Sonnenbrand bei Kindern: unbedingt vermeiden

Kinderhaut braucht perfekten Sonnenschutz - Michael Horn / pixelio.de
Kinderhaut braucht perfekten Sonnenschutz - Michael Horn / pixelio.de
Kinderhaut kann kaum Eigenschutz gegen UV-Licht aufbauen. Je früher im Leben ein Sonnenbrand die Haut schädigt, umso schlimmer die Folgen.

Die Haut von Kindern ist deutlich dünner als die von Erwachsenen. Und viele Schutzfunktionen muss sie sich erst noch erwerben. Deshalb kann sie sich auch noch nicht so gut gegen UV-Strahlung wappnen. Kinder sollten grundsätzlich nach dem Hauttyp II eingestuft werden, das bedeutet: Unvorbereitet hat diese Haut nach spätestens 20 Minuten Aufenthalt in der Mai-Sonne einen Sonnenbrand.

Leichte Hautrötungen bedeuten schon Gefahr

Noch vor wenigen Jahren galt: Sonnenbrände vor dem 15. Lebensjahr erhöhen das spätere Risiko, an Hautkrebs zu erkranken, um das Zwei- bis Fünffache. Folglich fühlten Eltern sich sicher, wenn es ihnen gelang, ihr Kind vor Sonnenbrand zu bewahren. Mit den guten und preiswerten Lichtschutzmitteln ist das auch kein Problem.

Doch dann kamen neue Erkenntnisse, deren Umsetzung Kopfzerbrechen macht und mehr Einsatz erfordert: Für die Entstehung des Melanoms, also des sogenannten schwarzen Hautkrebses, reichen offenbar deutlich kleinere Dosen an UV-Licht aus, als sie für die Entstehung von Sonnenbrand notwendig sind. Weit vor dem subjektiven Warnsystem „Rötung“ ist also das Unheil schon geschehen.

Zwar lässt sich bis heute der direkte Zusammenhang zwischen Sonne und Melanom noch immer nicht eindeutig belegen. Fest steht aber: Die UV-Strahlung ist eine elektromagnetische Strahlung, die unseren Körperzellen zusetzt. Unser Organismus hat eine Art Reparaturdienst, mit dem er schadhafte Stellen ausbessert. Seine Kapazitäten sind allerdings begrenzt und deshalb sollten wir möglichst viel von den Prozessen vermeiden, die sich weit vor einem Sonnenbrand in der Haut abspielen. Denn UV-Strahlung trifft das ganze Organ Haut, hemmt die Immunabwehr und fördert die Bildung freier Radikaler. So wird erklärlich, dass schwarzer Hautkrebs oft auch an Stellen auftritt, die wenig oder gar keine Sonne abkriegen wie Fußsohlen oder Schleimhäute.

Für blasse Menschen sind lange Sonnenbäder besonders schädlich

Um sich vor Strahlenschäden zu schützen, haben die Hautzellen die Möglichkeit, den braunen Farbstoff Melanin herzustellen, also Pigmente zu bilden. Blasse Menschen wie z. B. die meisten Mitteleuropäer sind allerdings eine „pigmentdefizitäre Variante des Homo sapiens“, so nennen es Fachleute. Mit anderen Worten: Diese Menschen bilden nicht ausreichend schützende Hautpigmente, um lange Aufenthalte in der Sonne unbeschadet zu überstehen. Sie gehören ganz einfach nicht in die Sonne, schon gar nicht in südliche!

Besonders bei hellhäutigen Kindern sprießen Muttermale fast wie Pilze aus dem Boden, wenn die Haut Kontakt mit der Sonne hat. Und das nicht nur an Urlaubstagen in südlichen Gefilden, sondern auch dann, wenn die Kinder hierzulande draußen spielen oder sich am Badesee vergnügen. Diese Leberflecken sind möglicherweise so etwas wie Leuchtraketen, die die in Not geratene Haut hochschießt. Denn hier sind sogenannte Nävuszellen am Werk. Das sind Fehlentwicklungen der normalen pigmentbildenden Zellen.

Mit der Zahl der Muttermale steigt das Hautkrebsrisiko

Muttermale sind keine Schönheitsflecken, wenn das auch noch immer viele glauben wollen. Auch die Pigmentproduktion der Haut – die schöne Bräune also – ist nicht für die Schönheit da.

Manche Eltern übersehen auch, dass das hauteigene Schutzsystem, also eben erwähnte Pigmentproduktion, rund 18 Jahre braucht, bis es ausgereift ist. Diese 18 Jahre fallen unglücklicherweise genau in die Phase im Leben der meisten Menschen, in der sich viel im Freien abspielt (und abspielen sollte!). Rund ein Viertel der „Lebensdosis“ an UV-Licht hat man nämlich bis zum 18. Lebensjahr schon zusammen.

Experten warnen: Aus großen Studien mit Kindern ist bekannt, dass die Zahl der Pigmentflecken durch Aufenthalte in der Sonne zunimmt. Je häufiger eine Familie Sonnenurlaub gemacht hatte, desto mehr Pigmentmale hatten die untersuchten Kinder. Und das Erstaunliche: Kinder, die viel mit Sonnencreme versorgt worden waren, hatten sogar etwas mehr Leberflecken als andere. Wer mehr als 50 Pigmentmale hat, lebt mit einem 50- bis 100fachen Hautkrebsrisiko. Zum Vergleich: Ein Leben lang zu rauchen erhöht das Lungenkrebsrisiko „nur“ um das 20fache.

Sonnenschutzmittel werden oft falsch angewendet

Die paradoxe Wirkung der Sonnenschutzmittel könnte unter anderen daher kommen, dass sie die Ausbildung der schützenden Lichtschwiele (Hautverdickung) bremst, die das ultraviolette Licht stärker streut und so die Haut abschirmt. Dieses „dickere Fell“ schafft man sich nicht binnen 14 Tagen Urlaub an, Kinder brauchen zudem dafür grundsätzlich viel länger als ihre Eltern.

Vielleicht verführen Sonnencremes und -lotions aber auch zu einem falschen Sicherheitsdenken. Mit hohen Lichtschutzfaktoren (LSF) kann man rein rechnerisch viele Stunden in der Sonne bleiben. Doch der LSF (Beispiel: Eigenschutzzeit 15 Minuten x LSF 20 = 300 Minuten/5 Stunden) ist ein Laborwert. Hautärzte raten inzwischen dringend davon ab, diesen Zeitrahmen voll auszuschöpfen.

Außerdem wichtig zu wissen: Manche (chemischen) Lotionen schirmen die Haut nur gegen das UV-B-Licht ab, das für den Sonnenbrand verantwortlich ist. Nicht aber gegen UV-A-Strahlen, die man bislang unterschätzt hat. Moderne Sonnencremes („ohne chemische Filter“) schützen umfassend, haben aber leider manchmal die unangenehme Eigenschaft, die Haut wie getüncht aussehen zu lassen.

Studien haben gezeigt, dass beim Eincremen jede Menge Anwendungsfehler gemacht werden: zu wenig Lotion wird schlecht verteilt und dann bleibt auch noch die Hälfte der Schutzschicht in der Kleidung hängen, die auf dem Weg zum Strand oder zum Essen getragen wird.

Die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention empfiehlt LSF 20 bis 30. LSF 20 bedeutet, dass 95 Prozent des UV-Lichts herausgefiltert werden. Einen 100%igen UV-Schutz durch Cremes gibt es allerdings nicht. Die Vorstellung, mit Lichtschutzmitteln eine „gesunde“ Bräune erwerben zu können, ist ein grandioser Irrtum. Bräune zeigt immer einen Schaden im Erbgut an und ist bei Hellhäutigen ein Warnsignal der Haut.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Bildnachweis: © Michael Horn/Pixelio.de

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