Sozialbestattung - Beerdigung nach dem Minimalprinzip

Fehlt den Angehörigen eines Verstorbenen das Geld für eine Bestattung, springt das Sozialamt mit 750 Euro ein. Kann das ein würdiges Ende sein?

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ (Jesaja, Kap.43). Der Name – ein Sterbender wird laut Bibel bei seinem Namen gerufen und der Name ist auch das, was bei der Erinnerung an Verstorbene bleibt. Er verschafft Identität, er benennt: Da gab es einen bestimmten Menschen. Die sichtbare Verewigung des Namens auf einem Grab stellt die Verbindung zwischen Lebenden und Toten her. Fehlt es an Hinterbliebenen oder denen an gutem Willen, kommt nicht jeder zu seiner persönlichen Verewigung. Zwar schreibt das deutsche Sozialgesetz vor, dass jeder Verstorbene ordnungsgemäß und würdig bestattet werden muss, aber ob das in der Praxis wirklich so ist, hängt von den Angehörigen ab. Sind diese zahlungsunfähig, sorgt das Sozialamt mit einer Pauschale von 750 Euro für den Bestatter für eine ordnungsgemäße Bestattung. Zusätzlich werden die Kosten für die Kremation und die Grabstelle übernommen.

Sozialbestattung beim Billigbestatter

„Ditt is nich viel, aber damit kann man schon wat machen“, sagt Christian Black, Bestatter der Kette „der-billigbestatter.de“. Immerhin bekommt man bei ihm eine Feuerbestattung „all inclusive“ schon für 1.230 Euro. Seine Filiale in Berlin Reinickendorf ist schwer zu übersehen – wie bei McDonald's prangen die gelben Buchstaben des Firmennamens am Schaufenster. Beim Eintreten hat man das Gefühl, sich in einem Versicherungsbüro zu befinden: graue Aktenschränke, zwei große, graue Schreibtische und leuchtend blaue Bürostühle. Wäre da nicht die Glasvitrine, in der Urnen in bunten Farben mit goldenen Verzierungen aufgereiht sind - wie in der Vasenabteilung eines China-Ladens. Mehr bekommt man hier allerdings nicht für sein Geld. Bei einer Sozialbestattung setzten die Richtlinien des Sozialgesetzes Grenzen. Der billigste Sarg, die einfachste Urne, Einsargung, Transport, ein Grabstein oder Kreuz je nach Friedhofsvorschriften sowie eine schlichte Trauerfeier sind vorgesehen. Blumen, eine Kerze oder sonstige Kleinigkeiten zur Gestaltung der Abschiedsfeier sind nicht drin. „Meen Chef sacht immer, ditt is doch jenau ditt, wat die Leute wollen. Die haben ihren Vater zehn Jahre nit mehr jesehen und müssen den jetze entsorgen“, sagt Black. Oft seien das auch die Klienten, die zunächst eine Sozialbestattung beantragen und bei einer Ablehnung der Kostenübernahme durch das Amt schließlich doch das Geld auf den Tisch legen. Einen Unterschied zu einer privat finanzierten Bestattung muss nicht unbedingt erkennbar sein.

Geld spielt nicht unbedingt eine Rolle für eine würdige Bestattung

„Man muss halt die Ressourcen der Zurückgebliebenen ausfindig machen und gucken, ob sie nicht selbst beispielsweise noch Blumen besorgen können oder so“, sagt Bestatter Uller Gscheidl aus Berlin Kreuzberg. Gscheidl ist nicht nur Bestatter aus Berufung sondern auch Pädagoge und Familientherapeut. Er hat noch nicht einmal ein Büro. Wenn er gerufen wird, kommt er zu den Familien nach Hause und unterstützt wo er kann. „Bombastisch wird eine Sozialbestattung nie, aber man kann mit dem Geld hinkommen und wenn jemand einen Schreiner im Freundeskreis hat, fragt man, ob der nicht das Kreuz machen kann“, so Gscheidl. Alles sehr persönlich halt. Für ihn hat eine würdige Bestattung nur am Rande etwas mit Geld zu tun. Die Form der Verabschiedung muss stimmig sein, muss der Bedeutung, die der Verstorbene für die Hinterbliebenen hat, gerecht werden. Er jongliert mit den 750 Euro, schöpft die Möglichkeiten aus. Gut für's Geschäft ist eine Sozialbestattung sowieso nie. Aber das Amt zahlt zuverlässig. „Früher ging das Geld noch an die Angehörigen, aber dann kam es schon mal vor, dass das Geld in die Kneipe getragen wurden und nicht zu mir“, sagt Gscheidl. Jetzt wird er direkt vom Sozialamt bezahlt.

Ohne Hinterbliebene: Ordnungsamtliche Entsorgung

Es steht und fällt also alles mit dem Wunsch und Willen der Angehörigen – wollen die eine würdige Bestattung, dann lässt sich das mit ein bisschen Hilfe auch bewerkstelligen; wollen sie das nicht, findet eben eine simple Beerdigung statt. Dafür sorgt der Staat in jedem Fall. Nur wenn keine Verwandten mehr vorhanden sind, fällt die Bestattung noch einfacher aus. Für 250 Euro werden die Verstorbenen auf ordnungsamtliche Anweisung in der Regel in einem namenlosen Reihen-Urnengrab beerdigt. „ Diese schmucklose Form der Bestattung hat mit dem Menschen nichts mehr zu tun – ohne jede Würde“, sagt Pfarrer Harald Steinhoff. Er ist froh darüber, dass in seiner Gemeinde im Sauerland zumindest die Namen der Toten in solchen Gräbern auf einem Stein aufgelistet werden. Ganz schlicht: Buchstaben aus Bronze, kein Sternchen, kein Sterbedatum und keine persönliche Botschaft. „ Woanders werden die Menschen wie am Fließband verbrannt und anonym verbuddelt“, sagt Steinhoff. Ordnungsamtliche Entsorgung. Immerhin steht der Name auf der Urne.

Ratgeber zu Sozialbestattung: Aeternitas Vebraucherinitiative Bestattungskultur

Svenja Kaiser - zur Zeit Masterstudium "Soziologie - Europäische Gesellschaften" an der Freien-Universität Berlin Bachelor Abschluss an der ...

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