Noch vor 30 Jahren waren Milch, Eier, Butter, Mehl und Kartoffeln die am häufigsten gekauften Lebensmittel, doch seitdem ist deren Pro-Kopf-Verbrauch fast um die Hälfte gesunken. Dagegen werden immer mehr Fertigprodukte konsumiert und immer öfter Geld für „Außer-Haus-Essen“ ausgegeben. Und dies ganz besonders im Fast Food Bereich. Denn wir wollen immer schneller, möglichst nebenbei und mit wenig Aufwand unsere Nahrung aufnehmen.
Doch Fast Food und Fertigprodukte enthalten nur wenig Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe, dafür aber Fett, Zucker und Salz. Der tägliche Fettbedarf ist so schnell überschritten. Hinzu kommt, dass im industriell hergestellten Fett der Fertiggerichte sehr viele so genannter Trans-Fettsäuren (künstlich gehärtete Fette) enthalten sind. Und diese fördern die Einlagerung von LDL-Cholesterin in unsere Gefäße mit den gesundheitsschädlichen Folgen Herzinfarkt, Hirnschlag, Durchblutungsstörungen und Bluthochdruck. In vielen Fertignahrungsmitteln sind außerdem Geschmacksverstärker, wie Mononatriumglutamat oder auch Farbstoffe enthalten, die das Essen appetitlicher und schmackhafter machen sollen. Doch nicht selten lösen Geschmacksverstärker Kopfschmerzen und Allergien aus.
Dem Fast Food den Kampf angesagt
Dem Fast-Food und seinen gesundheitsschädlichen Folgen hat „Slow-Food“ den Kampf angesagt. Slow-Food ist die „internationale Bewegung zur Wahrung des Rechts auf Genuss“. Das langsame, genussvolle Essen steht hierbei im Vordergrund. Ihren Ursprung hat die weltweite Bewegung in Italien: 1986 verhinderte eine Gruppe von Journalisten den Bau eines Fast-Food Restaurants in der Nähe der Spanischen Treppe in Rom. Mittlerweile hat sich der Gedanke bis nach Deutschland ausgebreitet, und zählt hierzulande bereits 5.800 Anhänger.
Insgesamt gibt es deutschlandweit 50 regionale Gruppen – so genannte Convivien („Tafelrunden“)-, die über 1.000 verschiedene Aktionen rund um das Thema Essen mit Genuss durchführen. In Seminaren, Workshops, Kochkursen, Bauernmärkten, Weinproben etc. genießen die Slow-Food-Mitglieder Produkte aus ihrer Heimat und testen neue Sorten regional erzeugter Nahrungsmittel. Dabei wollen die Anhänger die Produkte ohne künstliche Aromastoffe und Geschmacksverstärker zubereiten und anschließend genießen – handwerklich gebackenes Brot beispielsweise, selbsthergestellte Schokolade oder regional gebrautes Bier.
Zu den zahlreichen Aktivitäten von Slow Food in Deutschland zählen übrigens auch Genussfestivals in Frankfurt, Lübeck und Bonn, die Käsemarkte in Hamburg und Nieheim sowie ein Wurstmarkt in der Rhön.
Langsames Essen ist gesund
Slow Food wirkt sich auch positiv auf die Gesundheit aus. Denn 20 Minuten nach Beginn einer Mahlzeit setzt das Sättigungsgefühl ein. Durch das langsame, genussvolle Essen nimmt man - im Gegensatz zu Fertiggerichten - nicht mehr auf, als der Körper tatsächlich braucht. Risiken, wie Übergewicht und alle damit verbundenen Folgen, wie beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden minimiert. Stress wird abgebaut, da bewusste, zeitintensive Essenspausen der körperlichen Regeneration dienen, was sich insgesamt wieder positiv auf die Gesundheit auswirkt. Außerdem wird bei Slow-Food-Gerichten auf minderwertiges Fett verzichtet. Dadurch nimmt der Körper weniger Transfettsäuren auf, und der gesundheitsschädliche LDL-Cholesterin-Spiegel sinkt genauso wie das Risiko einer Kreislauf-Erkrankung.
