Spendensiegel

Teuer und undurchsichtig?

DZI-Siegel - DZI
DZI-Siegel - DZI
Seit dem Unicef-Spendenskandal sind viele Bürger verunsichert - nun sorgen Kritikpunkte an der Vergabepraxis des DZI für zusätzlichen Zündstoff.

Durch den jüngsten Spendenskandal bei Unicef Deutschland ist nun auch die Vergabepraxis von Siegeln durch das Deutsche Zentralinsitut für Soziale Fragen (DZI) in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Das DZI existiert seit 1893 als Stiftung, Träger sind die Stadt Berlin, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag, der Deutsche Städtetag sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Bedeutung des Spendensiegels

Das Siegel kann laut DZI "von gemeinnützigen Organisationen, die sich durch überregionale Spendensammlungen finanzieren, und für regelmäßig abgegrenzte Sammlungen beantragt werden."

Kriterien für die Vergabe des Siegels sind unter anderem nachprüfbare, sparsame und satzungsgemäße Verwendung der Mittel, wahre, eindeutige sachliche Werbung in Wort und Schrift sowie die grundsätzliche Vermeidung der Zahlung von Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen bei der Vermittlung von Spenden.

Das Siegel hat keine rechtliche Bindung, gilt jedoch allgemein als qualitative Orientierungshilfe für Menschen, die gemeinnützige Organisationen mit Geld unterstützen wollen. Dementsprechend begehrt ist es als Prädikat, derzeit tragen 231 gemeinnützige Organisationen das Siegel. Unicef hatte es ununterbrochen seit 1995. Das Siegel kann, wie in diesem Fall geschehen, nicht nur aberkannt, es muss auch jedes Jahr neu beantragt werden.

Gründe für die Aberkennung des Siegels für Unicef

Nachdem sich das DZI bei Bekanntwerden der ersten Verschwendungsvorwürfe noch vor Unicef gestellt hatte, entzog es ihm am 19. Februar 2008 das Spendensiegel. Ausschlaggebend gewesen seien vor allem drei Provisionszahlungen an professionelle Spendenwerber zwischen 2004 und 2007. Bei den jährlichen Prüfungen seit 2005 sei dies jedoch gegenüber dem DZI verschwiegen worden. Das DZI fordert von Unicef, seine Management-, Leistungs- und Aufsichtsstrukturen durchgreifen zu verbessern. Neu beantragt werden kann das Siegel nach Ablauf eines vollständigen Geschäftsjahres, also im Frühjahr 2010.

Kritik an Vergabepraxis des DZI

Seitens der Politik wurden nun Vorwürfe gegen das DZI laut, in den letzten Jahren nicht akribisch genug das Finanzgebaren von Unicef überprüft zu haben. Der Bund als einer seiner Träger habe die Pflicht, die Arbeit des DZI in Zukunft zu optimieren. Christian Ruck, entwicklungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag sagte hierzu: "Man muss nachfragen, ob die zehn Mitarbeiter im DZI, die jedes Jahr etwa 240 Anträge zum Spendensiegel bearbeiten, auch wirkllch alles im Griff haben können."

Ebenfalls kritisch beäugt werden die hohen Kosten, die Hilfsorganisationen für den Erhalt des DZI-Siegels zahlen müssen. Der Höchstsatz für das Siegel liegt jährlich bei 10.000 Euro plus Mehrwertsteuer, was es gerade kleinen und mittleren Organisationen unmöglich macht, einen Antrag zu stellen.

Dritter Kritikpunkt ist die unterschiedslose Vergabe des Spendensiegels, was das Haushaltsgebaren der Antragsteller betrifft. So gibt es "intern" drei Stufen: Diese reichen von "sparsam" (bis 10 Prozent Verwaltungs- und Werbekostenanteil), über "angemessen" (bis 20 Prozent) bis hin zu "satzungsgemäß" (30 Prozent). Das heißt dann zum Beispiel, dass eine Organisation bis zu 30 Cent pro eingenommenem Euro für Werbung und Verwaltung ausgeben kann, ohne dass der Öffentlichkeit diese Stufen bekannt sind.

Auswirkungen auf andere Organisationen

Die Vorgänge bei Unicef und die Diskussion um das Spendensiegel tragen zur Verunsicherung spendenbereiter Bürger bei. Andere Organisationen befürchten, in "Sippenhaft" genommen zu werden.

Michael Heuer, Sprecher von terre des hommes befürchtet eine generelle Schädigung der Spendenbereitschaft, sollte die Negativberichte über Unicef andauern. "Wenn Hilfsorganisationen ins Gerede kommen, dann ist das immer schlecht, dann trifft das auch die, die ein Spendensiegel haben."

Julia Strelow, Stephan Wallocha

Julia Strelow - Autorin der Bücher: "Ratgeber Nachhilfe - Informationen, Adressen, Berichte" sowie "Jetzt sind wir dran?! - Frauen in der ...

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