Speerwerfen – Nerius krönt ihre Karriere

Die Leichtathletin hat ihre Laufbahn mit dem ersten WM-Gold beendet

Oftmals blieben der deutschen Speerwerferin Steffi Nerius bei großen Wettbewerben nur Silber und Bronze. Zum Abschluss ihrer Karriere holte sie Gold bei der WM 2009.

Es sollte ihr letzter großer Wettkampf werden. Große Erwartungen hatte Steffi Nerius vor dem Weltmeisterschafts-Finale 2009 jedoch nicht. Die 37-Jährige war in den letzten Monaten in die zweite Reihe der Speerwerferinnen gerückt und innerhalb Deutschlands selbst hinter Christina Obergföll zurückgefallen. Es sollte "nur" ein schöner Abschluss ihrer Karriere werden. Doch am Ende wurde es der größte Erfolg ihrer über 20-jährigen Laufbahn als Sportlerin. Gleich im ersten Versuch gelang ihr ein Wurf über 67,30 Meter. Eine Weite, die bis zum Ende Bestand haben sollte und von ihren Konkurrenten nicht mehr übertroffen wurde. WM-Gold zum Abschluss. Es war ihr größter Erfolg.

Die Erfolge von Steffi Nerius

Medaillen hatte sie schon viele gewonnen. Sogar eine goldene. 2006 bei den Europameisterschaften in Göteborg. Ansonsten blieb ihr oft ein anderer Platz auf dem Treppchen. Bei der EM 2002 in München holte sie Silber. Dasselbe Edelmetall errang sie 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen. Bronze gab es bei den Weltmeisterschaften 2003 in Paris, 2005 in Helsinki und 2007 in Osaka. Ihren internationalen Durchbruch erlangte sie schon bei den Olympischen Spielen 2000. In Sydney verpasste sie das Podium als Vierte nur knapp, gehörte aber seitdem zur absoluten Weltspitze.

Auch national war sie das Aushängeschild der deutschen Speerwerferinnen. 2001 und 2009 sowie von 2003 bis 2006 wurde sie Deutsche Meisterin. 1995 und 2003 wurde die Bronzegewinnerin der Junioren-EM 1991 zudem Europacup-Siegerin. Nur in den letzten Jahren nahmen die Erfolge allmählich ab. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking gelang ihr immerhin der fünfte Rang. Ihre deutsche Konkurrentin Obergföll holte damals Bronze und war auch für die WM 2009 in Berlin als Jahresbeste favorisiert. Doch Nerius wuchs ein letztes Mal über sich hinaus und krönte ihre glanzvolle Karriere mit der Medaille, die ihr in der Sammlung noch fehlte. Gold bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin.

Der Wechsel von Ost nach West

Ihr sportlicher Karriereweg stand schon früh an einem Scheideweg. Geboren in Bergen auf Rügen (am 1. Juli 1972) genoss sie in jungen Jahren die Sportförderung in der ehemaligen DDR. Nach einem Ausflug in den Volleyball wechselte sie schon früh in die Leichtathletik. Ihre Mutter, eine ehemalige Speerwerferin, brachte ihr den neuen Sport nahe, in dem sie schnell erste Erfolge sammelte. Mit 15 Jahren wechselte sie vom BSG Empor Saßnitz zum SC Empor Rostock, wo sie noch gezielter gefördert wurde und als Dritte der Junioren-Europameisterschaft nachhaltig auf sich aufmerksam machte.

Nachdem die Sportförderung in Rostock zunehmend abnahm und die Bedingungen den höheren Ansprüchen nicht mehr gerecht wurden, rief Nerius persönlich in Leverkusen an und bat um Aufnahme beim TSV Bayer 04. Der Sportverein aus Nordrhein-Westfalen nahm das Talent unter seine Fittiche, musste aber erstmal schlechte Jahre überstehen. Verletzungen warfen die Speerwerferin immer wieder zurück. Erst zur Jahrtausendwende meldete sie sich mit ihrem vierten Platz bei Olympia zurück.

Das Stirnband als Markenzeichen

Von da an ging es stetig aufwärts. In diesen Jahren wurde ihr Stirnband zum unverkennbaren Markenzeichen von Steffi Nerius. Für jeden Wettkampf dachte sie sich einen neuen Spruch aus, der auf dem schmalen Tuch Platz fand und ihre Erwartungen unterstrich. Bei der WM 2009 gingen diese klar in Richtung Publikum. "Berlin macht Rabatz" stand dort geschrieben. Die Unterstützung von den Rängen war ihr sicher und beflügelte den Speer auf Siegweite. Erst vor dem letzten Wurf, als ihr WM-Sieg perfekt war und sich die Karriere dem Ende neigte, drehte sie das Stirnband ein letztes Mal um: "Danke für eure Treue".

Andre Gierke, Andre Gierke

Andre Gierke - Ich arbeite seit einiger Zeit nebenberuflich als Freier Journalist für diverse Sport-Publikationen und betreibe im Internet meine ...

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