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So nutzen Senioren PC und Internet

Auch im Alter mittendrin im Leben - Laptop und Web machen es möglich

Einkaufen, Reisen buchen, Online-Banking, Kontakte knüpfen - für immer mehr Senioren ist das Internet ein wichtiger und selbstverständlicher „Draht nach draußen".

An manchen Tagen fällt es Anneliese S. schwer, ihre Wohnung zu verlassen – die Beine machen nicht immer so mit. Das hindert die 73-jährige jedoch nicht, aktiv am Leben draußen teilzunehmen und sich das Leben so zu organisieren, dass sie selbständig bleiben kann. Damit ist sie das Paradebeispiel für eine aktive, geistig jung gebliebene Seniorin. Sie wünscht sich, dass ihrem Beispiel noch viele Altersgenossen folgen.

In Seniorenportalen neue Anregungen finden und interessante Kontakte knüpfen

Der erste Weg nach dem Aufstehen führt Anneliese morgens an ihren Laptop: Einschalten und aktuelle Nachrichten und Mails abrufen. Nach dem Frühstück wird sie im Chatroom (virtueller Treffpunkt) ihres Lieblings-Seniorenportals den täglichen Plausch mit den drei Freundinnen halten, die sie dort kennen gelernt hat – wie jeden Morgen, pünktlich um 10 Uhr.

Ganz nebenbei können die beteiligten Damen so feststellen, ob auch alles in Ordnung ist. Fehlt eine im Plauderquartett „unentschuldigt“, dann wird sogleich telefoniert: Ist sie weder auf dem Handy noch zu Hause erreichbar, wird eine Nachbarin informiert, die nach dem Rechten sieht und wenn nötig sofort Hilfe organisiert.

Durch den Besuch einer Veranstaltung der Regionalgruppe ihres Seniorenportals und anschließende gemeinsame Theaterbesuche ist aus den allein stehenden Frauen nicht nur ein unternehmenslustiges Kleeblatt geworden – auch ein kleines Hilfenetzwerk für den Notfall ist so entstanden.

Im Computerkurs das notwendige Rüstzeug und Beratung bekommen

„Nun ist aber Schluss, tschüss Mädels bis morgen!“ Anneliese möchte noch ein paar Bilder bearbeiten, die sie vom letzten Treff mit der Seniorengruppe PC im Bürgerzentrum gemacht hat, mit der neuen Digitalkamera, einem Weihnachtsgeschenk Ihrer Tochter. Seit ihrem Computer-Einsteigerkurs vor zwei Jahren organisieren die Teilnehmer noch immer regelmäßige Infonachmittage zu neuen Themen. Die Technik steht schließlich nicht still: Bildbearbeitungsprogramme, eigene Homepage, Sicherheitssoftware, Skype, Twitter – Anneliese spielt mit dem Gedanken, über ihre Erfahrungen als PC-Späteinsteigerin in einem eigenen Blog (Internet-Tagebuch) zu schreiben und noch mehr Altersgenossinnen Mut zu machen, sich übers Internet eine neue Welt zu erschließen mit überraschenden Erfahrungen und Erlebnissen.

Denn eines weiß sie ganz genau: Hätte sie nach dem Tod ihres Mannes vor drei Jahren nicht den Computerkurs von ihren Enkeln zum Geburtstag geschenkt bekommen, dann säße sie wahrscheinlich heute einsam und gelangweilt hier herum, hätte kaum Kontakte, wäre sicher mehr auf Hilfe und Unterstützung angewiesen. Zum Thema Computer und Internet kann sie zwei hilfreiche Ratgeberbücher für Senioren empfehlen: "Opa das kannst Du auch: Mein Enkel erklärt mir den Computer" (ISBN 978-3-9809607-5-5) und "Opa, das kannst Du auch: Mein Enkel erklärt mir das Internet" (ISBN 978-3-9811506-0-5), beide erschienen im brunomedia Buchverlag.

Ein Netzwerk für den Alltag organisieren und eigenständig bleiben

Trotz ihrer Gehprobleme aber kommt die muntere Rentnerin ganz gut zurecht: Mit dem Lebensmittelhändler ein paar Straßen weiter hat sie zwei Lieferungen ins Haus pro Woche vereinbart – was sie braucht, schreibt sie jeweils am Vorabend bis 18 Uhr per E-mail. Andere nützliche Dinge, die ihren Alltag erleichtern, bestellt sie in einem Internet-Seniorenshop. Ihre Bankgeschäfte erledigt Anneliese inzwischen online, Arzt und Apotheke erinnern sie per E-Mail oder SMS an bevorstehende Praxistermine und notwendige Verordnungen für verschreibungspflichtige Medikamente. Alltagshilfen wie Putzen, Gartenarbeiten oder Fahrdienste vereinbart sie telefonisch mit dem Pflegedienst, der ihren Mann in seinen letzten Wochen vor dem Tod betreut hat.

Wissen erwerben, den Horizont erweitern, lebenslang lernen

Im Internet hat sie jüngst ihre erste Reise gebucht: Es geht nach Florenz, alles wird organisiert von einem Seniorenbegleitservice – Mobilität garantiert mittels Rollator (Gehhilfe) und notfalls mal Rollstuhl. Auf die Stadt und ihre Schönheiten hat sich die Urlauberin schon ausgiebig vorbereitet, verschiedene Websites besucht und sich Touristen- und Sprachführer im Onlinebuchhandel bestellt. Außerdem lernt sie gerade in einem kostenlosen Online-Sprachkurs bis zum Reisestart noch die wichtigsten italienischen Redewendungen.

Das ist überhaupt das Wichtigste für die lebenshungrige Seniorin: Sie möchte geistig nicht stehen bleiben, täglich etwas Neues kennen lernen und erfahren. Deshalb besucht sie so oft es geht virtuell ein Cafe der besonderen Art: Das Lerncafe ist ein Online-Magazin, das von einer 23-köpfigen Senioren-Redaktion gemacht wird. Seit 2003 haben sie in 34 Ausgaben die unterschiedlichsten Themen didaktisch so aufbereitet, dass man sich anhand von Beiträgen und vielen weiterführenden Tipps und Links ganz individuell einen Wissensbereich „erobern“ kann. Kein stures Lernen, eher ein spannendes Entdecken – also so, wie Anneliese es liebt.

Marion Seigel, (Foto: Martin Seigel)

Marion Seigel - Marion Seigel ist Fachjournalistin, PR-Beraterin und Referentin - sie betreibt das journalistische Handwerk, ...

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