
- Trauerfeier, Moderation Schönenborn / Scholt - WDR / Frank Dicks
Die alte Stadtkirche Duisburgs, die Salvatorkirche, war Schauplatz der Trauerfeier für die Opfer des Unglücks auf der Loveparade 2010, das sich genau eine Woche zuvor auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes der Stadt ereignet hatte. Durch die Folgen des Ausbrechens einer sogenannten Massenpanik starben insgesamt 21 Menschen an Brustquetschungen. Mehr als 500 Teilnehmer wurden teils schwer verletzt. Auslöser war ein Stau der Besucher auf der Rampe von der Unterführung der Karl-Lehr-Straße auf das Partygelände hinauf, an dessen Rand Menschen versuchten, sich per Erklettern von Masten und einer Treppe aus der Masse zu befreien, dabei abstürzten und nach bisherigen Erkenntnissen damit das Choas auslösten.
Trauerfeier für die Opfer der Loveparade: Merkel in der Salvatorkirche
Am 31. Juli 2010 gedachten rund 550 Menschen den Geschehnissen und Opfern des 24. Juli 2010. An der Gedenkveranstaltung in der Salvatorkirche nahmen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Bundespräsident Christian Wulff, Außenminister Guido Westerwelle, Bundestagspräsident Norbert Lammert sowie die Chefin der NRW-Grünen, Sylvia Löhrmann und NRW Innenminister Ralf Jäger teil. Der ökumenische Gottesdienst wurde vom Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und dem Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, geleitet. Die Kerze und das Kondolenzbuch aus dem Unglückstunnel waren auf dem Altar aufgebaut. Unter den Gästen befanden sich rund 100 Angehörige der Opfer.
Kein Massenandrang im MSV Stadion
Vor der Salvatorkirche und im Stadion des MSV Duisburg hatten sich bei trockenem Wetter nur einige wenige hundert Menschen versammelt, um ihrer Trauer und ihrem Mitgefühl Ausdruck zu verleihen. Die von der Polizei erwartete Massenanteilnahme der Bevölkerung blieb aus. Der umstrittene Oberbürgermeister Adolf Sauerland blieb der Feier fern, um nicht provozieren zu wollen, wie er bereits Tage zuvor ankündigte. Die ARD übertrug die Trauerfeier von 11:00 Uhr an: Sabine Scholt und Jörg Schönenborn moderierten aus dem Stadion; Verena Bünten bezog Position vor der Salvatorkirche.
Trauerfeier für die Opfer der Loveparade: Der Ablauf der Trauerfeier
Die Veranstaltung begann pünktlich mit dem Orgelspiel des Eingangsliedes "Aus der Tiefe rufe ich zu Dir". Pfarrer Martin Winterberg eröffnete den Reigen der Predigten: „Wir gedenken der 21 Verstorbenen, die der Tod aus der Mitte ihres Lebens gerissen hat. Bitterkeit und Hoffnung, Zorn und Trost, Zweifel und Gewissheit – sie sind hier. Ohnmächtig schauen wir auf das Leid, das sichtbare und das unsichtbare. Die Trauer und die Traurigkeit verbinden uns über alle Länder und Religionen hinweg." Dann sprach Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck die Kyrie und leitete zum Gebet über: "Wir suchen Antworten auf unsere Fragen und Trost für unsere Bedrängnis." Dies, bevor Presbyterin Christiane Schmidt-Holzschneider die Verse eins bis zwölf des Psalms 139 aus der Bibel vorlaß.
Trauerfeier für die Opfer der Loveparade: „Stärker als der Tod ist die Liebe"
Präses Nikolaus Schneider ging dann mit einer Ansprache auf die Loveparade ein und erinnerte an den verzweifelten Überlebenskampf der jungen Menschen. Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut hielten die Hinterbliebenden gefangen. Hat Gott vergessen, gnädig zu sein? Warum, so Schneider, mussten 21 junge Menschen sterben, die doch nur ihrer Lebensfreude Ausdruck verleihen wollten? Stärker als der Tod jedoch sei die Liebe; der Tod könne die Liebe, die die Angehörigen mit den Opfern verband, nicht zerstören; sie würde in den Herzen und Gedanken weiterleben, so der Präses der Evangelischen Kirche. Der Glaube an Gott sei keine Versicherung gegen Leid und Tod, doch das Vertrauen an Gott schenke den Menschen Stärke und Trost.
Die Predigt von Ruhrbischof Overbeck
Dann spielte Markus Zaja eine Improvisation über Psalm 34, auf die hin die Predigt des Ruhrbischofs folgte, in deren Verlauf er ebenfalls darauf einging, dass die Opfer völlig unerwartet von fröhlichem Feiern in Tod und Leid gestürzt wurden. Was für unser Leben typisch sei, so Overbeck, denn Menschen seien jeden Tag vom einen auf den anderen Moment ihrem Schicksal ausgeliefert. Der Ruhrbischof weiter: „Gott hält auch dem Leid stand. Er nimmt das Leid selbst auf sich – für uns. Dafür steht das Kreuz. Ich glaube, dass uns eben jener Gott, der uns mit Jesus entgegenkommt, auch heilt in dem Leid. Er kann das Leid nicht verhindern und doch ist er da für die Toten, die Verletzten, die Trauernden, für die Rettungskräfte und auch für jene, die sich der Verantwortung stellen müssen."
Trauerfeier für die Opfer der Loveparade: Eine Kerze für jeden Verstorbenen
Overbeck beschloss seine Predigt mit den Worten: „Wir werden jetzt für jeden Verstorbenen ein Licht anzünden, zum Gedenken und als Zeichen der Liebe." Daraufhin entzündeten Einsatzkräfte und Kirchenvertreter eine Kerze für jedes der 21 Opfer. Präses Schneider stellte die erste Kerze neben das Kondolenzbuch. Im Anschluss daran wurden von Notfallseelsorgern und Geistlichen die Fürbitten gesprochen: „Lass diejenigen, die an Schuld zu zerbrechen drohen, deine Barmherzigkeit erfahren. Bewahre uns alle davor, Menschen vorschnell zu verurteilen, damit Wut und Zorn nicht die Stadt regieren.“ Ein deutliches Signal an diejenigen, die gegen Oberbürgermeister Sauerland Front machten. Ruhrbischoff Overbeck stimmte dann das Vaterunser an; die Gemeinde betete.
Hannelore Kraft hielt eine Ansprache, den Tränen nah: „Sie sind nicht allein"
Nach dem Gebet erklang erneut Orgelspiel: Die Gemeinde sang "Von guten Mächten“. Overbeck und Schneider erbaten dann den Segen für die Kirchengemeinde. Zu Orgelklängen von Johannes Brahms endete der Trauergottesdienst, während dem zahlreiche Menschen in stillem Gedenken auch um die Kirche ausharrten. Kurz darauf ergriff die Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, das Wort in dem sie ihr Beileid aussprach, aber auch den Verletzten gegenüber ihr Mitgefühl ausdrückte. Doch sie sprach auch die Schuldfrage an, die noch geklärt werden müsse und auch werde. Dann dankte die Ministerpräsidentin den zahlreichen Helfern, von den Ärzten bis hin zu denen der Bahnhofsmission. Das Land NRW werde, wo es nötig sei, Betroffenen schnell helfen.
Trauerfeier für die Opfer der Loveparade: Fotos vom Ablauf des tragischen Unglücks
Dass die Todesfälle hätten vermieden werden können, belegen Fotos, die die Bildzeitung veröffentlichte, denn auf diesen war zu erkennen, dass es genügend freie Fläche gab. Es fehlte allerdings an kompetenter Regulierung der Menschenmassen seitens der Ordner im Bereich der Rampe. Als die Polizei eingriff, war es bereits zu spät. Somit kam es zur Trauerfeier für die viel zu jung Verstorbenen von der Loveparade 2010 in Duisburg, deren offizieller Teil mit einem Violoncello Solo von Ulrich Mahr um kurz nach zwölf Uhr gefühlvoll endete.
