
- Sex and the City 2: Carrie hat ein Schuhproblem - Newline Cinema
Die Presse kennt das Phänomen der Sommerflaute seit langem. Gerade über die sonnigen Monate Juni bis August ist in den Lokalredaktionen nicht viel los – es gibt kaum Stoff, der berichtenswert erscheint. Im Filmbusiness ist dies jedoch anders. Hier beginnt der Filmsommer bereits im Mai und ist neben der Weihnachtszeit prädestiniert für aufwändige Großproduktionen, die von Heerscharen ferienfreudiger Schüler, Familien und Urlaubern geradezu magisch angezogen werden. In den Vereinigten Staaten ist in dieser Season allerdings der Wurm drin. Diverse, teuer produzierte Eventfilme floppen. Die Gründe hierfür sind nicht auf das ökologische Desaster am Golf von Mexiko oder andere Krisenereignisse zurückzuführen. Möglicherweise merken die Amerikaner zum ersten Mal ganz bewusst, wie schwach das Kinoprogramm ist, das ihnen derzeit geboten wird. Die folgende Liste der Tops und Flops des Sommers gibt genaue Auskunft.
Hollywoods Sommerhits 2010: Diese Filme sind flop
"Robin Hood"
England im Mittelalter: Ein Mann kämpft für Recht und Ordnung. Sein Name: "Robin Hood". Ridley Scotts Epos um den Heroen in grünen Strumpfhosen, der den Reichen nimmt und den Armen gibt, ist filmisch aufregend und historisch sicher akurater geraten als Kevin Kostners "Robin Hood"-Kitsch aus den 90ern. Trotzdem scheint die raue Verfilmung nicht massentauglich zu sein, spielte sie doch in ihrer Laufzeit in Nordamerika bloß knapp über 100 Millionen US-Dollar ein, bei doppelt so hohen Produktionskosten. International sieht es etwas besser aus, doch das wird dem Filmstudio Universal nicht vor der Abschreibung helfen.
"Prince of Persia: Der Sand der Zeit"
Wie auch Ridley Scotts "Robin Hood" verschlang das Fantasy-Spektakel "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" 200 Millionen US-Dollar Produktionskosten. Trotz Alfred Molinas ("Spiderman 2", "The DaVinci Code") witziger Nebenrolle als umtriebiger persischer Händler und Charakterdarsteller Jake Gyllenhaal ("Donnie Darko", "Brokeback Mountain") in der Hauptrolle des Prinz Dastan gelang es den Disney Studios nicht, eine erfolgreiche Computerspielverfilmung für sich zu verbuchen. Von Anfang an ein gewagtes Unterfangen, bedenkt man, dass bis auf die erste "Tomb Raider"-Verfilmung alle Versuche, Computerspiele auf die Leinwand zu übertragen, fehlschlugen. Nichtsdestotrotz ist die von Jerry Bruckheimer produzierte und Mike Newell ("Harry Potter und der Feuerkelch") verfilmte Action-Satire ein großer Spaß und international recht erfolgreich. Dies ist auch nötig, um die Produktionskosten wenigstens im Ansatz wieder einzuspielen.
"Sex and the City 2"
War der erste Film schon nur ein nettes Extra, ein Wiedersehen mit den Charakteren und endete in der Traumhochzeit von Carrie und Mr. Big, so ist "Sex and the City 2" vollkommen überflüssig. Abgesehen davon, dass offensichtlich ein Drehbuch fehlte, darf man den gealterten Ladies bei einem Trip durch Dubai zuschauen und zählen, wie viele verschiedene Modeschuhe Carrie diesmal trägt. Das Publikum hat’s nach der ersten Prosecco-Vorstellung gemerkt und blieb dem Kinosaal fern.
Weitere Flops sind der Action-Klamauk "The A-Team", der auf der gleichnamigen Fernsehserie um vier Vietnamkrieg-Veteranen beruht, die nach der Fahnenflucht in der Heimat für Recht und Ordnung sorgen – in Selbstjustiz versteht sich. Tom Cruises neuester Streifen, die Agentenkomödie "Knight and Day" scheint ebenfalls kaum Zuschauer anzulocken. Hier mag es vor allem am schlechten Timing liegen. Der Filmstart liegt nur wenige Wochen nach dem thematisch ähnlich angelegten "Killers" (ebenfalls gefloppt) und wurde trotz anderer Ankündigung auf Werbeplakaten kurzerhand auf Mittwoch, den 23. Juni 2010, vorverlegt, so dass auch ja keiner hingeht.
Hollywoods Sommerhits 2010: Diese Filme sind top
Nicht alle Sommerfilme sind gefloppt. Hier nun die Liste der erfolgreicheren Filme der Season.
"Iron Man 2"
"Iron Man 2" gelang es, sich als würdiger Nachfolger des ersten Teils zu etablieren. Die moderne Superheldengeschichte um den einflussreichen Firmengiganten Tony Stark, der nach einem Unfall zum Superhelden wurde und nun gegen finstere Gestalten mit modernster Technologie kämpft, überzeugt dank großartiger Besetzung, einer Menge Humor und bombastischer Spezialeffekte. Mit Robert Downey Jr., Gwyneth Paltrow und Mickey Rouke in den Hauptrollen ist diese Fortsetzung ein echtes Unterhaltungsfeuerwerk und an der Kinokasse ebenfalls sehr erfolgreich. Das weltweite Einspiel über 600 Millionen US-Dollar macht "Iron Man 2" zum bisher ertragreichsten Film des Sommers, auch wenn das US-Einspiel knapp hinter dem des Vorgängers liegt.
"Karate Kid"
Überraschend ist auch der Erfolg von "The Karate Kid", einem Remake des gleichnamigen 80er-Jahre-Klassikers um einen amerikanischen Jungen, der sich in der asiatischen Kampfkunst beweist. Zwar wird die Handlung von den Vereinigten Staaten nach China verlegt und der Junge wird in Kung Fu statt in Karate ausgebildet, doch das wird die wenigsten stören. Mit verhältnismäßig niedrigen Produktionskosten (40 Mio. US-Dollar) und dem Sohn von Will Smith, Jaden Smith, verfilmt, avanciert diese familientaugliche Episode zum Blockbuster. Top!
"Toy Story 3" und "Für immer Shrek"
Mitte Juni 2010 startete mit "Toy Story 3" die Fortsetzung der Abenteuer um die Spielzeugfiguren Sheriff Woody und Buzz Lightyear in 3-D. Verlässlich gesprochen von Tom Hanks und vielen weiteren bekannten Schauspielern eroberte der Film Ende Juni die Kinosäle im Flug. Der letzte Teil der Reihe debütierte in Nordamerika mit 110 Millionen US-Dollar und wird Anfang Juli die 200 Millionen Marke überqueren. "Für immer Shrek", der vierte und letzte Teil der beliebten Animationsfilmreihe um den grünen Oger, stabilisierte sein Einspielergebnis nach einem enttäuschendem Startwochenende (70 Mio. US-Dollar) und wird mit einem Einspiel von zirka 240 Millionen US-Dollar seine Laufzeit in Nordamerika beenden. Damit ist er zwar der schwächste Film der Reihe, kann aber trotzdem als Hit gewertet werden.
Noch ist der Hollywood-Sommer nicht vorbei und der Eurokrise zum Trotz sind die internationalen Einspielergebnisse weit besser als auf Hollywoods heimischem Markt. Mit Christopher Nolans Science-Fiction-Thriller "Inception", Sylvester Stallones Actionspektakel "The Expendables" und dem HighTech-Thriller "Salt" mit Angelina Jolie sind noch einige potenzielle Hits in der Warteschlange. Bleibt zu hoffen, dass sie den bislang schwachen Filmsommer retten können!
