Solingen: Hofgarten vom Tisch, Shopping-Center Solingen kommt

Turmzentrum Solingen, Wahrzeichen der Stadt - Jörg Tilmes
Turmzentrum Solingen, Wahrzeichen der Stadt - Jörg Tilmes
Am 21.06.2011 gab die Rheinische Post ein Update zum Stand des Bauprojektes rund um das Turmzentrum. Die Vernichtung eines Wahrzeichens, neuester Stand.

Seit dem 02. August 2008 wartet die Solinger Bevölkerung auf einen Neubeginn rund um das von der Karstadt AG aufgegebene Turmzentrum am Neumarkt. Der Leerstand und die Verwahrlosung währt nunmehr knapp drei Jahre. Nach dem Auftreten der Münsteraner Projektentwicklungsfirma HLG soll es nun deren Partnerin Sonae Sierra sowie der neu hinzugekommene Investor MAB aus den Niederlanden richten. Doch die bisher als Hofgarten bezeichnete Neuplanung ist nach Angaben der Bauherren in der Onlineausgabe der Rheinischen Post vom Tisch; selbst Mietverträge mit Interessenten werden nicht übernommen. Der Abriss des Turmhotels, eines weithin sichtbaren Wahrzeichens der Stadt, scheint dennoch beschlossen. Wozu eigentlich? Um die Taschen der Bauherren zu füllen, die das Center nach einer Anstandsfrist an einen Fonds verkaufen und sich den Gepflogenheiten der Branche gemäß einen Dreck um das Projekt und die Stadt sowie deren Bürger scheren. Es ist immer wieder dasselbe: Viel Tamtam, stolze Politiker und am Ende Leerstand an der Stelle des vernichteten einzigen Turmes der Stadt.

Update zum Thema Hofgarten

Am 21. Juni 2011 konnten die Solinger in der Zeitung Rheinische Post lesen, dass sich die beiden Investoren nicht nur von dem ihrer Ansicht nach negativ besetzten Namen Hofgarten trennen wollen, sondern auch die Architektur zu überarbeiten beabsichtigen. Auf die Idee, den von der Substanz her intakten Gebäudekomplex zu sanieren und mittels zeitgemäßer Optik zu überarbeiten, sind sie offenbar nicht gekommen, denn der Abriss des ohne große Probleme in eine offene Mall umzubauenden Warenhauses wurde für Herbst 2011 avisiert. Dass der gesamte Komplex durchaus Potenzial für ein Update besitzt, wurde schon an anderer Stelle von Suite101.de samt Lösungsvorschlägen ausführlich erläutert.

Doch davon scheint man bei den Investoren Thomas Binder von Sonae Sierra und Michael L. Flesch von MAB ebenso wenig wissen zu wollen, wie bei der Stadt, deren Baudezernent Hartmut Hoferichter nach Ansicht von Beobachtern nahezu fanatisch am Abriss des Wahrzeichens festhält und der Bitte um Stellungnahme dazu auch nicht nachgekommen ist. Dass alle Beteiligten bei der Betrachtung des Projektes mehr von Wunschdenken als von Realitäten ausgehen, belegt ein Blick auf die Situation der Stadt und auf das Scheitern ähnlich gelagerter Projekte, die zum Zeitpunkt ihres Entstehens ebenfalls gehypt wurden: Die City-Residenz etwa mit ihrer Fress-Etage und der Diskothek oder das Bachtor-Center mit seinen leer stehenden Ladenlokalen.

Schon die Fress-Etage in der City-Residenz scheiterte

Gerade die Fress-Etage, die die beiden Investoren wegen des gehobenen Ambientes Food-Court nennen, gab es bei der City-Residenz auch; sie war relativ schnell geschlossen. Die Fressmeile im Basement des heutigen P&C-Hauses wurde nie gebaut. Premium mag in Düsseldorf funktionieren, in Solingen aber nicht. Genau so wie die City-Residenz, so ist auch das Turmzentrum-Areal eine Randlage: Mitten in der Stadt zwar, aber eben optisch von städtebaulicher Altware umgeben. Ambiente: Fehlanzeige. Dass die beiden Investoren der Presse gegenüber erklären, mit einem Neubau am Neumarkt den Abfluss der Kaufkraft aus Solingen stoppen zu wollen, sorgte bei einigen Solingern für Kopfschütteln. Ein paar weitere Läden mit dem üblichen, überall anzutreffenden Angebot an Fashion verbessern keinen Standort.

„Dazu müsste erst einmal die Solinger Einzelhändlerschaft beginnen, ihre Läden an der Hauptstraße auf einen Stand zu bringen, wie er dem des Jahres 2011 entspricht“, so ein Fachmann, der die Einfallslosigkeit und die Faulheit der Anlieger der Hauptstraße bemängelt, für deren Shops Design und Styling Fremdworte sind. Sie hoffen zwar auf bessere Geschäfte durch die Neubebauung des Turmzentrum-Areals, aber lassen nicht durchblicken, inwieweit sie selbst bereit sind, durch Sanierung und Neubau von Häusern und Ladenlokalen etwas zur Wiederbelebung der City beizusteuern. Einkaufserlebnisse, optische Highlights sowie ein gutes Gefühl beim Einkaufen, den Duft der großen weiten Welt, das alles kann Solingen bislang nicht bieten.

Shopping-Center Solingen vs. Trägheit der Innenstädter

Und dies, obwohl die Geschichte der Stadt sowie ihrer Industrie stets auf Internationalität und Weltoffenheit ausgerichtet war: Sei es durch die Schneidwaren-Fertigung oder die Zulieferung für die Automobilindustrie. Was aber die Entwicklung der City angeht, sollen es nach offen zur Schau getragener Trägheit der Hausbesitzer und Ladenbetreiber der Hauptstraße wohl die anderen richten. Viel zu nah liegen Düsseldorf und Köln an Solingen; viel zu nah liegen Venlo und Oberhausen mit ihren Outlets oder dem Centro. „Ein Hofgarten kann und wird niemals etwas an der Angebotsflaute in Solingen ändern“, so ein Fachmann, „die Leute kommen ein-, zweimal, gucken und gehen wieder in die Umgebung. Genau wie bei den anderen Centern. Und die Solinger Premium-Kaufkraft steigt in ihren Porsche und fährt nach Köln oder Düsseldorf.“

Dass den beiden Investoren nach eigenen Angaben die vorhandene Konkurrenz im Umland keine Sorgen bereite, grenzt nach Ansicht des Fachmannes an Selbstbetrug. Er sieht jedwede Form von neuem Hofgarten als Flop, der von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist; ebenso, wie die anderen Center der Stadt und die ebenfalls optisch schon verdreckt wirkende Clemens-Galerie. Ein Gesamtkonzept für die Innenstadt Solingens müsse her, so der Immobilienmakler; ein Gesamtkonzept, das Solingen einen einzigartigen Vorteil verschaffe, den andere Städte nicht haben – ein Alleinstellungsmerkmal eben. Der City nach über vierzig Jahren das einzig weithin sichtbare Wahrzeichen zu rauben und durch ein gesichtsloses Allerweltszentrum zu ersetzen, sei der falsche Weg.

Machen Abriss und Neubau wirtschaftlich Sinn?

Dazu kommen auch noch Fragen nach der Wirtschaftlichkeit: Das Parkhaus bietet großzügige Rangierflächen und ist mit viel Beton und Stahl für die Ewigkeit gebaut, weil es die Lasten von Warenhaus und Turmhotel abfangen muss. Es abzureißen sei wirtschaftlicher Schwachsinn, so der Makler. Dasselbe gelte auch für die Turmpassage. Ein weiterer Schwachpunkt: Die beschwerliche Anreise von außerhalb; Fahrten hoch zum Neumarkt gestalten sich gerade aus Ohligser Richtung und aus Richtung der Autobahn A3 / Viehbachtalstraße zeitraubend. Alles in allem sprechen mehr Punkte dafür, die vorhandenen Vorschläge zum Erhalt des Turmzentrums umzusetzen als der Inszenierung der Flops in der City eine Neuauflage zu verschaffen. Der Fachmann zweifelt angesichts der diesbezüglichen, offen liegenden Fakten am Sachverstand der Investoren.

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Jörg Tilmes - Was Sie von mir an dieser Stelle erwarten dürfen? Artikel zu Themen aus dem Bereich der Fernsehbranche, mit der ich seit 1999 ...

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