
- Schloss Charlottenhof - Harald Rossa
Das Schloss Charlottenhof mit dem umgebenden Park entstand ab 1825 südwestlich des Schlosses Sanssouci am Rand des bestehenden Parks von Sanssouci. Es war der Sommersitz des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. und seiner Gattin Elisabeth Ludovika von Bayern.
Geschichte der Anlage Charlottenhof
Im 18. Jahrhundert stand an der Stelle des heutigen Schlosses ein barockes Gutshaus. Dies hatte 1746 Johann Bouman errichtet. 1825 kaufte der preußische König Friedrich Wilhelm III. das Haus mit dem umliegenden Gelände. Dies stellte er seinem Sohn und Kronprinzen für die Errichtung eines Sommersitzes zur Verfügung.
Der Architekt des Königs war Karl Friedrich Schinkel. Der wurde mit der Umgestaltung des Gutshauses zu einem Sommerschloss beauftragt und bezog den in Potsdam tätigen Architekten Ludwig Persius mit ein. Dabei war seitens des Königs das Budget für diesen Bau recht knapp dotiert.
Der Umbau begann 1826. Auf die Grundmauern des alten Gutshauses wurde ein kleines klassizistisches Schloss errichtet, das nach Vorbild römischer Villen gestaltet war. An der Planung beteiligte sich der architektonisch versierte Kronprinz mit eigenen Entwürfen und schuf die Basis für weitere gedeihliche Zusammenarbeit mit den Architekten des Hofes.
Das Schloss und der Park erhielten den Namen Charlottenhof nach Maria Charlotte von Gentzkow. Sie war die Gattin eines königlichen Kammerherrn und von 1790 bis 1794 Besitzerin des Gutes.
Das Äußere des Schlosses
Schinkel schuf in Charlottenhof erstmals eine Villa im „malerischen Klassizismus“. Die Front des erhöht errichteten Schlossbaus wird durch einen Risalit mit dem Portal bestimmt. Die Terrassenseite dominiert ein dorischer Portikus, durch den der Festsaal mit der erhöhten Terrasse nach dem Vorbild einer pompejischen Exedra verbunden ist.
Die Innenräume des Schlosses Charlottenhof
Im Innern sind die Einrichtungen der neun Wohnräume zum großen Teil noch im Original erhalten. Die Möbel, meist von Schinkel entworfen, zeichnen sich durch Schlichtheit und bürgerliche Maßstäbe aus. Allerdings wurde für jeden Raum ein eigenes Thema gewählt.
Ungewöhnlich ist das nach dem Vorbild römischer Feldherrenzelte gestaltete Zeltzimmer. In ihm sind Decke und Wände mit blau-weiß gestreiften Tapeten versehen. In dem gleichen Muster sind die Vorhänge, Baldachin und die Decken der Betten gehalten. In dem Raum übernachteten Hofdamen und Gäste des Kronprinzenpaares. Prominentester Gast war wohl Alexander von Humboldt, der zwischen 1835 und 1840 im Sommer regelmäßig als Gast des Kronprinzen auf Schloss Charlottenhof weilte.
Der Park Charlottenhof
Peter Joseph Lenne und der preußische Hofgärtner Hermann Sello gestalteten den Park Charlottenhof. Auch hier wirkte der Kronprinz persönlich mit. Diesem Park wird eine Meilensteinfunktion in der Geschichte der Gartengestaltung zugeschrieben. Erstmals wurden geometrisch gestaltete Gartenpartien in den Landschaftspark einbezogen. Die Parkanlage jedenfalls korrespondiert auf engste mit dem Schloss. Das ist überall zu sehen, aber zeigt sich stets in anderer Form.
Der Park Charlottenhof wurde mit dem bereits bestehenden Park Sanssouci aus der Zeit Friedrich II. verbunden. Das flache und stellenweise sumpfige Gelände wurde zu einem englischen Landschaftsgarten.
Schloss Charlottenhof heute
Das Schloss Charlottenhof wird von der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) betreut. Es ist als Museumsschloss im Rahmen von Führungen zu besichtigen. Über Eintrittspreise und Öffnungszeiten informiert die SPSG mit ihren Internetauftritt.
Es bietet sich geradezu an, den Besuch des Schlosses Charlottenhof mit einem Besuch der nahen Römischen Bäder zu verbinden. Die ließ ebenfalls der Kronprinz Friedrich Wilhelm errichten. So ergibt sich ein Gesamtbild der romantischen Gestaltung des Wohnumfelds des Kronprinzenpaares. Das dabei eher bescheiden wirkt, wenn es mit den Sommersitzen seiner Brüder Wilhelm und Carl verglichen wird. Die bauten und nutzten ihre erheblich größeren Sommerschlösser in Babelsberg und Glienicke.
