Soziale Verantwortung von Unternehmen - CSR

Corporate Social Responsibility am Beispiel von zwei Einzelhändlern

„Ein Unternehmen, das nur Geld verdient, ist ein armes Unternehmen." Dieser Satz von Auto-Pionier Henry Ford ist Jahrzehnte alt und doch aktuell wie nie.

In einer Zeit des Klimawandels, der Globalisierung, der steigenden Armut wird die Verantwortung von Unternehmen ein immer wichtigeres Thema. Wie man diese praktisch umsetzen kann, machen zwei Händler von der Schwäbischen Alb vor: Sie setzen sich für die Umwelt und Gesellschaft ein, tun das gerne - und verdienen trotzdem gutes Geld.

Modern und umweltbewußt

Gerd und Klaus Koch wirken gar nicht wie Ökos. Okay – sie tragen Jeans. Aber dazu schicke Schuhe. Sie essen lieber ein saftiges Steak als Müsli. Und sie haben Autos, die sie auch benutzen. Aber die beiden Brüder, 35 und 38 Jahre alt, sind konsequent bis zur Sturheit, wenn es um ihr Engagement für die Umwelt geht. „Wer Lebensmittel liebt, kann die Natur nicht einfach vergessen“, sagen die Inhaber zweier Edeka-Märkte in der Nähe von Balingen. „Wir wollen, dass die Welt auch für unsere Kinder lebenswert ist“, erklären sie – und treffen damit den Kern von CSR: nachhaltig leben und arbeiten, um die Ressourcen zu schonen und zu erhalten.

Was ist CSR?

CSR ist die Abkürzung für „Corporate Social Responsibility“, das bedeutet übersetzt etwa „Soziale Verantwortung von Unternehmen“. Bezeichnet wird damit das Engagement, das ein Unternehmen freiwillig für die Allgemeinheit leistet – etwa durch Einsatz für soziale Randgruppen und die Förderung von Öko- und regionalen Produkten, Engagement für Mitarbeiter, fairen Handel und die Umwelt.

Bei der Auswahl fängt es an

Ihr Einsatz fängt für die Brüder Koch bei den Produkten an. So setzen sie bei der Sortiments-Gestaltung neben viel Bio schon lange stark auf regionale Lieferanten. Dadurch werden einerseits lange Transportwege und Umweltbelastungen vermieden. Andererseits bleiben Geld, Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze in der Region – und manchmal werden sogar neue geschaffen: „Ich habe mal einen Landwirt angesprochen, der am Straßenrand Kürbisse verkauft hat“, erzählt Gerd Koch. „Ich habe ihn davon überzeugt, seine Produkte in größerem Umfang an uns zu verkaufen. Heute ist er einer der größten Kürbis-Produzenten in der Region!“

Einfache Ideen, großer Effekt

Viele Ideen der Koch-Brüder sind erstaunlich einfach – und erstaunlich effektiv. Die Blumen, die sie draußen verkaufen, werden nicht einfach gegossen. „Wir haben uns geärgert, wie viel Wasser dabei verschwendet wird“, erzählt Gerd Koch. Also tüftelte er mit seinem Bruder – und heraus kamen große Metall-Wannen, die gefüllt mit Blumen versetzt untereinander stehen. Zuerst wird in die oberste Wasser gegossen, das die Pflanzen über die Wurzeln aufnehmen – dann wird einfach der Stöpsel rausgezogen, und das Wasser fließt in die nächste. Eine Wasserersparnis von 70 Prozent.

Keine Heizung, keine Klimaanlage

Der ganze Stolz der Brüder Koch aber ist der „Geothermische Pendelspeicher“, den sie für ihren Markt trotz vieler Widerstände ersonnen, konzipiert und gleich mit eingebaut haben. „Weil es damit so noch keine Erfahrung gab, haben uns manche Fachleute sogar abgeraten“, erinnert sich Klaus Koch. „Aber wir wollten das unbedingt – und haben seitdem überhaupt keine CO2-Emission mehr – null!“

Der Pendelspeicher macht sowohl die Heizungs- als auch die Klimaanlage überflüssig. Die Idee: Durch die Kühltruhen im Markt entsteht Abwärme. Statt die einfach in die Luft zu pusten, wird sie in die Erde geleitet und dort gespeichert, bis sie gebraucht wird zum Heizen des Marktes. „Wir sparen damit rund ein Viertel der Energie!“ Sechs Jahre wird es dauern, bis sich die Anlage gerechnet hat – danach wird richtig verdient.

Wirtschaftlicher Erfolg ist notwendig

Geld verdienen – auch das ist den Koch-Brüdern bei allem Idealismus wichtig. Schließlich sind beide studierte Betriebswirte und können rechnen. Und das widerspricht der Idee von „Corporate Social Responsibility“ keineswegs: Schließlich sind nur wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen überhaupt in der Lage, etwa den Umweltschutz und soziale Projekte zu fördern. Und die Sicherung der Arbeitsplätze von Mitarbeitern und Lieferanten ist sowieso ein fester Bestandteil von CSR.

Ein besseres Image

Mit CSR kann ein Unternehmen also Gewinne machen – direkt durch Einsparungen, indirekt durch Imagegewinn. Immer mehr Verbraucher interessieren sich dafür, ob und wie sich die Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen. So kann Engagement auch zum Kauf-Argument werden - je regionaler ausgerichtet, desto mehr. Gerd und Klaus Koch laden regelmäßig Kindergärten und Schulen ein, um den Kleinen gesunde Ernährung nahe zu bringen. Sie unterstützen Vereine der Region, die einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. „Wir wollen, dass es unserem Umfeld gut geht – denn dann geht es uns auch gut“, erklärt Gerd Koch. So einfach ist das.

Engagement mit Herz

Allerdings: Politische Diskussionen, Unternehmen gesetzlich zu CSR zu verpflichten, lehnen die Kochs ab: „Das sollte auf jeden Fall freiwillig bleiben. Ein bisschen Herz muss schon dabei sein!“ Bei ihnen ist sogar sehr viel Herz dabei. Was sie tun, tun sie voller Überzeugung - eben weil sie es für richtig halten.

Und weil niemand die Welt alleine verbessern kann, arbeiten die Kochs unermüdlich daran, auch ihre Mitarbeiter zu sensibilisieren. Regelmäßig werden Schulungen zu Umweltaspekten durchgeführt – aber nicht nur das. „Wir wollen auch Werte vermitteln“, unterstreicht Klaus Koch. Und so haben die beiden vor kurzem mit ihren Azubis ein ehemaliges Konzentrationslager besucht. „Wir wollen das Bewusstsein stärken für menschliches Miteinander.“

Umweltpreis

Gerd und Klaus Koch sind ganz weit vorn, wenn es um „Corporate Social Responsibility“ geht. Für ihr Umwelt-Engagement haben sie 2006 sogar den Umweltpreis des Landes Baden-Württemberg in der Kategorie Handel bekommen. Und trotzdem: Ganz zufrieden sind sie noch nicht mit sich selbst. Beim Bau ihres Marktes haben sie schlicht vergessen, ein Auffangbecken für Regenwasser zu bauen – das ärgert sie. „Beim nächsten Markt wird alles noch besser“, versprechen sie. Zwar lachend, aber sie meinen es ernst: Ein echt ökologischer Markt, das wäre ihr Traum.

Ein Wald für bessere Luft

Die Lösung für ein anderes Problem haben sie schon gefunden: für ihre Autos - die brauchen sie. Doch weil sie damit CO2 produzieren, haben sich beide Kochs Waldstücke gekauft, die sie vor der Abholzung bewahren. „Wir haben ausrechnen lassen, wie viel CO2 unsere Bäume binden.“ Und sie können aufatmen: Ihre ganz persönliche Öko-Bilanz sieht auch auf diesem Gebiet blendend aus.

Miriam Elmers , Miriam Elmers

Miriam Elmers - ...geboren 1971 im ostwestfälischen Bad Driburg. Schon als Kind war mir eigentlich klar, was ich im Leben am liebsten will: ...

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