SPD-Ortsverein feiert 50 Jahre

Was die Basis über die Querelen und Nöte der Partei denkt

Vor 50 Jahren wurde in Wenden im CDU-dominierten Sauerland ein SPD-Ortsverein gegründet. Der feierte; die Genossen dachten aber auch über die Probleme der Partei nach.

Im Jahre 1958 lieferte Opel den ersten Kapitän aus, die Sowjets stellten ihr Berlin-Ultimatum, Schalke gewann seinen bis heute letzen Meistertitel und in Wenden im CDU-dominierten Kreis Olpe wurde ein SPD-Ortsverein gegründet. Der feierte sein 50jähriges, und zwar mit Dudelsackmusik. Die sind zwar weder typisch für das südliche Sauerland noch ein ausgewiesenes Kennzeichen der Sozialdemokratie. Doch die beiden Musiker, die marschierend das Dorfgemeinschaftshaus betreten, sind Mitglieder im Ortsverein - und das zählt, ebenso wie ein gesunder Lokalpatriotismus, erklärt der selbstbewußte Ortsvorsitzende Jochen Sauermann: "Kommunalpolitiker aller Parteien arbeiten ehrenamtlich in Wenden und wir müssen den Mist ausbauten, den Politiker gleich welcher Partei in Brüssel, Düsseldorf oder Berlin verbocken." Die Gäste klatschen, und zwar lautstark.

Selbstbewußte Kommunalpolitiker

Jochen Sauermann kann sich die Obrigkeitsschelte leisten. Denn in den vergangenen Jahren hat der SPD-Ortsverein Wenden kräftig Mitglieder gewonnen. "Im Jahr 2005 hatten wir 216 Mitglieder, aktuell sind es 371. Wir haben gerade noch jemanden aufgenommen." Dass die SPD mit ihren bundesweiten Umfragewerten Tiefstwerte erreicht, hat für Sauermann nur einen Grund - fehlende Basisnähe. "Die sollen mal in die Wahlkreise reingehen, dann kommen sie auch wieder näher zur Bevölkerung. Dann stimmt es auch wieder mit den Prozenten."

Und dem stimmen bei der Jubiläumsfeier im Dorfgemeinschaftshaus viele Genossen zu: "Politik muß glaubwürdig sein, die SPD hier in Wenden ist glaubwürdig, anders als in der Landes- und Bundespolitik", sagt einer der Genossen. "Ich kreide den Bundespolitikern an, dass die oben in einer Sphäre leben, und man sich fragt, haben die noch Kontakt zu uns?", ergänzt seine Frau. Dazu gehört für die Genossin auch ihr Rezept für die verzwickte Situation in Hessen: " Die Politiker sind gewählt, das Ergebnis ist so, und die sollen lernen, damit umzugehen und Eitelkeiten hinten anstellen, und nicht, das der eine sagt, ich will nicht mit der einen Partei und der andere sagt, ich will nicht mit der anderen Partei. Solche Eitelkeiten gehören da einfach nicht hin."

Stimmen zum Umgang mit der Linkspartei

Doch beim Umgang mit der Partei der Linken sind die Wendener uneins - wie woanders die Sozialdemokraten auch: "Der große Fehler der SPD war, zu safgen, wir nehmen keinen auf, der in der PDS war", sinniert ein gebürtiger Thüringer. "Man soll mit denen reden, aber nicht wie in Hessen geschehen, einmal so, einmal anders, dass macht unglaubwürdig", wirft ein anderer Gast ein. "Ich würde dem Kurt Beck raten: Wir können die Linke nicht mehr links liegen lassen, wir müssen uns öffnen, genauso wie die CDU sich geöffnet hat gegenüber den Grünen", rät einer der SPD- Kommunalpolitiker. Ganz anders dagegen die Meinung seines Parteigenossen: "Die Frau Metzger hat einen Charakter. Andere lassen sich vom Fraktionszwang leiten, aber die hält stur ihre Politik durch, das finde ich gut."

Schießbefehl nicht vergessen

Ein der Genossen echauffiert sich mit überschlagender Stimme: "Die haben doch schon vergessen, dass da hinten ein Schießbefehl ergangen ist. Und jetzt sollen die wieder in die Kommunalpolitik, in die Bundespolitk? Da bin ich strikt gegen." Mit zaghafter Stimme sagt eine Frau ihre Meinung: "Ich bin auch im Osten aufgewachsen, aber ich bin schon dafür, dass man miteinander redet." Ihr Freundin versteht die Welt nicht mehr und findet, dass ihre Partei ungerecht behandelt wird: "Jetzt hauen alle auf die SPD. Wenn das umgekehrt wäre in Hessen, die CDU würde das auch machen, was war denn damals in Hamburg?", verteidigt die Genossin die hessische Spitzenkandidatin, die mit der Linkspartei zusammen arbeiten will. "Ich hätte das auch gemacht, was will sie denn sonst tun. Na gut, sie hat Wortbruch begangen, aber das hätte die CDU auch, unter Garantie."

Parteien in der Kommunalpolitik weniger wichtig

In Wenden dagegen wäre so ein Verhalten kaum vorstellbar - Parteien seien dort nicht so wichtig, heißt es: "Man muß sich von Bund und Land trennen, man muß die kommunalpolitik nach vorne tun", sagt ein langjähriges Gemeinderatsmitglied. "Für mich ist der Bürger maßgebend. Die partei steht an zweiter Stelle." Einige Gäste der SPD-Feier können sich sogar vorstellen, in der Kommunalpolitik ganz ohne Parteien auszukommen. "Ja, da stehe ich zu, auch wenn meine Parteioberen das nicht mögen werden, wenn sie das hören", sagt einer und grinst seinem Nachbarn zu. Der nicht zustimmend. "Da stehe ich auch zu." Unterdessen marschieren wieder die Dudelsackspieler - schottische Hochlandklänge im hügeligen Sauerland.

Klaus Martin Höfer, Robert Frie

Klaus Martin Höfer - Freier Rundfunk-, Print- und Online-Journalist. Ich beschäftige mich mit Hochschul-, Bildungs-, Wissenschafts- und ...

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