Das Wort "Philosophie" kommt aus dem Griechischen und heißt "Liebe zur Weisheit". Was für ein schöner, in sich ruhender Begriff! Zwei Worte, die jeder für positiv hält. Die Liebe, nach der wir uns immer sehnen und die Weisheit, der wir uns genähert haben wollen, gegen Ende unseres Lebens. Die Hoffnung im Verlaufe unserer Lebenszeit, während dessen nicht nur Scheinlösungen für Probleme und Lösungen für Scheinprobleme anstreben zu müssen, weil zu wenig gewusst wird, ist damit eng verbunden. Wenn wir über unser Alltagswissen und die veröffentlichten Meinungen hinaus mehr an Erkenntnissen über uns selbst, über die Welt und über erstrebenswerte Ziele wissen wollen, dann lohnt allemal die Beschäftigung mit der Philosophie. Die drei großen Philosophen der Antike Sokrates, Platon und Aristoteles unterscheiden zu lernen, ist ein erster Schritt.

Sokrates (470 - 399 v. Chr.)

Der Athener Sokrates wurde wegen angeblicher Einführung neuer Götter und Verführung der Jugend zum Tode durch den Schierlingsbecher, einem Gifttrunk, verurteilt. Er hatte behauptet, nicht Zeus ließe es regnen, sondern die Wolken. Sokrates hat keine Schriften verfasst und wir wissen vor allem von seinem Schüler Platon, der ein umfangreich erhaltenes Werk hinterlassen hat, was Sokrates lehrte. Der Überlieferung zufolge trat er für die Übereinstimmung von Reden, Denken und Handeln in einem vernünftigen Leben ein. Eine ethische Maxime, die nichts von ihrer Modernität eingebüßt hat, jedoch heute immer weniger beherzigt zu werden schein, was gerade von jungen Menschen häufig in der Diskussion beklagt wird.

Sokrates war auch der Philosoph, auf den der berühmte Ausspruch "Ich weiß, dass ich nichts weiß!" zurückgeht. Dieser Satz stammt eigentlich aus der von Platon notierten Verteidigungsrede von Sokrates und soll sinngemäß im Orginal gelautet haben: "Jener glaubt etwas zu wissen, weiß aber nichts, ich weiß zwar auch nichts, glaube aber auch nicht, etwas zu wissen." Unverkürzt bekommt dieser Text eine völlig andere, auf eine Zeugenaussage während eines Prozesses begrenzte Bedeutung. Psychologisch interpretiert ist bei dieser Aussage die Erkenntnis, dass wir über uns selbst wenig wissen. Die Selbstreflexion ist immer problematisch. Sie führt öfter als wir glauben zu falschen Schlüssen und hindert uns dann, Dinge zu tun, die sinnvoll wären. Mit unserem Glauben, etwas zu wissen, vorsichtiger umzugehen, kann jedermann und nicht nur Politikern, Theologen und anderen Dogmatikern von Nutzen sein.

Platon (428 - 348 v. Chr.)

Auf Platon geht die Idee von der Unsterblichkeit der Seele zurück, weil sie immaterieller, also nicht stofflicher Natur ist und Zeit des Lebens mit dem Leib vereinigt ist, dessen Bedürfnisse und Begierden allerdings das Streben der Seele nach wahrer Erkenntnis verhindern. Unsere abendländischen Vorstellungen sind kulturell von dieser steinalten griechischen Ansicht bis heute stark beeinflusst. Wir Menschen neigen vielfach nicht dazu, die Wahrheit wirklich wissen zu wollen, auch wenn wir das Gegenteil beteuern. An der Missachtung dieses Grundprinzips scheitern manche Karrieren und Lebensträume.

Aristoteles (384 - 322 v. Chr.)

Aristoteles, der dritte hier erwähnte große antike Philosoph, war ein Schüler Platons. Anders als sein Lehrer unterteilte Aristoteles erstmals die Philosophie in verschiedene Disziplinen. Sein Werk enthält Schriften aus den Bereichen Logik, Wissenschaftstheorie, Physik, Biologie, Zoologie, Astronomie, Meteorologie, Ethik, Politik, Kunst und Rhetorik. Er war das, was man ein Universalgenie nennen kann, wobei zu seinen Lebzeiten der gesamte Stoff noch für eine Person überblickbar war. Aristoteles ist insofern für unser heutiges Leben interessant, weil er wichtige Erkenntnisse im ethischen Bereich gehabt hat. Er sah das Streben nach Glück und hat bereits erkannt, dass es hilfreich ist, ein Ziel im Auge zu haben, wie der Bogenschütze. Das ist ein sehr eindrucksvolles, immerhin fast 2.300 Jahre altes Bild für zielorientiertes Denken.

Für Aristoteles ist das Glück eine Bestätigung der Seele gemäß ihrer eigentümlichen Vortrefflichkeit. Gemeint ist damit, es reicht nicht aus, eine gute Seele zu haben oder zu sein, sondern in diesem Sinne auch tätig zu werden. Eben jener Unterschied zwischen Image und Identität, der dem modernen Menschen zu schaffen macht. Jeder Mensch hat für Aristoteles eine einzigartige seelische Begabung und die sollte er so gut wie es eben geht nutzen. Für ihn ist der Mensch ein politisches Wesen (Zoon politikon), das sein Hauptziel, ein glückliches Leben, nur in einem gerechten Staat verwirklichen kann, der das Wohl sämtlicher Bürger und nicht nur das einer bestimmten Schicht berücksichtigt. Es sind zweifellos hochmoderne Gedanken von enormer Aktualität.