Am 9. November 1918 endete das deutsche Kaiserreich mit dem erzwungenen Rücktritt Wilhelm II. Wie es mit dem Land weitergehen würde, war in den ersten Tagen unklar. Am 9. November 1918 riefen gleich zwei Männer die Republik aus: Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht. Scheidemann will ein demokratisches Deutschland, Liebknecht ein sozialistisches. Gemeinsam mit Rosa Luxemburg gründet Liebknecht den Spartakusbund.
Am 20. Dezember 1918 fällt eine wegweisende Entscheidung. Der „Allgemeine Deutsche Rätekongress“ beschließt: Freie und allgemeine Wahlen sollen durchgeführt werden. Nach dem Krieg hatten sich solche Kongresse gebildet. In ihnen saßen Arbeiter und Soldaten, sie waren meist willkürlich in die Gremien gekommen. Die extremen Linken in den Räten wollten die Macht dem „Proletariat“, den Arbeitern, vorbehalten. Der Rätekongress entschied sich aber, allen Bürgern das Wahlrecht zu gewähren. Luxemburg kündigt Widerstand an.
Meuternde Soldaten
In den letzten Tagen des Jahres 1918 meutern an mehreren Stellen Soldaten, hauptsächlich weil sie ihren Sold nicht erhalten haben. In Berlin wird sogar zwischenzeitlich der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert von Meuterern als Geisel genommen. In Kämpfen setzen sich die Rebellen gegen die regulären Truppen durch. Die provisorische Regierung muss verhandeln und den Meuterern entgegen kommen.
Die Schwäche der Regierung ermutigt den Spartakusbund. Am 25. Dezember 1918 besetzen Mitglieder der kommunistischen Vereinigung das Druckhaus der SPD-eigenen Zeitung „Vorwärts“. Der Spartakusbund ruft die Massen zum Aufstand auf, das passiert aber nicht. Am 6. Januar 1919 gründen Luxemburg und Liebknecht die Kommunistische Partei Deutschlands, KPD. Mit der neuen Partei wollen die beiden die Massen erreichen und so eine sozialistische Revolution beziehungsweise Machtübernahme vorbereiten. Ihr erstes Ziel: Die freie Wahl am 19. Januar 1919 verhindern.
Besetzung des Zeitungsviertels
Am 4. Januar 1919 setzt der preußische Innenminister Paul Hirsch (SPD) den sozialistischen Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn ab. Darauf rufen Liebknecht und Vertreter der „Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands“ (USPD) zum allgemeinen Aufstand auf. In der Nacht zum 6. Januar 1919 besetzen linke Milizen das Berliner Zeitungsviertel. Sie wollen die provisorische, sozialdemokratische Regierung absetzen.
Die Arbeiter beteiligen sich nur zum Teil an dem Aufstand, ebenso wenig reguläre militärische Einheiten. Die Regierung reagiert und ruft den Belagerungszustand aus. Unter Führung von Gustav Noske schlagen reguläre Truppen am 11. und 12. Januar 1919 den Spartakusaufstand nieder. Nach diesem Erfolg mahnt Ebert: „Bolschewismus ist Tod des Friedens, Tod der Freiheit, Tod des Sozialismus, der nur in aufbauender Arbeit sein Werk, die Befreiung des Volkes aus den Fesseln der wirtschaftlichen Ausbeutung, vollenden kann."
Leiche im Landwehrkanal
Nachdem der Aufstand niedergeschlagen wurde, tauchen Liebknecht und Luxemburg unter. Beide werden von rechten Milizen, so genannten Bürgerwehren, aufgespürt, verhaftet und gemeuchelt. Die Leiche Luxemburgs werfen sie in den Berliner Landwehrkanal. In München wird der bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner (USPD) vom Offizier Anton Arco-Valley erschossen. Bei der Wahl am 19. Januar 1919 kommt es, wider Erwarten, nicht zu einer linken Mehrheit.
