
- Horoskope und Sternzeichen: Zeichen des Kosmos - Markus Wegner / pixelio.de
Die Astrologie steckt in einem Dilemma: Sie will einerseits möglichst exakt sein – und ist es andererseits gerade nicht! Geholfen wäre ihr schon, wenn es gelänge, die Sprache der Astrologen von ihrem Festlegungszwang zu entrümpeln („Der Widder ist …; der Stier macht …; der Fisch muss …“). Man wäre sofort näher am Menschen, denn was hilft es, wenn man beispielsweise sagt: „Justin Bieber ist Sternzeichen Fische und deshalb…"? Wohlverstandene Astrologie, eine gut geführte Horoskopinterpretation, hilft dem Menschen, indem sie ihm einen Rahmen bietet: den Rahmen, innerhalb dessen sich sein Leben bewegt.
Als hilfreich und nachvollziehbar hat es sich erwiesen, wenn man den Menschen, die beim Astrologen Rat suchen, Bilder anbietet. Bilder zielen unmittelbar aufs Verstehen, darin ähneln sie Gerüchen, die eine ganz phänomenale Wirkung zeigen und selbst nach Jahrzehnten noch Erinnerung, ja Erschütterung auslösen. Mit Bildern erreicht man die Seele, Bilder bauen Brücken zum Verstehen. Bleiben wir im „Bild“: Bilder sind umrahmt, besitzen eine Fassung. In der Astrologie besteht diese Fassung aus vielen Facetten und Farbtönen. Es gibt die Sternzeichen*, es gibt die Planeten, es gibt die Häuser, den Aszendenten, die Mondknoten, die Elemente – kein Wunder, wenn man da rasch den Überblick verliert. Als Klient genauso wie als Astrologe.
Ein neuer Ansatz zum Verständnis der Sternzeichen
Die „Sternzeichen“ sind Theaterbühnen. Die Bühne des Widders ist anders dekoriert als die des Steinbocks, sie ist in anderen Farbtönen gehalten, aus den Lautsprechern dringt andere Musik. Die Planeten fungieren in dieser Auffassung, in diesem Bild als Schauspieler; sie haben „Rollen“, die sie vor verschiedenen Hintergründen vortragen: auf den Bühnen der Sternzeichen. Schauspieler Mars agiert anders als Schauspieler Merkur, Merkur auf der Bühne Jungfrau ganz anders als auf der Bühne Wassermann. Jede Bühne besitzt einen Schauspieler, der sich auf ihr besonders heimisch fühlt; in der Sprache der Astrologie ist das der „Zeichenherrscher“.
Die Sternzeichen des Frühjahrs und ihre Bühnen
Der Tierkreis folgt einem großen und großartigen Rhythmus vom Werden und Vergehen**. Im Tierkreis symbolisiert Widder den Aufbruch. Am Ende des Wegs steht der Fisch, mit dem sich der Lebensweg auflöst, der den Übergang in die Transzendenz verkörpert. Die Bühnen der Sternzeichen im Einzelnen. Auf der Bühne Widder, dem ersten Zeichen im Tierkreis, geht es um die eigenen Interessen; die müssen durchgesetzt werden. Der Tunnel ist das dazu stimmige Bild. Hier geht es nur nach vorne, ohne Rück-Sicht, mit einer Portion Aggressivität. Das Problem: Der Tunnel tut sich nur vorm Widder auf, hinter ihm liegt eine ganze Welt, von der er in seiner Naivität nichts ahnt. Auf der Bühne Stier findet die Verwurzelung statt. Widder erobert – Stier festigt. Der Acker, die Weide, die Farm, der Hof mit ihrer prallen Sinnlichkeit geben das passende Bühnenbild ab. Stall, Werkstatt, Milchsammelstelle, Tenne, Silo, Speicher – alles, was den Stier sichert, wird auf die Bühne gestellt. „Hänschen klein, ging allein“, schallt es von der Bühne Zwillinge. Für dieses Zeichen gilt der Gegenimpuls zum Stier, Sesshaftigkeit ist seine Sache nicht. Eine Drehbühne mit ständig wechselnden Landschaften repräsentiert die Neugierde des Zeichens Zwillinge.
Die Sternzeichen des Sommers und ihre Bühnen
In beinahe dialektischem Ablauf findet auf der Bühne Krebs eine Rückbesinnung statt. Ein Leben im (Elfenbein-)Turm, nur auf sich bezogen. Verhaftet im romantischen Irrtum, das Seelenleben könne von der Welt „da draußen“ abgeschottet werden. Ganz anders dieBühne Löwe! Prunk und Gepränge, ein Königspalast, überall Spiegel, die nur eines bestätigen sollen: die Pracht und Herrlichkeit Seiner Majestät, dem Löwen. Als moderneres Bühnenbild bieten sich noch das Fitness-Center an mit all seinen Spiegeln oder die Chefetage, von der aus der Herr und Meister seine Untergebenen führt. Solange sie nicht an seinem Status kratzen: mit Wohlwollen. Bühne Jungfrau. Wir sehen eine Abteilung des Statistischen Bundesamtes. Es geht ums (ängstliche) Sammeln von Informationen, die vorgaukeln, Leben ließe sich durch Zahlen und Statistik sichern. Andererseits erleichtert Ordnung den Alltag – die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen …
Die Sternzeichen des Herbstes und ihre Bühnen
Während am Bühnenrand der Jungfrau die Erbsenzähler hocken, wird die Bühne Waage von Gerichtsdienern, Anwälten und Richtern bevölkert. Wir befinden uns in einem Gerichtssaal. Oder in einem Künstleratelier. Harmonie heißt jedenfalls das Zauberwort. Harmonie, nicht Symmetrie, die ja auch eine Form der Harmonie darstellt, aber eher zur Jungfrau passt, denn auf der Bühne Waage geht es spielerisch zu, nicht reglementierend. Weswegen die Urteile im Gericht eher ausfallen wie eine Variante der zehn Gebote: „Du musst nicht …“ Die Bühne Skorpion entspricht der Studierstube des Gelehrten Faust. Hier geht es darum, „zu erkennen, was die Welt / in ihrem Innersten zusammenhält.“ Doch nicht nur erkennen, sondern auch aufdecken, entlarven bis hin zur Zerstörung. Weswegen auch der Bunker von Haigerloch einen passenden Hintergrund abgeben würde – oder die Couch des Psychiaters. Führte die Bühne Skorpion in die (Seelen- und Erkenntnis-)Tiefe, trägt die Bühne des Schützen hoch hinauf. „Näher mein Gott zu dir“, singt der Schütze unter der Decke der Sixtinischen Kapelle und streckt seinen Finger dem Herrgott entgegen. Straßenlärm ignoriert er, die Welt, das Irdische kann ihn mal – fürs Banale, Triviale ist er sich viel zu schade, um nicht zu sagen: zu hochmütig.
Die Sternzeichen des Winters und ihre Bühnen
Man muss die Regeln beherrschen, will man sie brechen, lautet das Motto auf der Bühne Steinbock. Sie gleicht der Werkstatt eines Handwerkers oder einer Diamantenschleiferei. Hier „soll das Werk den Meister loben“, denn, das weiß man in aller Demut, „der Segen kommt von oben.“ (Schiller, 1. Vers, „Die Glocke“) Deutschland sucht den Superstar! Und auf der Bühne Wassermann wird er gekürt! Hauptsache, du bist anders! Hauptsache, du siehst anders aus als all die anderen! Teamarbeit? Dafür gibt es doch Leiharbeiter, auf einem Trampolin hat nur einer Platz. Die Bühne Fische könnte Golgotha sein, der Ort, wo man sich das Leid der Welt aufbürdet. Ein Hospiz, die Telefonseelsorge, das Kloster oder Krankenhaus. Ein Ort, an dem man ausschließlich für andere da ist und seine Individualität völlig aufgibt im Dienste der Menschheit.
Anmerkungen:
* besser, weil richtig: Tierkreiszeichen
** Quellen:
- Astrologieliteratur für Einsteiger
- Astrologieliteratur für Fortgeschrittene
- Lebenshilfe Astrologie – Gedanken und Erfahrungen. Fritz Riemann, Klett-Cotta, 17. Auflage, 1999
- Schlüsselworte zur Astrologie. Hajo Banzhaf, Anna Haebler, Kailash, 3. Auflage 1996
