Sozialforschung - Empirische Untersuchungen

Forschungslogischer Ablauf empirischer Untersuchungen

Abstraktion - Sven Fauth
Abstraktion - Sven Fauth
Sozialforschung dient der Beschreibung bestimmter sozialer Phänomene, die in einem theoretischen System abgebildet und mittels Indikatoren operationalisiert werden.

Die Sozialforschung dient der Beschreibung bestimmter sozialer Phänomene, die in einem theoretischen System abgebildet und mittels Indikatoren operationalisiert werden können, um daraufhin Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Sozialforschung ist damit der theoretische Unterbau für die Stadtsoziologie.

Entdeckungszusammenhang - Wie kommt es zu einem Forschungsprojekt?

Ein soziales Problem, zum Beispiel Wohnungslosigkeit soll untersucht werden, dazu liegen Untersuchungen vor. Allerdings lassen die vorhandenen Theorien unterschiedliche Erklärungen zu, oder die Studien kommen zu unterschiedlichen Resultaten. Die oftmals teure Forschungsarbeit wird von einem Auftraggeber initiiert und finanziert. Er definiert unter Umständen das soziale Problem und stellt dem Forscher die Mittel bereit, um Handlungsmöglichkeiten zur Eindämmung des Problems oder gar zu seiner Lösung zu finden.

Der Begründungszusammenhang

Unter Begründungszusammenhang versteht man die methodologischen Schritte, mit deren Hilfe das Problem untersucht werden soll, wobei die einzelnen Schritte interdependent sind. Ziel soll eine weitestgehend exakte, nachprüfbare und objektive Prüfung der Hypothesen sein.

Als erstes muß man insbesondere das „soziale Problem“ in seine einzelnen Dimensionen transformieren: Man fragt nach dem Stellenwert des Problems, untersucht, in welchem größeren Zusammenhang das zu untersuchende soziale Problem steht, klärt, was unter den Begriffen zu verstehen ist und definiert diese. Schließlich wird man sich noch um etwaige entstehende Teilprobleme kümmern müssen. „Die Transformation in eine wissenschaftliche Untersuchung beginnt mit der Analyse der Interessen und Aussagen.“(Friedrichs 1980, 52).

Die Forscher müssen recherchieren, ob bereits Hypothesen zum Thema vorliegen, und überprüfen deren Informationsgehalt sowie die Relevanz der Stichproben und die statistische Korrektheit. Anschließend werden Hypothesen gebildet, dies erfordert wiederum die Definition von relevanten Begriffen und Variablen. Danach lassen sich die entsprechenden Operationalisierungen der Variablen vornehmen. Die Entscheidung über das Problem und die Methode läßt dann die Entscheidung über Stichprobe, die Exaktheit und die notwendigen Prüfverfahren zu. Daran schließt sich die Datenerhebung, die Auswertung der Daten und die abschließende Interpretation der Daten an.

Verwertungs - und Wirkungszusammenhang

„Die Untersuchung eines sozialen Problems hat eine erkenntnistheoretische Funktion, da sie unser Wissen über soziale Zusammenhänge erweitert.“(Friedrichs 1980, 54) Unter Verwertungs- und Wirkungszusammenhang versteht man die Effekte einer Untersuchung und ihren Beitrag zur Lösung des sozialen Problems. Eine Verwertung erfolgt durch die Anwendung in der sozialen Planung. Den Abschluß der Forschungsarbeit stellt die Pressemitteilung, ein öffentlicher Vortrag beziehungsweise die Veröffentlichung in einem dafür geeigneten Medium dar.

Resümee und kritische Fragen

Kann diese auf den ersten Blick objektive Methodik wirklich frei von Werten sein, hat nicht der Auftraggeber eine gewisse Macht, die er je nach Persönlichkeit mehr oder weniger konsequent auch benutzen wird?

Welche Rechte hat der Wissenschaftler gegenüber dem Auftraggeber einer Studie und welche Rechte muß er versuchen durchzusetzen, allein schon im Interesse der Unabhängigkeit der Forschung und insbesondere der Menschen, die von den aus den Ergebnissen resultierenden Veränderungen eventuell benachteiligt werden?

Als hierzu relevante Rechte wären anzuführen: Rechte hinsichtlich der sozialwissenschaftlichen Formulierung des Problems, seiner Übersetzung in Hypothesen, Methoden, Stichproben und Interpretationen der Ergebnisse. Zudem muß der notwendige Umfang der Studie bestimmt werden. Wer zum Beispiel die Folgen einer geplanten Sanierung eines Stadtteils untersuchen soll, kann sich nicht nur auf die betroffene Bevölkerung beschränken, sondern muß nach den Migrationstendenzen unter den gegebenen ökonomischen Bedingungen, nach alternativen Formen der Sanierung oder nach den Konsequenzen einer weiteren Ausdehnung der Stadt durch neue Randsiedlungen fragen.

Grenzen der soziologischen Forschung

Natürlich läßt sich ein Problem niemals allumfassend untersuchen, dies allein schon aus Gründen der Begrenzung von Zeit und Mitteln. Dennoch werden durch die Abgrenzung des Aufgabengebiets zumindest die wissenschaftlichen und praktischen Grenzen der Untersuchung klarer.

Weitere Ansatzpunkte kritischer Hinterfragung wären, welche Verwertung der Ergebnisse durch wen erfolgt, ob die Ergebnisse nur selektiv publiziert werden und ob den Betroffenen ein Mitspracherecht eingeräumt wurde. Weiter ist zu fragen, ob die Ergebnisse nur dazu verwendet werden, die Segregation sozialer Schichten in einer Stadt zu erhöhen, also bestehende soziale Ungleichheiten zu stabilisieren.

Für den Forscher wichtig ist die Frage nach dem Zeitpunkt zu dem der Forscher zur Mitarbeit herangezogen wird und ob es ihm überhaupt zeitlich möglich sein kann, auf die oben genannten Punkte einzugehen.

Exemplarische Literatur:

  • Friedrichs, Jürgen (1980) „Methode empirischer Sozialforschung“, Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 14. Auflage
  • Friedrichs, Jürgen (1991): "Einführung in die Stadtsoziologie"
Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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