Spanisches Weihnachtsgebäck aus Estepa

Polvoron und Mantecado zu Weihnachten in jedem spanischen Haushalt

Spanisches Weihnachtsgebäck Polvoron - Christine Rödel
Spanisches Weihnachtsgebäck Polvoron - Christine Rödel
Estepa, bei Sevilla, ist bedeutendster Ort für die Herstellung von spanischem Weihnachtsgebäck. Die Tradition wurde mit der Überproduktion an Getreide geboren.

Estepa ist ein kleiner andalusischer Ort in der Provinz Sevilla. Bekannt ist er heute wegen seiner bedeutenden Produktion des für Spanien typischen Weihnachtsgebäck, Mantecado und Polvoron. Das Gebäck findet man kurz vor Heiligabend bis zum eigentlichen spanischen Weihnachtsfest, dem Fest der Heiligen drei Könige, in nahezu jedem Geschäft. Auch Geschäfte, die keine Lebensmittel verkaufen oder Empfangsplätze bieten das Gebäck während der Weihnachtszeit auf Bewirtungstellern zusammen mit Kostproben von regionaltypischen Weinen oder sonstigen Spirituosen an.

Spanisches Weihnachtsgebäck aus Estepa

Neben der düsteren Vergangenheit von vor 2.200 Jahren, als es um 208 vor Christus hier zu einem Massenselbstmord kam, um nicht von den römischen Invasoren übermannt zu werden, weist Estepa heute ein glücklicheres Dasein auf. Hier in einer der besten landwirtschaftlichen Regionen Andalusiens, welche sich durch die Villen im Zentrum der Stadt ausweisen, befinden sich heute zahlreiche bedeutende Fabriken für die Weihnachtsgebäckherstellung.

Von ungefähr 70 Fabriken in Andalusien befinden sich rund 30 in Estepa. Hier wird der Teig für das für Andalusien bedeutende Gebäck Mantecado oder Polvoron hergestellt. Diese kleinen Kuchen sind das industrielle Hauptprodukt für diese Region. Das traditionelle spanische bröckelnde Gebäck wird aus dem Speck der iberischen Schweins, cerdo iberico, Mehl, Zucker, Milch und Nüssen hergestellt. Rund 2000 Angestellte, davon 90 Prozent Frauen, sind in der Zeit von September bis Dezember, damit beschäftigt über 20 Millionen Kilo des Weihnachtsgebäcks herzustellen. Bereits einige Kilometer entfernt kann man den süßen Duft riechen.

Überproduktion schafft Weihnachtstradition

Die einstigen Steineichenwälder, wurden von französischen Truppen abgeholzt und große Flächen mit Korn angebaut. Die Herstellung des sogenannten Staubgebäcks, Polvoron und Mantecado, gingen auf die damit verbundene Überschussproduktion im 16. Jahrhundert von Getreide und Schmalz im andalusischen Antequerra zurück, ebenso wie die spanische Tradition, am Sylvesterabend zu jedem Glockenschlag um Mitternacht eine Weintraube zu essen.

1870 Beginn der Vermarktung des spanischen Weihnachtsgebäcks

Mit diesem Überschuss wurde das erste Schmalzgebäck in der Region hergestellt. 1870 gab Filomena Micaela Ruiz Téllez ihrem Ehemann eine gehörige Menge von dem Gebäck auf die Reise nach Cordoba mit, wo er dieses verkaufen sollte. Das war der Beginn der Vermarktung des Schmalzgebäcks aus Estepa und die Gebäckherstellung in Estepa war geboren.

Heute gilt die Region als das Zentrum der spanischen Weihnachtsgebäckherstellung. Traditionell wird jedes einzelne Küchelchen in feinem Seidenpapier verpackt. Damit es beim auspacken nicht auseinanderbröselt, wird es vorher zerdrückt. Es gilt heute als die wichtigste weihnachtliche Süssigkeit in Spanien.

In einigen Bäckereien kann der Backprozess besichtigt werden. Außerdem gibt es hier ein Museum zu der Geschichte der Keksfabriken in Estepa.

Rezept für Polvoron

Für eine Portion werden 500 Gramm Mehl, 200 Gramm Schweineschmalz, 200 Gramm Puderzucker, die geriebene Schale und der Saft von zwei unbehandelten Zitronen, eine Prise Salz und ein Teelöffel Zimt vermengt.

Das Mehl wird zunächst auf einem Backblech leicht gebräunt und mit den übrigen Zutaten zu einem glatten Teig verknetet. Dieser wird zu Rollen geformt für ein bis zwei Stunden im Kühlschrank ruhen gelassen. Anschließend werden etwa ein bis 1,5 Zentimeter dicke Scheiben geschnitten und bei mittlerer Hitze, von circa 170 Grad 20 Minuten gebacken, bis sie leicht braun sind. Anschließend werden sie im warmen Zustand mit Puderzucker bestreut.

Christine Rödel, Christine Rödel

Christine Rödel - Ich bin in Thüringen geboren und aufgewachsen. Mitte der achtziger Jahre genügte der sich immer mehr verengende Radius nicht ...

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