
- Macht für die Prosumenten! - Ulirch Bass
Eric Qualmann hat mal wieder zugeschlagen: mit seinem Buch „Socialnomics“, bringt er den Einfluss sozialer Netzwerke auf Gesellschaft und Wirtschaft auf den Punkt.
Mehr und mehr Menschen vernetzten sich im Internet in sozialen Netzwerken. Private Personen ebenso wie Wirtschaftsunternehmen. Die Motivationen für den Vernetzungswillen sind entsprechend sozialer, geselliger Natur oder es liegen wirtschaftliche Interessen hinter Vernetzungsbemühungen. Oder beides gleichzeitig. Besonders die Anstrengungen von Wirtschaftsunternehmen sich im Internet Gehör zu verschaffen, zeigen eine 1-zu-1-Übertragung der Werbebotschaften aus den klassischer Medien in das Internet, getrieben von einer Suchmaschinenoptimierung. Jenen Unternehmen sei dieses Buch dringend angeraten. Denn sie nutzen die Dimension der sich im Gange befindlichen Revolution nicht.
Den Anschluss nicht verpassen
Das Zitat einer Abgeordneten einer Bundestagsfraktion „Ich schau mal Internet“ mag zwar lustig gemeint sein, doch nicht umsonst wurde diese sonst aufgeweckte Dame zum Gespött. Denn es offenbart, dass die wirtschaftliche und gesellschaftliche und politische Dimension des Internets augenscheinlich an dieser Volksvertreterin vorbei geht. Und an vielen Wirtschaftsunternehmen ebenso.
Aber was ist denn nun die eigentliche Dimension, die eigentliche Revolution, die das Internet auslöst? Sind es neue Vertriebskanäle? Ein neues mlm-System (mulit level marketing)? Ein Firmenaccount in Twitter oder einem anderen sozialen Netzwerk? Ist es das zunehmende Fernmanagement – ob Firewalls, oder chirurgische Roboter-Eingriffe, sehr viel ist und immer mehr wird fernsteuerbar. Das ist schon mal eine erstaunliche Entwicklung in nur wenigen Jahren, aber von einer Revolution muss man da ja nicht gleich sprechen. Sind es die sozialen Netzwerke?
Soziale Netzwerke als Kern der Revolution?
Selbst die Dame aus der Politik ist Mitglied von sozialen Netzwerken. Doch wo genau ist denn da die Revolution? Ist es, dass viele Internetschauer als Menge in sozialen Netzwerken registriert eine Revolution ausmachen? Immer noch nicht! Die Revolution ist einfach nicht zu finden! Wie bekomme ich 100.000 Clicks? Wie bekomme ich eine positive Welle durch das Internet zustande ohne Suchmaschinenoptimierung? Das könnte mal eine Revolution sein!
Der nahe liegende Weg, eine Revolution in Gang zu bringen ist natürlich, sich zu äußern. Doch viele Äußerungen im Netz sind Interessen geleitet. Und bringen einfach nicht den Effekt, den man sich wünscht. Interessen geleitete Äußerungen werden schnell als Werbung erkannt und werden eben auch wie Werbung behandelt. Werbung wird i.d.R. ignoriert oder aber weg geklickt oder als störend empfunden. Die Welle im Netz hat eine Eigendynamik, die schwer zu steuern ist.
Auf der Revolutionswelle surfen
Wie erzeugt man also 1 Million Likes? Nicht durch eine Million Views und auch nicht durch eine Million Actives. Und nicht durch eine Million Clicks. Denn so hohe Clickzahlen sind einfach zu erzeugen. Eine ganze Industrie mit allein in Deutschland über 15.000 Internetworkern erledigt das. Ein Klick auf eine Firmenseite mit Beweislieferung (also eine Info, die man auf der Seite finden muss) kostet 10 bis 20 Cent. Damit lassen sich herrliche Statistiken erzeugen, die gemessen werden. Diese Projekte boomen erstaunlicher Weise immer noch.
Also 1 Million Clicks kosten 100.000 Euro ohne Overhead. Aber davon hat man kein einziges Like! Viele Likes lassen sich vor allem durch Empfehlungen erzeugen. Doch eine Empfehlung hat eine Eigenschaft, die sie von Werbung unterscheidet. Empfehlungen sind authentisch und haben einen – wenngleich nicht immer ausschließlichen – uneigennützigen Aspekt. Ein Like entspricht einer passiven Empfehlung. Das Beste, was man erreichen kann, sind aktive Empfehlungen via Tweet oder Mitteilung an die Erstkontakte im Netzwerk. Denn genau diese sind es, welche die Revolution in Gange bringen. Nur, wie kann man das als Unternehmen steuern? Das Buch gibt Antworten: Socialnomics. Für die Internetwerbung wird also bald neben Pay per Lead, Click oder Click-out sich ein vierter Modus einstellen, der allerdings mit den gängigen Marketing-Methoden kaum erreicht werden kann: Pay per Recommendation. Wirtschaft wie Poltik müssen lernen, mit Prosumenten umzugehen.
