstem Genuss ergibt sich für sie zwangsläufig die Forderung nach Verbraucherschutz und Nachhaltigkeit bei Anbau und Herstellung von Lebensmitteln. Massentierhaltung und der Einsatz von Pestiziden verträgt sich nicht mit Artenschutz und dem Bewahren der Biodiversität bei Pflanzen und Tieren. Carlo Petrini fordert daher eine neue „Esskultur“.Wie eine solche Kultur auf breiter Ebene etabliert werden kann und welche Konsequenzen damit verbunden wären, verrät Teil 3...
