Zweihundert Jahre nach dem "offiziellen" Beginn der Philosophiegeschichte leben in Griechenland drei der bekanntesten Philosophen und verbreiten Gedanken, worüber man größtenteils noch heute diskutiert. Sokrates, der Lehrer Platons, hat keine Schriften hinterlassen. Dank Platon wissen wir heute, was Sokrates gelehrt hat. Aristoteles, der Lehrer von Alexander dem Großen, hat unter anderem die Biologie als wissenschaftliches Fach begründet.

Sokrates (470-399 vor Christus) und der Schierlingsbecher

Sokrates hat nichts aufgeschrieben. Alles, was wir über ihn wissen, wissen wir indirekt durch die „Dialoge“, die Platon verfasst hat. Zur Zeit Sokrates ist der führende Politiker Perikles, der auch als erster Demokrat gilt. Für Sokrates ist die Grundursache allen Übels die Unkenntnis. Sokrates ist bekannt dafür, dass er am Marktplatz die Passanten mit seinen Fragen belästigt: er befragt sie solange zu einem Thema, bis sein Gegenüber völlig verunsichert aufgeben muss. Er beweist, dass auch die Politiker oder Wissenschaftler keine Ahnung von dem haben, was sie von sich geben. Er fragt immer weiter, bis das Gegenüber selbst einsehen muss, dass er doch nicht das ganze Wissen über eine bestimmte Sache besitzt. Deshalb wird er sehr bald von vielen gehasst und schließlich getötet. Platon beschreibt seinen letzten Abend vor dem Trinken des Giftbechers ganz genau. Dass Sokrates von den Politikern verurteilt wird, ist auch der Grund, warum Platon, nicht wie ursprünglich geplant Politiker, sondern Philosoph wird.

Von Sokrates stammt der berühmte Spruch „Ich weiß, dass ich nichts weiß“. Laut einer Legende ist er mit Xantipphe verheiratet, einer Frau, die ihn vor allen Leuten beschimpft, weil er nie zu Hause ist. Sokrates ist außerdem bekannt dafür, seinen Körper und seinen Geist fast zur Vollkommenheit zu beherrschen: viele wunderten sich wie er, mitten im Winter, barfüßig gehen konnte oder dass er, obwohl nicht Alkoholiker, geeichte Trinker unter den Tisch trinken konnte, ohne im geringsten betrunken zu werden.

Platon (427-347 vor Christus) und das Höhlengleichnis

Platon gründet in Athen die „Akademie“, die Vorgängerin der Universität, die bis 900 nach Christus bestehen bleibt. Ziel alles Lehrens ist die Lenkung des Menschen weg vom vergänglichen Wechsel der Erfahrungswelt, hin zu der hinter ihr liegenden unveränderlichen Welt. Vom Werdenden zum Seienden. Von Platon stammt die Ideenlehre: „Idea“ kommt vom griechischen und bedeutet „Bild“ oder „Vorbild“. Für Platon ist die Idee vollkommen und wirklich, das Einzelne hingegen ist unzulänglich und existiert nur scheinbar. Jedes einzelne Objekt oder Wesen hat ein ideales Wesen als Ursprung. Es gibt zum Beispiel ein ideales Pferd. Die einzelnen, tatsächlich existierenden Pferde sind alle nur ein Teil des idealen Pferdes. Für den Menschen, den Tisch und alle Objekte dieser Welt gilt dasselbe. Von Platon ist auch das Höhlengleichnis bekannt, wonach wir Menschen alle in einer dunklen Höhle leben und auf unsere Schatten blicken, die wir für die Wirklichkeit halten. Eines Tages schafft es ein Mensch, aus der Höhle hinauszugehen und erblickt das Licht und die Welt, wie sie wirklich sind. Als er zurück in die Höhle geht, um seine Entdeckung seinen Mitmenschen zu erzählen, glaubt ihm jedoch keiner.

Platon verfasst ein politisch relevantes Werk: „Der Staat“. In diesem Werk geht es um den Aufbau eines idealen Staates. Das Wort „Politeia“ kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt „Gemeinwesen“. Die Gesellschaft in einem idealen Staat sollte in drei Gruppen oder Kasten eingeteilt werden: in Wächter, Soldaten und in das gemeine Volk. Jeder Mensch könne jedoch aus eigener Leistung in einer Gruppe auf- oder absteigen. In Platons Staat ist Zusammenarbeit wichtig, die Menschen verschwinden fast ganz als Individuen. Die Wächter, die wichtigste Gruppe, sollte aus Philosophen und weisen Menschen bestehen. Damit man Wächter wird, muss man einige Prüfungen bestehen. Die Welt soll von Philosophen regiert werden, nur sie haben das nötige Wissen und die nötige Kraft zu regieren. Für Platon besteht die Aufgabe des Lehrers darin, die Schüler zu selbstständigem Denken zu erziehen.

Aristoteles (384-322 vor Christus) und der Syllogismus

Aristoteles ist zunächst ein Schüler in Platons Akademie. Später gründet er seine eigene Schule, das „Lyzeum“. Er wird zum ersten Berufsphilosophen und Lehrer Alexander des Großen. Wie kein anderer vor ihm, beginnt er das bis dahin angesammelte Wissen zu klassifizieren. Er schreibt trockene Lehrbücher und systematische Abhandlungen und ist eher ein Biologe als ein Philosoph. Für ihn ist das Erbringen von „Beweisen“ wichtig. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass, im Gegensatz zu östlichen Gelehrten, die Griechen Beobachtungen zu begründen versuchen. Kernstück der aristotelischen Logik ist der Syllogismus. Ausgehend von zwei Sätzen wird auf einen dritten Satz geschlossen. Die ersten zwei Sätze heißen Prämissen, der dritte Satz ist die Konklusion. In den Prämissen ist ein gemeinsames Element enthalten, das im dritten Satz verschwindet. Beispiel:

  1. Alle Menschen sind sterblich
  2. Sokrates ist ein Mensch
  3. Sokrates ist sterblich.
Satz eins und zwei sind die Prämissen, gemeinsames Element ist „der Mensch“, in der Konklusion fehlt dieses Element. Die Wissenschaft soll laut Aristoteles mit Axiomen (erster Satz, der keines Beweises mehr bedarf) beginnen. Aristoteles begründet auch den Begriff der Teleologie: „telos“ bedeutet Zweck. Das bedeutet, dass jedes Ding auf ein Ziel gerichtet ist und seinen Zweck hat. In einem Samen ist zum Beispiel die Entwicklung zu einer bestimmten Pflanzenform bereits angelegt. Auch der Mensch ist durch seine geistigen Anlagen auf eine Verwirklichung als Vernunftwesen vorprogrammiert.

Quellennachweis:

Russell, Bertrand: Denker des Abendlandes. Gondolino Verlag. 2005

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