
- Silberpferdchen - Bastian Spille/Stadtmuseum Oldenburg
Baustellen sind in Städten ein gewohnter Anblick. Irgendwo wird immer gebaut. Ungewöhnlicher ist es, wenn archäologische Ausgrabungen mitten in einem Ort stattfinden. Im Jahr 2008 bekamen die Bewohner Oldenburgs die seltene Gelegenheit, eine solche Ausgrabungsstätte aus der Nähe zu betrachten. Für sechs Monate war der Berliner Platz mitten in Oldenburg von Archäologen besetzt. Bei den Bauarbeiten für die Schlosshöfe war man auf Gegenstände aus der früheren Siedlungsgeschichte Oldenburgs gestoßen. Die Funde stellten den Anfang der zweitgrößten archäologischen Grabung in Oldenburg dar. Es kamen unterschiedliche Artefakte zutage, deren Alter bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Dazu gehören Keramik, Glasprodukte und Leder. Darüber hinaus fanden sich Wasserleitungen, steinerne Geschosskugeln sowie ein verschwundener Flusslauf. Sogar der Standort einer alten Mühle wurde anhand der neuen Funde lokalisiert. Stadtbewohner und Besucher konnten während dieser Monate einen Blick auf die Grabungsstätte werfen, da das Grabungsteam mehrmals Führungen angeboten und über seine Arbeit informiert hatte. Inzwischen ist die Grabung abgeschlossen, und die Funde wurden ins Stadtmuseum gebracht.
Archäologische Funde aus der Grabung Schlosshöfe im Oldenburger Stadtmuseum
Vom 28. August bis zum 6. November 2011 ist es möglich, einen Großteil der am Berliner Platz gefundenen Artefakte zu besichtigen. Das Stadtmuseum zeigt eine Sonderausstellung mit dem Titel „Ausgegraben! Archäologische Funde und Befunde aus der Grabung Schlosshöfe". Eine maßstabsgerecht verkleinerte Grabungsstätte zeigt die genauen Fundorte der Exponate. Hinzu kommen Fotos an den Wänden, die zeigen, wie die Gegend um die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts ausgesehen hatte. So wird eine Verbindung zwischen den archäologischen Funden und der modernen Stadt geschaffen. Allerdings sind die hier gezeigten Gebäude schon abgerissen worden.
Interessante Funde: Kochtöpfe, Geschosskugeln und ein Silberpferdchen
Einer der schönsten Funde ist ein sehr gut erhaltener dreifüßiger Kochtopf. Es ist ein Grapen aus Metall, datiert um das 13. Jahrhundert. Zu dieser Zeit sind Metallgegenstände selten, weil nur wenige reiche Menschen sie sich leisten konnten. Weit verbreitet waren Keramikgefäße, die allerdings nicht so haltbar sind, so dass die Archäologen meistens Scherben ausgraben. Deshalb stellt der Grapenfund für die Fachleute einen Glücksfall dar. Zu den weiteren Funden gehören steinerne Geschosskugeln, die als Munition für Belagerungsmaschinen eingesetzt wurden. Da die Kugeln noch nicht datiert sind, bleibt die Frage offen, aus welcher Belagerung sie stammen. Sehr schön sieht auch ein Silberpferdchen aus, ein Spielzeug aus dem Mittelalter. Das ist ein Gegenstand, das auch Kinder interessant finden. Um den jungen Besuchern einen Einblick in die Arbeit der Archäologen zu ermöglichen, findet an zwei Samstagen während der Ausstellung eine „Grabung“ statt. Unter fachlicher Anleitung lernen die Kinder graben, suchen, vermessen und dokumentieren, wie die Archäologen es tun. Abgeschlossen wird die „Grabung“ mit einer Führung durch die Sonderausstellung.
Neue Ausgrabungsstätte am Schlossplatz
Bei weiteren Bauarbeiten auf dem Schlossplatz, ganz nah an der Grabungsstätte Schlosshöfe, sind die Arbeiter auf das Fundament des Turmes einer Zugbrücke gestoßen. Es gehört zu dem Burggraben, der im Mittelalter das Schloss umgab. Eine genaue Datierung ist nicht erfolgt, da für die Messungen noch Zeit gebraucht wird. Mit den Funden aus der neuen Grabungsstätte wird höchstwahrscheinlich später eine weitere Ausstellung bestückt. Wann und in welchem Rahmen diese stattfinden wird, ist zurzeit nicht abzusehen. Für Archäologen und Geschichtsliebhaber bleiben die nächsten Monate also spannend. Die aktuelle Sonderausstellung bietet neue Einblicke in die Geschichte Oldenburgs, die durch weitere Funde am Schlossplatz erweitert wird.
Quellen:
- Stadtmuseum Oldenburg
- Geschichte im Nordwesten: Die virtuelle Mitmachredaktion beim Lokalsender Oldenburg eins
