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Die Reeperbahn ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Kommt man von der Neustadt auf den „Kiez“, tanzen einem zwei gewaltige Türme entgegen, die mit ihren glatten Glasfassaden an die größtenteils leer stehenden Bürogebäude der City erinnern. Und es braucht nur einen Blick auf die gegenüberliegende Straßenseite, um eben jenen ungenutzten Büroraum der Adresse Reeperbahn 1 zu erblicken. Doch damit nicht genug. Die „Tanzenden Türme“ geben bereits vor ihrer Fertigstellung den Beat an, der sich durch die Amüsiermeile zieht. Als Symbol für Wertsteigerung ragen die Neubauten gen Himmel empor und stellen die kleinen Clubs und Bars in ihren Schatten. Das „Molotow“ und die „Meanie Bar“ organisieren sich bereits in der Esso Häuser Initiative und kämpfen gegen den Abriss ihrer Stätten. Doch mit schick und trendy kommt auch teuer und teurer. Es steigen nicht nur Grundstückspreise und Statussymbole in die Höhe, sondern ebenfalls die Mieten für Wohnraum.
Liegt auch Ihnen der Erhalt Ihrer Nachbarschaft am Herzen?
Auf einer Stadtteilversammlung am 22. Oktober 2011 begegneten sich rund 300 Bewohnerinnen und Bewohner St. Paulis und diskutierten gemeinsam einen richtungsweisenden Entwurf, um nicht nur dazustehen und zuzusehen wie alles seinen Lauf nimmt, sondern auf sich aufmerksam zu machen und mit besseren Ideen für die Entwicklung im Viertel aufzuwarten. Das Ergebnis der Versammlung wurde als 12 Punkte Plan zusammengefasst:
1. Alle Planungen, Vertragsverhandlungen und Genehmigungsverfahren, die mit Abriss, Bau, Modernisierung, Umwandlung oder Verkauf zu tun haben, müssen auf Eis gelegt werden. Alles gehört auf den Prüfstand.
2. Offenlegung aller Planungen, Verkaufs- und Bauvorhaben: Jeder Antrag, jede Entscheidung muss öffentlich gemacht und diskutiert werden.
3. Wir brauchen einen Runden Tisch für St. Pauli, der sämtliche Verantwortliche und Betroffene von Stadtentwicklungsprojekten gleichberechtigt einschließt. Entwicklung einer demokratischen Planungsform!
4a. Ideen aus dem Stadtteil, statt Bevormundung durch die Stadt: AnwohnerInnen-Initiativen und AnwohnerInnenbedürfnisse müssen entscheidender Bestandteil der Stadtplanung werden.
4b. Keine Privatisierung öffentlicher Räume, Parks, Plätze und Einrichtungen. Entprivatisierung des Spielbudenplatzes.
5. Sämtliche Projekte oder Veränderungsmaßnahmen müssen nachweisen, welchen Nutzen sie für den Stadtteil haben.
6. Wenn Neubau, dann nur noch öffentlich geförderter oder günstiger Mietwohnraum.
7. Der Bau von öffentlich gefördertem Wohnraum darf nicht zu Lasten existierenden, günstigen Wohnraums gehen. Der Bau öffentlich geförderten Wohnraums darf nicht zum Vorwand für Abrisspolitik werden.
8. Sozialwohnungen müssen dauerhaft Sozialwohnungen bleiben.
9. Mietpreisbindung (festgesetzte Höchstwerte) für Wohnen und Gewerbe. Umwandlung aller befristeten in unbefristete Mietverträge.
10. Erhalt und Förderung einer kleinteiligen und vielfältigen Gewerbestruktur.
11. Ankauf aller auf dem Markt angebotenen Wohnungen und Grundstücke durch die Stadt zu gesetzlich festgelegten Höchstpreisen, um günstige Mieten zu sichern.
12. Leerstand kriminalisieren (gesetzlich verbieten), Besetzung von Leerstand entkriminalisieren, Zwangsvermietung bei Leerstand.
Unterzeichnen Sie jetzt!
Am 17. 12. 2011 beginnt die Kampagne zur Unterschriftensammlung. Im Rahmen des Aktionstages gegen kapitalistische Stadtentwicklung - Access all areas - wird im Viertel fleißig gesammelt, informiert und demonstriert. Unterzeichnen oder gar selbst als Unterschriftensammler aktiv werden, kann man allerdings jederzeit. Hierzu die Website mit allen nötigen Informationen und Materialien: http://www.sos-stpauli.de/
Quellen und weitere Links:
Facebook Seite der Initiative S.O.S. St. Pauli
