Solingen: Eine Ideensammlung zur Neugestaltung der Innenstadt

Wahrzeichen Solingen: Turmzentrum, Hochhaus - Jörg Tilmes
Wahrzeichen Solingen: Turmzentrum, Hochhaus - Jörg Tilmes
Anlässlich des geplanten Neubaus des Turmzentrum-Areals wird auch immer wieder über die Leerstände von Läden in der City Solingens und Lösungen gesprochen.

Das Zentrum der für ihre führende Rolle in der Schneidwarenindustrie weltweit bekannten Stadt Solingen – auch Klingenstadt genannt – liegt im Bereich zwischen den Straßen Ufergarten, Goerdeler Straße und Kölner Straße. An letztgenannter findet sich auch der Graf-Wilhelm-Platz, an dem rund vierzig Jahre die Firma Karstadt ihr Warenhaus betrieben hat. Dieses befand sich bis zu seiner Schließung am 02. August 2008 im Turmzentrum, zu dem auch ein vierzehnstöckiges Hochhaus, ein Restaurantflügel und die unterirdische Einkaufsmeile Turmpassage gehörte; zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung die modernste Passage Europas.

Das Turmzentrum soll durch den Hofgarten ersetzt werden

Doch die Firma HLG Projektmanagement GmbH & Co. KG erwarb das Grundstück dieses Komplexes und entschied, es mit dem Einkaufszentrum Hofgarten neu zu bebauen: Siebzig Ladenlokale diverser Größen, Gastronomie und Büros wurden von Düsseldorfer Architekturbüro HPP geplant. Von der Errichtung dieses Neubaues versprachen und versprechen sich die Einzelhändler der Fußgängerzone Solingens – der zentralen Einkaufsstraße der City namens Hauptstraße – eine Belebung ihrer Geschäfte. Denn ein Ladenlokal neben dem anderen beklagt Leerstand; ein Fachgeschäft nach dem anderen gab zwischenzeitlich auf.

Die Hauptstraße Solingens ist auf dem Stand der 1970er-Jahre

Die Hauptstraße hat ein Problem: Sie sieht fad aus und hat ihr Erscheinungsbild seit den 1970er-Jahren nicht gravierend verändert. Inzwischen besteht das Warenangebot größtenteils aus Billiglabels wie KIK, Reno oder H&M, zahlreichen Handyshops und nach Ansicht Solinger Bürger lustlos geführten Modegeschäfte. Große Namen wie etwa Jil Sander, Hugo Boss, Giorgio Armani oder andere Label, wie sie auf der nur 30 Autominuten entfernten Königsallee, der Einkaufsmeile Düsseldorfs zu finden sind, fehlen in Solingen ganz. Stylische Boutiquen und das Flair der großen weiten Welt finden die Solinger in Düsseldorf und Köln. Dort gibt es auch Glanz und Glamour; den sogar kostenlos.

Die Solinger hofften, dass andere ihre Probleme lösen

Im Artikel Alter Kasten blockiert die City äußerte sich am 20. Juli 2010 auch eine Mitarbeiterin des Modefilialisten M&S von der Linkgasse in Solingen dahingehend, dass der Hofgarten ein interessantes Ziel sein könne und die City dadurch anziehender werde. Nach Ansichten von Fachleuten ist das ein Wunschdenken, das höchstens in den ersten Monaten der Öffnung eines solchen Einkaufszentrums Realität werden würde. Vergleichbare Erwartungen an die Cityresidenz, das Bachtor-Center und die Clemens-Galerien erfüllten sich ebenfalls nicht. Die City Solingens wird vom Hofgarten nicht profitieren, weil sie sich selbst nicht entwickelt.

Die Einzelhändler selbst müssen Nachhilfeunterricht nehmen

„Zuallererst sollten die Solinger Geschäftsleute ihre Läden mal auf den Stand der Zeit bringen,“ sagt ein ehemaliger Immobilienkaufmann der Klingenstadt: „denn von Style und Chic ist in den Geschäften nichts zu spüren.“ Die Solinger City biete – bis auf die Tage weniger Veranstaltungen abgesehen – keinerlei Unterhaltungswert, kein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Metropolen am Rhein und nichts zum Staunen oder Bewundern. Aus diesem Grunde sollten erst mal die Läden anziehender gestaltet werden, anstatt zu hoffen, dass der Hofgarten die Besucher automatisch in die ollen Geschäfte spült, so der Fachmann wörtlich.

Was es sonst noch an Ideen für die Stadt Solingen gibt

Neben den Läden, die sich stylischer präsentieren müssen, sollte auch die Hauptstraße einem Update unterzogen werden: Der Unterhaltungswert der Fußgängerzone kann man durch die Vermischung mit touristischen Inhalten aufwerten. Eine partielle Überdachung würde auch zu den überwiegenden Schlechtwetterzeiten das Einkaufen attraktiver machen. Ein künstlicher, abgestufter und illuminierter Bachlauf würde aufwerten. Überhaupt sollte Licht und der Umgang damit zur ganzjährigen Publikumsattraktion heranreifen. Aber: Es muss ein Ruck durch die Innenstadt und ihre Vermieter und Mieter gehen: Stichwort Hilfe zur Selbsthilfe.

Umgestaltungsoffensive durch den Eigentümer des Turmzentrums

Der Investor, der letztlich den Hofgarten baut oder das Turmzentrum als Wahrzeichen der Stadt erhält, sollte spezielle Handwerker zur Abgabe von Sammelangeboten verpflichten, die die Fassaden und Ladeneinbauten im Rahmen eines gestalterischen Gesamtkonzepts auf der ganzen Hauptstraße erneuern. Spezielle Finanzierungsangebote können helfen, dass die Vermieter sich auch daran beteiligen können; unterstützt durch die Wirtschaftsförderung der Stadt durch entsprechende Bürgschaften. Nur wenn eine ganz neue Hauptstraße entsteht, können Akzente realisiert werden, die auch Düsseldorfer und Kölner anlocken.

Über Wettbewerbe könnte der Drahtzieher der Umgestaltungsoffensive weltweit über das Internet junge Designer nach Solingen locken, die ihre Entwürfe zur Neugestaltung der Einkaufswelt Hauptstraße zu Papier bringen. Über Youtube, Twitter und Facebook würde Solingens Neuanfang so weltweit die Runde machen; eine Umgestaltungsoffensive, die auch das dokumentationsverliebte Privatfernsehen bundesweit in die Wohnzimmer der Menschen transportiert: Wann schon wird eine ganze Einkaufszone umgewandelt? Ein Vorgang ohne Beispiel und daher medial zu verwerten. Hand in Hand mit der Erneuerung des Turmzentrums.

Das Turmzentrum als Ausgangspunkt für einen Neubeginn

Wenn parallel dazu auch Sanierungsprogramme für die Häuser des Umfeldes des Turmzentrums aufgelegt werden, kann die Anziehungskraft Solingens noch weiter gestärkt werden. Und die Zeit der Leerstände der Ladenlokale in den besten Lauflagen der Innenstadt wäre Vergangenheit. Wovon dann auch wieder das Turmzentrum oder der Hofgarten profitieren würden: Eine City in direkter Nachbarschaft zu Düsseldorf und Köln kann nur durch ein ganzheitliches Denken und Handeln gegenüber den Großstädten an Anziehungskraft gewinnen. Wovon alle – Vermieter, Mieter und Bürger – profitieren.

Turmzentrum Solingen und die Hauptstraße als Ganzes: Einer muss es anpacken

Ein festeingerichteter Catwalk, regelmäßige Modenschauen, eine feste Public-Viewing-Zone für die nächsten Großereignisse und die Organisation der Hauptstraße als Einheit könnte deren Anziehungskraft stärken. Dies alles kostet natürlich viel Geld, aber um an Düsseldorf und Köln als Erlebniswelten vorbeizuziehen, muss Geld investiert werden. Eine einzelne Hofgarten-Passage mit Läden, die den einen Standort aufgeben um in eine neue Passage zu ziehen, hat gegenüber dem Umland keine dauerhafte Anziehungskraft. Erst wenn Solingen in der City echten Unterhaltungswert generiert, kann es gegenüber den Metropolen punkten und Kaufkraft anziehen.

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Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

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