Spektrum: Science Fiction von Sergej Lukianenko

Cover von Spektrum - Heyne
Cover von Spektrum - Heyne
Ob Fantasy oder Science Fiction, Sergej Lukianenko hat, wie gewohnt, einen hervorragenden Roman verfasst. Spektrum ist fesselnd, unerwartet, kreativ.

Lukianenko entführt den Leser diesmal in mehr als nur eine Welt und fesselt mit Geschichten in der Geschichte und den detailliert gezeichneten Kulturen der verschiedenen Welten. Eine ungewöhnliche, spannende und geradezu mysteriöse Komponente bieten die Schließer, die Torwächter.

Moskau, Martin und Geschichten

Der Hauptcharakter Martin ist, wie in vielen Lukianenko-Romanen, Russe und wohnt in Moskau. Ebenso wie bei der Wächter-Reihe und anderen, gewährt der Autor dem Leser nicht nur Einblick in extraterrestrische Kulturen, sondern auch in die russische Lebensweise. Was an der Seite Martins besonders interessant ist, dass er, als Liebhaber der guten Küche, ausgiebig von bestimmten Gerichten schwärmt und sie wortreich beschreibt. Schauplatz des Romans ist dagegen nicht nur Moskau, sondern auch zahlreiche und ungewöhnliche Planeten, die Martin durch Tore betreten kann. Diese Tore mitsamt ihren Wächtern sorgen wohl für die schönste Konsequenz in dem Roman, denn die Wächter verlangen als Bezahlung Geschichten. So erzählt unser Held Martin, also unzählige, nachdenkliche, oft geradezu philosophisch anmutende Geschichten, um zwischen den Welten wandern zu können.

Die Suche nach Irina

Der vermeintlich einfache Auftrag Martins, die verschwundene Tochter eines Klienten in seiner Aufgabe als Privatdetektiv von einer der anderen Welten zurückzubringen, entwickelt sich zunehmend zu einer wilden Jagd durch die Weltentore. Irina schien auf der Suche nach Antworten auf die Fragen: Warum die Tore? Warum die Schließer als Wächter? Warum Geschichten als Tribut? Martin, anfangs nur bemüht die verlorene Tochter nach Hause zu bringen, sieht sich nach und nach in diese Suche nach Erklärungen verstrickt. Der Weg die Antwort zu erlangen, gestaltet dann jedoch auf ganz unerwartete, Leser-verblüffende Art und Weise.

Spektrum und seine Welten

Neben der Erde, die unter dem Einfluss der Schließer zu einem recht friedlichen Planeten wurde, gibt es die schillerndsten Welten. In chronologischer Reihenfolge sei hier nur kurz Schlund erwähnt, ein Planet des Regens. Wichtiger ist dann jedoch die nächste Station: Bibliothek, ein rätselhafter Planet ohne Bewohner mit mysteriösen Steinblöcken. Prärie 2 ist ein von Menschen besiedelter Planet, der in Vielem dem Lebensstil im Wilden Westen gleicht und ebenfalls mit alten Steinen aufwarten kann. Arank, der folgende Planet, ist von menschenähnlichen Wesen bewohnt. Rein äußerlich gleichen sie dem Menschen, doch ihre Kultur ist den Menschen technisch weit überlegen und sie haben psychologisch einen signifikanten Unterschied: sie fragen nicht nach dem Sinn des Lebens. Die Wesen des Planeten Marge, die Dio-Daos, dagegen unterscheiden sich sehr stark von den Menschen, da sie Hermaphroditen sind, ihr Wissen genetisch weitergeben und nur wenige Monate leben. Bessar schließlich wird von intelligenten Einzellern bewohnt und alle Errungenschaften dieser Zivilisation basieren auf organischem Material. Schließlich Scheali, ein Planet der von vogelartigen Wesen bevölkert wird und deren Intelligenz unerwartete Aspekte beinhaltet. Zu guter Letzt noch Talisman, erneut ein unbevölkerter Planet, der geheimnisvolle Tresore birgt, von wallendem Nebel umgeben ist und letztlich auch die Lösung der Suche bietet.

Spektrum. Sergej Lukianenko. 2009. Heyne. Seiten 701. 10,- €

Hannah Baumbach, Hannah Baumbach

Hannah Baumbach - 1987 in Nürnberg geboren hat sie als älteste von drei Kindern 2006 ihre Gymnasialkarriere erfolgreich abgeschlossen und ...

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