Heutzutage sinniert man über die Welt im allgemeinen und besonderen im Gewand von Computermetaphern. Warum nicht auch Organisationen wie Betriebe, Parteien, Ämter, Schulen und andere Segnungen der Zivilisationen unter diesem Gesichtspunkt betrachten? Gehen wir also einfach einmal davon aus, dass sie aus zwei verschiedenen Teilen bestehen, der Hardware und der Software. Gehen wir weiter davon aus, die Hardware umfasse neben den obligatorischen technischen Hilfsmitteln, Produktionskapazitäten, Informationstechnologien den schlechthin ‚rationalen’ Gehalt der Organisationen: Verwaltungsstrukturen, Dienstpläne, Verträge, Organigramme, verbindlich festgelegte Hierarchien, Funktionsträger. Unter die Software dagegen fiele die Ausführung bzw. die Erfüllung von Entscheidungsprogrammen, kurz das, was man altmodisch Mensch oder Person nennt.
Hard facts und Soft Skills
Daran anknüpfend könnte man den Umgang mit der Welt im allgemeinen, miteinander im besondern neudeutsch in die zwei Domänen Hard Facts und Soft Skills einteilen. Hard Facts verweisen darauf, dass es ein festes Gefüge von Sachverhalten gibt, deren Verbindungen methodisch streng und rational hergestellt sind (die Gestaltpsychologie stellt dafür den Begriff Form zur Verfügung); dagegen sind die weichen Erscheinungsformen lockerer miteinander verbunden. Statt mit einer klar abgegrenzten Form hat man es hier mit dem weichen Untergrund zu tun, dem Medium, in das die Form eingebettet ist und von dem sie sich scharf abhebt. Es bildet den Hintergrund möglicher Verbindungen, aus dem die Logik Vorschriften für feste und tatsächliche Verbindungen auswählt. Der Gedanke bestätigt sich, dass man auf dieser Ebene mit Logik allein nicht weiterkommt, weil die Logik alles begründen kann, nur nicht ihre eigenen Voraussetzungen.
Das menschliche Element
Es ist schon sehr beruhigend, mit der Unterscheidung von Hard- und Software hantieren zu können; insbesondere Software klingt irgendwie berechenbarer als altmodische Konzepte, die nicht müde werden, den Geist in der Maschine zu beschwören – aber unter uns: letztlich geht es genau darum. Denn für den modernen Betrieb der Gesellschaft ist die Softwarekomponente ein Quell ständigen Ärgers; der Idealzustand besteht darin, dass alles reibungslos klappt, und man den menschlichen Faktor sich vollständig in seiner optimalen Erfüllung seiner Funktion im Betriebsablauf aufgehen sehen kann. Die Software, das menschliche Element, wird nur dann zum Thema, wenn es eine Krise im Organisationsverlauf anzeigt.
Der Umgang mit Paradoxien
Hier kommen die Soft Skills ins Spiel. Jeder weiß, dass man in einer strittigen Auseinandersetzung nicht immer gut damit fährt, wenn man den Kontrahenten ein wenig schulmeisterlich auffordert, jetzt einmal ganz sachlich zu bleiben. Meist wird hier die Logik zum Bumerang. Und wer schon einmal einen Beitrag mit der Aufforderung, es nicht persönlich zu nehmen, vorab serviert bekommt, der wird einfach nicht umhin können, es todsicher so zu nehmen. Soft Skills beziehen sich so auf das, was das harte Faktenwissen wie der Teufel das Weihwasser scheut: das Paradoxe, den Hinweis darauf, dass Ordnungen immer nur provisorisch sind und jederzeit auch untergraben werden können. Wo harte Fakten sich in der Rolle des unbestechlichen Informationsübermittlers gefallen, wissen die Soft Skills es besser, weil nicht so genau. Harte Fakten nutzen eindeutige Codes, die eben nicht eindeutig sind. Weiche Fähigkeiten öffnen die gerade notdürftig geschlossene Welt. Sie leben vom Einzelfall, vom Konkreten, nicht vom Allgemeinen, Abstrakten. Ihr Lehrbuch ist entweder leer oder umfasst eine unendliche Bandzahl.
'Harte' Forschung und 'weiche' Kultur
Der wissenschaftliche Gestus, der momentan wieder einmal unter dem Stichwort der Wissensgesellschaft so eifrig beschworen wird, tut gut daran, sich nicht einfach mit harter Forschung gleichzusetzen, sondern auch kulturelle Bildung einzubeziehen. Er sollte das nicht allein mit einem jovialen Zungenschlag tun, sondern sich vor Augen führen, dass der beinahe mystische Tonfall, mit dem man auf die Grenzen der modernen Naturwissenschaft hinweist, von Quantenphysikern stammt. Es ist ganz so, wie es in der Kybernetik zweiter Ordnung heißt, dass die Soft Skills die härtesten Anforderungen stellen – Anforderungen, an denen die bewährte Logik scheitert. Und so gesehen ist der Gedanke vielleicht gar nicht so abwegig, dass nicht die Soft Skills Wärme in einer kalten Faktenwelt spenden, sondern die Hard Facts über das Prinzip der Unvorhersehbarkeit hinwegtrösten. Und damit bloß niemand auf die Idee kommen möge, die Selbstberuhigung der alarmierten Gesellschaft zu stören, macht man sich daran, Bildungsansprüche in die Privatsphäre umzusiedeln und Universitäten als Technische Universitäten neu zu erfinden. Denn es ist weit mühseliger, eine mehrwertige Logik, die nicht nur eine Ebene mit der binären Unterscheidung von wahr und falsch kennt, zu entwickeln und sich an den Gedanken zu gewöhnen, Rationalität irrational gebraucht sei nur eine besonders heimtückische Form der Idiotie.
