Spannend schreiben: Wie man in einer Geschichte Spannung aufbaut

Kreatives Schreiben - Pia Helfferich
Kreatives Schreiben - Pia Helfferich
Verschiedene Methoden helfen Autoren dabei, eine spannende Geschichte zu schreiben und gekonnt mit Spannungsbögen zu arbeiten.

Es gibt keine verbindlichen Regeln für das Schreiben, bis auf die eine: Du sollst nicht langweilen. Spannend soll man also schreiben, und diese Spannung muss nicht unbedingt actiongeladen sein. Vielmehr kann man unter Spannung bereits verstehen, dass die Leser weiterlesen möchten. Auch eine sehr ruhige Geschichte, in der kaum etwas passiert, weist ihre subtile Form von Spannung auf, wenn sie gut gemacht ist. In diesem Artikel schauen wir uns ein paar gängige Methoden an, um Spannung aufzubauen.

Informationen vorenthalten

Ein klassischer Weg des Spannungsaufbaus besteht darin, den Lesern Informationen vorzuenthalten. Einfaches Beispiel: Hier liegt eine Leiche, wer ist der Täter? Die fehlende Information muss wichtig sein, sonst interessiert sich keiner für sie, und die Frage nach ihr sollte bereits in der Einleitung gestellt werden. Wer tut oder tat etwas? Wo tut er es? Was tut er? Wie tut er es? Wann tut er es? Warum tut er es? Mit einer oder mehrerer dieser Fragen kann man einer Geschichte einen spannenden Dreh geben.

Spannungsaufbau durch Informationsvorsprung

Es geht aber auch andersherum, Spannung kann auch dadurch entstehen, dass die Leser bereits etwas wissen, was die Figuren noch nicht ahnen. Dadurch können sie etwa in Gefahr geraten und als Leser möchte man ihnen ständig „Pass auf!“ zurufen. In einem Interview mit François Truffaut beschrieb Alfred Hitchcock, wie eine solche Szene aussehen könnte. Zwei Menschen sitzen in einem Restaurant und unterhalten sich angeregt, unter ihrem Tisch tickt jedoch eine Bombe. Die Leser wissen, dass sie in wenigen Minuten explodieren wird, die beiden Figuren ahnen nichts davon, die Zeit verrinnt … Spannung ist garantiert.

Emotionen der Leser ansprechen

Diese Restaurantszene wird um so spannender, je sympathischer den Lesern die beiden Figuren sind. Logisch: Denn dann sollen sie erst recht nicht sterben. Ob man mit der Technik des Informationsvorsprungs arbeitet oder nicht, stets ist es wichtig, die Gefühle der Leser anzusprechen. Die Figuren dürfen ihnen nicht einfach egal sein, das wäre das Schlimmste und Unspannendste, was passieren kann, sie sollen Sympathie, Interesse, Mitgefühl, Faszination oder auch Ablehnung, auf jeden Fall Gefühle für sie empfinden. Auch Themen, die gefühlsbetont sind, wie Abschied, Kinder, Liebe, Sterben, Tiere, unterstützen die emotionale Involviertheit der Leser und damit die Spannung.

Ein Ziel vorgeben

Wenn es um ein Ziel geht, das die Figur unbedingt erreichen will oder muss, dann fragen sich die Leser natürlich „Schafft sie das?“ und schon ist Spannung da. Dieses Ziel kann groß oder klein sein, nur für die Figur muss es in dem Moment, indem wir sie als Leser treffen von brennender Bedeutung sein. Egal, ob es darum geht, ob Horst es auf den Mount Everest schafft oder ob es ihm gelingt, ein simples Glas Wasser zu erhalten, die Leser müssen nachvollziehen können, wie sehr die Figur dieses Ziel zu erreichen versucht.

Ungewöhnliche Dinge zeigen

Eine Figur kommt mit den Einkäufen nach Hause, packt das Brot aus, steckt es in eine Gefriertüte und legt es ins Gefrierfach, nimmt die Wurst aus der Metzgertüte, steckt sie in eine Gefriertüte, legt sie in den Kühlschrank, nimmt die Konservendosen, packt sie in eine Gefriertüte und stellt sie ins Regal. Stopp! Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit möchten die Leser wissen, warum man so etwas Merkwürdiges tut. Ungewöhnliche Dinge und Normbrüche zu zeigen ist ebenfalls eine Technik, um eine Form von Spannung zu erzeugen.

Mit Andeutungen arbeiten

Ein simples, aber wirkungsvolles Mittel sind Vorausdeutungen, die den Lesern mitteilen, dass sie gleich noch etwas Großes, Wichtiges, vielleicht sogar Dramatisches erfahren werden, aber noch nicht verraten, worum es sich handelt. So kann es funktionieren: „Auf meinem Sparziergang stellte ich mich an einen Baum und pinkelte. Es sollten zwei Monate vergehen, bis ich wieder im Stehen pinkeln konnte.“

Verzögerung

Die bekannteste Verzögerungstechnik ist der Cliffhanger. Die Figur befindet sich in akuter Gefahr, doch dann endet das Kapitel, der Schauplatz wechselt und man wird erst später erfahren, wie es für die arme Figur ausgeht. Auch auf andere Weise kann man Verzögerungen einbauen. Meggie hat endlich die Chance, Darius zu fragen, ob die fremde Frau etwa ihre Mutter ist, doch das Gespräch verläuft nicht zackig Frage – Antwort – fertig, sondern es treten Störungen auf, die Antwort verzögert sich, bis die Spannung nahezu unerträglich geworden ist.

Geschwindigkeit

Nicht nur Langsamkeit ist spannend, sondern natürlich auch die Geschwindigkeit, das schnelle Hin und Her, die Action, der rasche Szenenwechsel, kurze Sätze, abgehackte Sprache.

Der Spannungsbogen

In einer kurzen Geschichte reicht ein Spannungsbogen, der vom Anfang der Geschichte bis zu ihrem Ende reicht. Wird die Figur ihr Ziel erreichen? In längeren Geschichten ist das zu wenig. Neben dem Haupt-Spannungsbogen gibt es mehrere kürzere Bögen, die sich überlappen. Eine Nebenfrage wird in Kapitel 3 gestellt und in Kapitel 7 beantwortet, eine weiterer Spannungsbogen erstreckt sich vielleicht von Kapitel 5 bis Kapitel 17. So sind stets mehrere Fragen offen oder befinden sich in einem unterschiedlichen Grad der Beantwortung.

Die Balance halten

Wesentlich für den Spannungsaufbau ist die Abwechslung. Nach einem sehr spannenden Moment folgt die Entspannung, bevor es dann wieder noch spannender wird als vorhin – eine sich aufschaukelnde Wellenbewegung. Man kann auch sagen, die Geschichte pendelt so lange wie möglich zwischen der Hoffnung auf einen guten Ausgang und der Möglichkeit eines katastrophalen Endes. Solange diese Balance gewahrt bleibt, kann sie Spannung aufrecht erhalten werden.

Pia Helfferich, Pia Helfferich

Pia Helfferich - Pia Helfferich ist Autorin und schreibt nebenher Rezensionen und Artikel für die Zeitschriften Federwelt, TextArt und Buchkultur. Sie ...

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