
- Soziale Gruppen und Rollen - Stefan Dassler
In sozialen Gruppen kann man Verhalten, Regeln und Rollen lernen. Bereits in der Vorgeschichte haben sich die Menschen zu Gruppen zusammengeschlossen. Sie wollten sich gegenseitig schützen und helfen. Auch der moderne Mensch schließt sich in Gruppen zusammen.
Merkmale einer sozialen Gruppe
Von einer sozialen Gruppe spricht man in der Soziologie, wenn bestimmte Gruppenmerkmale zutreffen:
- Gemeinsame Interessen und Ziele: Beispiel - Der Erfolg eines Familienbetriebs.
- Gemeinsames Handeln: Beispiel - Zusammen arbeiten im Familienbetrieb.
- Dauerhafte Beziehungen: Beispiel – Firmenzugehörigkeit.
- Überschaubare Anzahl von Mitgliedern: Beispiel – Familienkreis.
- Zusammengehörigkeitsgefühl, Wir-Gefühl: Beispiel - Teamgeist, wir sind eine Firma.
- Verhaltensregeln: Beispiel - Umgangsformen, Höflichkeit, Zuverlässigkeit.
- Verteilte Aufgaben/Rollen: Beispiel - Geschäftsführer, Leiter Finanzen, Leiter Einkauf, Leiter Vertrieb.
Kategorien sozialer Gruppen
Soziale Gruppen lassen sich in einer Kultur in verschiedene Kategorien einteilen.
- Nach der Größe: Großgruppe - mehr als zehn Mitglieder. Kleingruppe - beispielsweise Dreiergruppe.
- Nach dem Organisationsgrad: Formelle Gruppen - Mit planvollen Vorschriften und Normen organisiert. Informelle Gruppen - Nicht organisiert und zufällig entstanden.
- Nach dem Beziehungsaspekt: Primärgruppen - Enge personenbezogene Bindungen. Sekundärgruppen - Eher lose Beziehungen.
Status und Position in sozialen Gruppen
Ein Beispiel für eine soziale Gruppe in unserer Kultur sind Soldaten und Soldatinnen einer Armee-Einheit der Bundeswehr. Die Mitglieder der Gruppe haben einen bestimmten Status in der Gesellschaft – eine Wertschätzung. Soldat gilt weitgehend als angesehener Beruf. Jeder Soldat hat eine bestimmte Position beziehungsweise eine bestimmte Stellung im Beziehungsgeflecht der sozialen Gruppe. Äußerlich zeigt sich dies am militärischen Rang, erkennbar an den Schulterklappen. Ein/e Soldat/in kann verschiedene Rollen innehaben: Unter anderem Vorgesetzte/r, Kamerad/in, Familienvater/Mutter.
Rollen in sozialen Gruppen
Innerhalb einer sozialen Gruppe – beispielsweise einer Armee-Einheit - zeigen sich verschiedene Rollen der Mitglieder:
- Der Anführer: Er hat die Aufgabe, die Gruppe zusammen zu halten und bestimmt und koordiniert die Gruppenziele.
- Der Opponent: Er hat eine besondere Beziehung zum Anführer und hat als starkes Mitglied ebenfalls Leitungsqualitäten.
- Der Mitläufer: Er orientiert sich am Anführer.
- Der Opportunist: Er handelt weniger nach Grundsätzen und achtet immer auf seinen Vorteil.
- Der Sündenbock: Er ist das schwächste Gruppenmitglied und wird oftmals verantwortlich gemacht, wenn die Gruppe ihr Ziel nicht erreicht.
- Der Außenseiter: Er kann eine Beraterfunktion übernehmen, aber auch der Kasper sein.
Der Mensch wird mit verschiedenen Rollenerwartungen konfrontiert – innerhalb einer bestimmten Gruppe oder als Mitglied in mehreren verschiedenen Gruppen. Dies kann zu Rollenkonflikten führen. Beispielsweise kann ein/e Soldat/in als Kamerad/in einen lockeren Umgang mit anderen pflegen, hingegen als Vorgesetzte/r muss er/sie von anderen Leistung verlangen.
In einer Armee-Einheit durchleben Mann und Frau nach wie vor ihre traditionellen Rollen. Soldat gilt (immer noch) als typischer Männerberuf. Noch immer existieren in unserer Gesellschaft extrem viele Vorurteile und Erwartungen betreffend die Geschlechterrolle. Ein Rollenwandel zeigt sich jedoch bei der Rolle der modernen Frau in vielen gesellschaftlichen Bereichen.
Literaturhinweis:
Moebius, S.: Kultur. Einführung in die Kultursoziologie. Transcript Verlag 2008. Fachbuch. 243 Seiten. Euro 14,80.
