Soldat ist ein Beruf und bei weitem kein Job

Peter Dreibrodt - Kadereit
Peter Dreibrodt - Kadereit
Bei der Einberufung zum Wehrdienst bekam das Leben eines Remscheiders eine völlig neue Richtung. Doch auch das ehrenamtliche Engagement kommt nicht zu kurz.

Die Einberufung zum Wehrdienst lieferte ihm das Signal für eine neue Ausrichtung seines Berufsweges. Peter Dreibrodt ist Berufssoldat und das mit Leib und Seele - die fünfunddreißig Jahre “beim Bund” haben ihn stark geprägt. Noch rechtzeitig vor dem Bau der innerdeutschen Mauer ging Peter Dreibrodt 1961 mit seinen Eltern auf die Flucht. Über Berlin-Tempelhof und danach durch mehrere Auffanglager führte der Weg der “getürmten” Familie von Dessau nach Remscheid, wo sein Vater glücklicherweise eine Arbeitsstelle gefunden hatte. Hier wuchs er auf, wurde zum Werkzeugmacher ausgebildet und ging diesem Beruf dann auch zunächst nach, bis die Einberufung zur Bundeswehr kam. Die sollte dann nämlich die Wende in Dreibrodts Leben bedeuten, denn er entschloss sich nach kurzer Zeit, “Bürger in Uniform” zu werden.

Soldat auf Probe

Zunächst einmal bekam er den Status des “Zeitsoldaten”, um sich dann um die Anstellung zum Berufssoldaten zu bewerben. Dazu gibt es ein besonderes Auswahlverfahren, doch um dort teilnehmen zu können, muss sich der Aspirant zunächst einmal bewähren. Da ist es erforderlich, zahlreiche Kurse nicht nur zu besuchen, sondern dort auch gut abzuschneiden, und ansonsten bei den turnusmäßigen allgemeinen und den speziellen Beurteilungen im Sport und beim Schießen mit vorzüglichen Ergebnissen aufwarten zu können. Doch schon knapp zwei Jahre nach der Einberufung wurde der junge Soldat zum Unteroffizier ernannt. Den Ernennungen zum Stabsunteroffizier, zum Feldwebel und zum Oberfeldwebel folgte dann 1979 die zum Berufssoldaten. Im Jahre 1984 wurde er als Gerätefeldwebel nach Shilo in Kanada abkommandiert.

Über den "großen Teich"

Fast ein Jahr lang verbrachte er mit seiner Familie in dem nordamerikanischen Land, wo die deutschen Soldaten auf Truppenübungsplätzen in für uns unvorstellbaren Größenordnungen lernen, aus dem fahrenden Panzer zu schießen. Als es um den ersten Auslandseinsatz der Bundeswehr ging, war Peter Dreibrodt in Kroatien ebenso wie beim KFOR-Einsatz im Kosovo dabei. Die olympischen Winterspiele von Sarajewo noch um Gedächtnis, kamen die deutschen Soldaten in eine völlig zerstörte Stadt – ein erschreckender Anblick für die jungen Männer, die doch erst in der Nachkriegszeit geboren waren. Gräber und unzählige Kreuze mitten in der Stadt machten den jungen Deutschen die Schrecklichkeit des Krieges auf dem Balkan deutlich. Hier galt es jetzt, Aufbauhilfe zu leisten und zur Stabilisierung der verschiedenen ethnischen Volksgruppen beizutragen. Mit Stahlhelm und Splitterschutzweste geschützt fuhren die Landser zu Kontrollfahrten über Land, um die politischen Zusammenhänge und den Sinn ihres Einsatzes zu erfahren.

Als Soldat korrekt auftreten

Grundregel sei immer gewesen, korrekt aufzutreten und ein Aushängeschild für das eigene Land zu sein. “Das ist ein Beruf und kein Job!”, erklärt der Oberstabsfeldwebel a. D. seine Auffassung. Das Privatleben hat unter dem Militärdienst zwar oft gelitten, doch engagierte sich Peter Dreibrodt lange beim BV08 Lüttringhausen in der Jugendarbeit, gehörte über sechs Jahre dem LMC an und trat 1995 in den MGV “Niegedacht” Herbinghausen ein, wo er seit 2002 das Amt des Vorsitzenden bekleidet. Aus einst 16 Aktiven sind inzwischen 35 Sänger geworden, die auch jedes Jahr begeistert die “Fünfte Jahreszeit” feiern. “Immer am Ball bleiben” müsse man im Vereinsleben, sagt er und kritisiert, dass in der heutigen Zeit das Menschliche allgemein oft auf der Strecke bleibt. Da sei ein funktionierendes Vereinsleben wichtig, bei dem man Frauen und Kinder einbeziehe, und so gibt ihm der Erfolg auch Recht. Nachdem er letztlich dem Militärdienst „ade“ gesagt hat, haben für den Remscheider, der seit kurzem in Wuppertal lebt, Familie und Ehrenamt einen Platz in die erste Reihe bekommen.

Hans Kadereit, Autor aus Remscheid, Bildrechte bei Hans Kadereit

Hans Kadereit - Seit 1974 bin ich journalistisch tätig, habe für Wochenzeitungen, aber gelegentlich auch für Tageszeitungen und das Radio ...

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