Soweto

Mikrokosmos der Apartheid

Soweto: Stadtteil von Johannesburg und Entstehungsort des gleichnamigen Aufstandes von 1976. Dessen Geschichte zeigt warum die Apartheid Südafrika so lange beherrschte.

In den 1950er Jahren erschaffte die weiße Apartheidregierung Südafrikas, in der Nähe von Johannesburg, einen großen Bereich für die schwarze Bevölkerung der Millionenstadt. Dieser Bereich, der auf dem Gebieten der Farmen Vogelstruisfontein, Doornkop, Diepkloof, Kliriviersoog und Klipspruit lag, bestand aus ca. 33 so genanten „Townships“ (externe Stadtgebiete), die alle unter dem Namen South-Western-Townships (Soweto) zusammengefasst wurden.

Soweto: South-Western-Township

1904 wurde aufgrund einer Seuche ein größeres Stadtgebiet Johannesburgs, welches vorwiegend von der schwarzen Bevölkerung bewohnt wurde, evakuiert und die Bewohner nach Klipspruit umgesiedelt. Bereits zu dieser Zeit kam es zu Protesten seitens der umgesiedelten Bevölkerung, von denen viele auf die Arbeit in den nahen Goldminen angewiesen waren. Anstatt die evakuierte Bevölkerung, nach Eindämmung der Seuche, in die vorherigen Stadtteile zurückzuführen, wurde nach einer Grippewelle 1918 das „Western-Native-Township“ errichtet und in den Folgejahren weiter ausgebaut. Das Gebiet nahm zunehmend die Gestalt eines Abschieberaumes an, als auch noch das „Eastern-Native-Township“für die schwarze Bevölkerung erbaut wurde. 1930 kam in der Nähe von Klipspruit ein weiteres Township dazu, welches die bisherigen ergänzte.

Billige Arbeitskräfte

Durch den Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) erfuhr die industrielle Produktion in Südafrika einen enormen Aufschwung und es wurden billige Arbeitskräfte benötigt. Dies bewirkte einen starken Zufluss von schwarz-afrikanischen Arbeitern nach Johannesburg. In kurzer Zeit war Johannesburg am Limit seiner Aufnahmefähigkeit. An den äußeren Bezirken der Stadt entstanden illegale Siedlungen, welche immer mehr wuchsen. Die Apartheidregierung versuchte zu reagieren und errichtete zwischen 1945 und 1953 ca. 8.000 Unterkünfte, welche die Bezeichnung Haus wahrscheinlich nicht verdient hätten.

Leben am Existenzminimum

Bereits 1951 wurde der so genannte „Bantu-Building-Act“ verabschiedet, welcher der Stadt Johannesburg erlaubte nach eigenem Ermessen in den Schwarzenvierteln Unterkünfte zu bauen. Um die Kosten so gering wie möglich zu halten, wurden 1953 die Arbeitgeber unter Androhung von Sanktionen verpflichtet für ihre Belegschaften jene Unterkünfte zu errichten. Bis 1965 erreichte die Apartheidregierung den Bau von ca. 45.000 weiteren Unterkünften. Mit dem Bau einiger Bildungs – und Medizineinrichtungen wurde der vorwiegend schwarzen Bevölkerung dieser Townships das Nötigste gegeben, um ein Leben am Existenzminimum zu führen.

Rund 1,25 Mio. Schwarze auf 66 Quadratkilometer

Die Mitbestimmung der schwarzen Bevölkerung an den Vorhaben in den Townships wurde kategorisch ausgeblendet und führte dazu, dass 1971 die komplette Amtsgewalt der Townships im Ermessen der weißen Behörden lag. Hinzu kam, dass durch fehlende Infrastruktur teurere Lebenserhaltungskosten im Verhältnis zum Einkommen entstanden, da es auch nur schlechte Lagermöglichkeiten für Waren, wie z.B. Nahrung gab, waren die allgemeinen Lebensbedingungen schlecht. Dies zeigt auch das folgende Verhältnis sehr deutlich: In Johannesburg lebten ca. 454.000 Weiße auf 406 km² und in Soweto ca. 1,25 Mio. Schwarze auf 66 km².

Rund 500.000 Weiße auf 406 Quadratkilometer

Im Apartheidstaat Südafrika wurde die Bevölkerung von den weißen Führern in Schwarze, Inder und Farbige (der Rest der ethnischen Gruppen) unterteilt. Jene Gruppen brauchten Genehmigungen, so genannte "Permits", für das Aufhalten und Durchqueren von Gebieten im Land, Weiße jedoch nicht. Eine Bevorzugung der Weißen in allen Lebensbereichen wie z.B. Infrastruktur, Bildung, Arbeit etc. war allgegenwärtig.

Parallelgesellschaften

Allein durch die Entstehungsgeschichte von Soweto lässt sich also ein idealer Nährboden für systemkritische Tendenzen in Südafrika ausmachen, da dieses Township in seinem Wesen an sich bereits zutiefst diskriminierend war. In den Townships bildeten sich Parallelgesellschaften, die in jeder Hinsicht gegenüber der weißen Bevölkerung benachteiligt wurden und dies Tag für Tag erfuhren.

Literatur zu Soweto

Brückner, Reinhard: Südafrikas schwarze Zukunft. Die Jugendunruhen seit 1976 - ihre Ursachen und Folgen, Frankfurt am Main 1977.

Musiker, Naomi and Reuben: Historical dictonary of Greater Johannesburg, in: Historical dictonaries of cities of the world, No. 7, Maryland & Oxford 1999.