
- Feuerbräuche - J.Junge
Astronomisch bezeichnet die Sonnenwende die Punkte im jährlichen Lauf der Sonne auf der Himmelskugel, an denen die Sonne am weitesten vom Himmelsäquator entfernt ist. Diese Punkte werden zweimal im Jahr erreicht, danach kehrt sich die Bahn der Sonne auf der gedachten Kugel des Himmels um. Am 21. Juni erlangt die Sonne den größten nördlichen Abstand und am 21. Dezember den größten südlichen Abstand zum Himmelsäquator. Wir auf der Nordhalbkugel der Erde sprechen dabei von Sommersonnenwende beziehungsweise Wintersonnenwende. Die Sommersonnenwende hat den längsten Tag und die kürzeste Nacht des Jahres, die Wintersonnenwende entsprechend den kürzesten Tag und die längste Nacht.
Neben der Sommer- und Wintersonnenwende gibt es noch die Tagundnachtgleichen. Am 21. März ist die Frühjahrstagundnachtgleiche und am 23. September die Herbsttagundnachtgleiche. An diesen beiden Tagen schneidet die Sonne den Himmelsäquator, Tag und Nacht sind gleich lang.
Sonnwendfeiern – Bedeutung des Feuers
Feiern zur Sonnenwende haben sehr alte Wurzeln. Sie wurden insbesondere von Kelten, Germanen und Slawen der vorchristlichen Zeit begangen. Die Menschen damals wiesen den Wendepunkten innerhalb eines Jahres sehr große Bedeutung zu. Das regelmäßig wiederkehrende Jahr mit seinen verschiedenen Jahreszeiten und den davon abhängigen Vorgängen von Aussaat, Wachstum und Ernte galt als heilig und wurde dem Wirken göttlicher Mächte zugeschrieben. Bräuche und Rituale zur Sonnenwende und Tagundnachtgleiche sollten die Götter gnädig stimmen und guten Ernten herbeiführen.
Feuer, welches oft mit der Sonne assoziiert wurde, spielte in vielen Kulturen bei den Feierlichkeiten eine wichtige Rolle. Im Mittelpunkt stand immer das Abbrennen von Feuer, wie zum Beispiel der Brauch des Sonnwendfeuers zur Sommersonnenwende, welches auch in unserer Zeit noch vielerorts entfacht wird. Feuerräder - große Holzräder, die mit Stroh umwickelt waren - wurden brennend von den Bergen gerollt, hölzerne Scheiben auf eine Stange gesteckt, angezündet und dann ins Tal geschleudert. Diese Rituale sollten den Flur segnen, Fruchtbarkeit bringen und galten auch dem Erntedank. Damit sich die Kraft der Flammen auf die Menschen übertrug, sprangen sie übers Feuer und tanzten um brennende Holzstöße herum. Man hielt sich dabei an den Händen und sang. Tiere wurden durchs fast herabgebrannte Feuer geführt, um Krankheiten fernzuhalten.
Christianisierung der Heidenfeste
In späteren Zeiten waren die heidnischen Sonnwendfeiern der Kirche ein Dorn im Auge. Jahrhundertelange hatte man die alten Bräuche bekämpft und versucht, sie auszurotten. Dieses war jedoch nicht gelungen, die Menschen hielten fest an ihren Traditionen und Ritualen. Also begann man, den Feiern und ihren Bräuchen eine christliche Bedeutung unterzuschieben. Schon in frühchristlicher Zeit legte man das Hochfest zu Ehren der Geburt Johannes des Täufers auf die Zeit der Sommersonnenwende. Das Johannisfest wird am 24. Juni gefeiert und enthält immer noch viele Elemente der Sonnwendfeiern. Das Johannisfeuer mit seinen Tänzen, das Feuerrad und Scheibenschlagen gehen eindeutig auf die alten Volksbräuche zurück.
Auch das altgermanische Julfest zur Wintersonnenwende, das den Sieg der Sonne über die Dunkelheit feierte, verschmolz mit einer christlichen Feierlichkeit, dem Weihnachtsfest, das man zu Ehren der Geburt Christi auf den 25. Dezember legte. Einige vorchristliche Bräuche des Julfestes, des Festes des Lichts, der Freude und Hoffnung, sind noch in Großbritannien, Skandinavien und Norddeutschland erhalten geblieben, so zum Beispiel der Julblock, ein großer Holzklotz, der die ganze Weihnachtsnacht hindurch brennt.
