
- Für die Feiertage einen Plattenspieler - jurec / pixelio.de
Zehn Tage vor Neujahr 2012 - vor den leuchtenden Schlangenlinien der Silvesterraketen und heruntergezählten Sekunden an den Uhren der öffentlichen Plätze in der Welt, auch um einer Verlegenheit gegenüber der eigenen Freundin, Ehefrau und dem geschätzten Nächsten zu entgehen - gibt es noch die Möglichkeit des Schenkens. Es bietet sich auch aus einer tröstlichen und persönlichen Ablehnung einer marktwirtschaftlichen Gier an, die nur eigennützig schachert. Einer Entwicklung, die in den Leitartikeln der Zeitungen und Fernsehapparaten tagtäglich zu einem mehrschichtigen Elend des neuen Milleniums zusammengekittet wird, mit einer Überschaubarkeit an okönomischen Lösungsstrategien. So floriert vor den Feiertagen der Austausch über selbstlosere Geschenkepakete.
Bei dem Einladungen, zeitgemäße Plattenspieler und köstliche Liköre berücksichtigt werden. Durch fröhlichere Zeitgesellen. Inmitten der unerschöpften Wirtschaftsstatistiken. So blüht im späten Jahr wieder etwas einer sozialen, pulsierenden Zuneigung.
Eine Einladung nach Südfrankreich
Folgende Artikel kann man als verschenkbares Paket berücksichtigen:
Für die Dame: Da gibt es die Geschenkmöglichkeit einer Reise in den französischen Süden. Vor umwehte Bars, an denen der Kellner nur Französisch spricht, aber höflich und freundlich ist. In der sie dort dann mit ihrem Ehemann am Tisch sitzt. Etwas verweilend dem späten, gepeitschten Meer zusehen, den Segelbooten mit den unsichtbaren Kapitänen. In jener Bar weniger als 52 Euro für zwei Jim-Beam Gläser ausgeben und weniger als beschwingliche 18 Euro, wie es in manchen Clubs in Saint-Tropez üblich ist, für ein Glas Sodawasser. In diesem Urlaub nicht einsam werden. Wo der Kellner zunächst Carpaccio-Gerichte an den Tisch bringt, sie es pfeffern und essen und schwätzen und sich in den Folgetagen der Ortschaft und deren Boule-Spielfeldern in den aktiveren Abendstunden nähern - auch deren Mythen und Gesetzen.
In solcher Ortschaft kann manches Paar auch sein "baumwollenes Jubiläum", also die einjährige Ehe oder "Hölzerne Hochzeit", also das zehnjährige Zusammensein, mit der nützlichen Zuneigung im Dezember verknüpfen. Einige Zeit vor den neuen Jahresvorhaben und Veränderungsbestrebungen für 2012.
Ein Taschenspiegel für die Dame
Die Geschenkevielfalt reiht sich ganz unverkrampft in die Reiseidee und Produktionsvielfalt der weltweiten, ob sozialistisch oder liberal-kapitalistisch geleiteten Firmen, ein. So kann man, auch nach den üblichen und massenhaften Saisonbuchungen, in einem Reisebüro den Trip nach Nizza oder Toulon planen. Damit die Dame in den Minuten vor dem Frisiertisch ihren hübschen Hals und ihre Eitellkeit pflegt, gibt es für sie ein Parfum, dass sie unter ihren Ohrläppchen und am Hals verreibt und damit auch danach ihre Eitelkeit nicht zu etwas Gräßlichem verkommt, das Geschenk eines Taschenspiegels. Er ist aus Holz angefertigt. Auf dem Deckel prangt ein gefallener Engel oder hält er eine Geisha parat.
Der Taschenspiegel hat neben dem Überdauern des endenden 19. Jahrhunderts, als Kulturgut einer mündigeren, wohlfühligen Frau ebenso die erbitterten Witwenschaften der Weltkriege, die Firmenpleiten seiner Hersteller, den östlichen Sozialismus, die Industrialisierungskurven und Rezessionen überstanden, demnach die abhärtenden Chroniken des 20. Jahrhunderts. Den Taschenspiegel für Damen kann der Ehemann bereits ab 5,50 Euro kaufen.
Ein Trolley für Hemden, Anorak und bequemere Reisen
In der Folgezeit kann sich das Ehepaar dann mit der Bahn oder dem Flieger nach Südfrankreich begeben. Damit der Ehemann ebenso zufrieden ist, kann er auf einen Trolley mit Hartschale setzen, der stilvoll für sein Gepäck konzipiert ist und bei einer Unpünktlichkeit keine Überforderung darstellt. Er ist handlicher als der Rimowa-Koffer aus Aluminium. Selbst wenn er über zwei nagelneue Reisekoffer stolperte, sollte er einen Trolley vorziehen. Zwischen Trennwand und Packgurten bewahrt er darin dann Hemden und Anorak, Schal und Schuhe. Dieser Reisebegleiter wirkt vor dem Bahnhofsgebäude, unter dem Dach einer regennassen Ergebenheit, ebenso unscheinbar und elegant wie an der Hotelbar in Toulon oder Marseille. Ab 79 Euro gibt es braune, krokodilfarbene, schwarze Trolleys.
Geschenke für die Rasur des Mannes und nostalgische Telefone
Mehr für den Herren: Als spätes Geschenk bietet sich ein Aftershave in einer 250 Milliliter Flasche an. Nach dem Blick in sein etwas umschmeicheltes und rasiertes Gesicht, vor dem ebenso schenkbaren beleuchteten Rasierspiegel mit Radio und Digitaluhr. Zugleich sorgt er für einen ordentlicheren, saubereren Eindruck bei seinen Zeitgesellen. Ihm wird es angenehm sein. Und die Biederkeit wird man jemand anderem zuschreiben.
Darüber hinaus bietet sich eines der Telefone im Vintage Stil der 50er an, die in den schwarz-weiß Filmen jener Dekade schellten. Ein filmreifer Apparat, der die eigene Wohnung, in unverbrauchtem Empfang, mit den modernen Telefonverteilungsnetzen verbindet. Trotz der merkwürdigen, schicken Zahlenkästchen muss sich weder der Käufer noch der Beschenkte Gedanken um die Belastbarkeit machen. Denn dieser Telefontyp erscheint nicht primitiv, nur nostalgisch, in der fortgeschritteneren Republik.
Plattenspieler und Liköre
Als Freund oder Verwandter kann man für ein Paar ebenso einen LP to iPod Plattenspieler im Elektronikgeschäft einpacken lassen und fündig werden in der belagerten Einkaufspassage der Stadt. Welche teils als Theaterbühne der zufälligen Entscheidungen und üblen oder erfolgreichen Einkäufe vor Ladenschluß herhält.
Derzeit transportieren die Zulieferer der Post mehrere Hundert Pakete am Tag. Bei der geöffneten Tür und Zustellung wird sich mancher Hausherr und Familienpatriarch auch über das Geschenk einer Whiskeykaraffe mit persönlicher Gravur freuen. Ab 39, 90 Euro gibt es sie bereits in verschiedensten Kaufhäusern und Onlineshops. Daneben bietet sich auch ein französischer Likör an, in einer dickbäuchigen, prachtvollen Flasche, den man nach dem Essen öffnen und seinen Gästen anbieten kann.
Fröhliche Botschaften aus den Fernsehapparaten und kurzweilige, fröhliche Gesichter
Die Feiertage und das ausklingende Jahr ermöglichen demnach etwas einer anerzogenen, einer redlichen, auch spontanen Achtsamkeit.
Im späten Jahr, daß für manchen all zu spät wirkt für hartes Eigendünken. Zu spät für Tische mit leeren Stühlen und kalter, grausamer Eintönigkeit eines teilnahmslosen Bürgerseins. Kalenderstriche, die das Klammern und Aushöhlende eines gesellschaftsfähigen Egoismus etwas verderben und Fernsehapparate mit besinnlicheren, wirtschaftsabweisenderen Geschichten aus der Feder Charles Dickens oder klassische Ben Hur Verfilmungen parat halten. Entlang der Wirtschaftsstatistiken ehrliche, fröhliche Gesichter und Gemüter hervorrufen.
Ob aus dem Besitz eines lange gereiften Whiskey, den man von einem ehemaligen und ehemals beleidigten Mitbewohner per Post erhalten hat. Oder eines Buches über das Zeitalter der mittelalterlichen Alchemistenkünste, in pappefarbenes Papier eingewickelt, welches man übergibt, auch danach wird nicht der Verdacht entstehen, es brüte eine biedere-kleinbürgerliche oder religiös-biedere Triebfeder dahinter. Denn das ist der Kalenderabschnitt der Feiertage, vor dem Silversterkrachen und Neujahrsprost, bei dem man ohne große Verwunderung schenken kann.
