
- Multitalent Kondom oder was? - Rainer Sturm / Pixelio.de
Es soll Zeitgenossen geben, die, nur um die niedliche Apothekerin zu beeindrucken, einen ganzen Haufen Kondompackungen in Übergröße in ihrem Handschuhfach ansammeln. Und da in so einem Sportwagen nur begrenzter Stauraum im Handschuhfach vorhanden ist – was natürlich für jegliche handelsüblichen Automodelle gilt – und es dort zudem zeitweise heiß hergehen kann, was sich wiederum ungünstig auf das Haltbarkeitsdatum der Hightech-Mützchen auswirkt, kann es nicht ganz verkehrt sein, wenn man mit all der präservativen Lagerhaltung auch einmal etwas Zweckentfremdendes und doch Nützliches anfangen kann. Denn beim Kondom handelt es sich genau betrachtet um ein Wunderwerk der Technik, dass vielerlei spezielle und abwegige Funktionen zur vollen Befriedigung zu erfüllen im Stande ist.
Kondome als Feldflasche mit Whiskey-Aroma oder Spritzschutzhülle in der Wildnis
Alte Trapperweisheit: Was die Tiere im Inneren am Auslaufen hinderte, ist auch für die mobile Versorgung mit Trinkbarem geeignet. So entstanden bereits in der Antike Trinkschläuche aus tierischen Innereien. Dabei muss man gar nicht weiter auf andere organische Anwendungen solch natürlich gewachsener Membranen eingehen, um an der getesteten Dichtigkeit von Kondomen ihren Nutzen zum Transport von lebensspendenden Flüssigkeiten zu erkennen. Moderne ›Nahkampfsocken‹ stellen somit die am kleinsten verpackte Feldflasche der Welt dar. Hat ein Durchschnittskondom den serienmäßigen Dehnungstest bestanden, fasst es unbeschadet ein Volumen bis zu 18 Litern – die XXL-Größe kann dann schon mal für den zusätzlichen Schluck in der sonst wasserlosen Wüste wappnen.
Landläufige Gourmets bevorzugen dahingehend übrigens Kondome mit Geschmack, die allzu strenges Latex-Aroma überdecken. Wem die gängigen Geschmacksrichtungen zu fruchtig sind, der kann beispielsweise auf McCondom-Gummis mit Whiskey-Aroma zurückgreifen (auch Kautabak-parfümierte Gummis soll es geben – damit aber höchste Vorsicht bei der regulären Verwendung!). Am sichersten lässt sich ein solcher ›Seesack‹ mit einem weiteren Kondom verknoten und vor dem verfrühten Auslaufen schützen, denn die dünne Membran ist und bleibt recht empfindlich. Andererseits kann ein Präservativ beim züchtig bekleideten Outdoor-Erlebnis als Schutzhülle für Handy, Medizin, Streichhölzer oder andere sicher und trocken mitzuführende Utensilien dienen, wenn beispielsweise ein reißender Fluss per selbsgebautem Floß oder doch gleich schwimmend gequert werden soll.
Hätte McGyver das gewusst: Kondome als nützliche Allzweckwaffe im Überlebenskampf
Im Dschungel verlaufen und zufällig nur eine Packung Kondome dabei? Kein Problem, denn neben einer Feldflasche lassen sich die flexiblen Überzieher als Allzweckwaffe auch zu vielen anderen nützlichen Überlebenswerkzeugen zweckentfremden. Zusammen mit einer handlichen, stabilen Astgabel lässt sich beispielsweise eine funktionsfähige Steinschleuder für die Vogeljagd basteln. Und da gegartes Geflügel einfach besser schmeckt, lässt sich die transluzente ›Bananenpelle‹ auch als Brennlinse zum Feuermachen per Sonnenenergie verwenden. Auch der nahrungsergänzende Snack des Survivalkundigen in Form von Beeren, Kräutern, Pilzen oder Insektenlarven kann im Frischhaltebeutel Kondom bestens gesammelt und transportiert werden – wobei auf getrennte Lagerung von Flora und Fauna geachtet werden sollte, damit nicht nur Fauna übrigbleibt. Wer sich mutwillig einen Wasserfall hinunter stürzen will oder gar muss, sollte sich aus seiner Hose und zwei aufgeblasenen ›Parisern‹ in den Hosenbeinen eine Rettungsweste fertigen, die gleichzeitig geeignet ist, den Nacken beim Aufprall zu schützen. Weiterhin eignen sich Kondome auch zur vorläufigen Erstversorgung und sauberen Abdeckung kleiner Wunden sowie zum Abbinden von Gliedmaßen im Falle einer Verletzung oder eines giftigen Schlangenbisses. Wie man aus einem Kondom und einem Stück Seife eine Bombe baut, weiß allerdings nur McGyver allein.
Zur Abwechslung mal lebensrettende Funktionen der Gummis – und was Präservative sonst noch mit sich machen lassen
Ebenso im ewigen Eis kann ein Kondom durchaus lebensrettende Funktionen übernehmen. Denn aufgeblasen, in Wasser getaucht und zu Eis ohne Stil erstarrt kann man mit den so erhaltenen Positionsballons Landmarken markieren und auch im Schneesturm den Weg zum Basislager wiederfinden. Dazu eignen sich übrigens besonders gut jene fluoriszierenden Leuchtkondome – deren eigentlicher Zweck, Licht ins Dunkel zu bringen, nicht immer so ganz einleuchtend ist. Doch auch hierzulande können Autofahrer von der Flexibiliät der abgerollten Gummis profitieren. Zwar muss wohl das Gerücht, dass sich Kondome im Straßenverkehr als männliche Version der Strumpfhose an Stelle eines Keilriemens einsetzen lassen, bei modernen, leistungsstarken Kraftfahrzeugen als Bauernweisheit abgetan werden. Für lange Autofahrten ohne Pinkelstopp eignet sich ein Kondom als automobiles Urinal aber schon, wobei dann ausnahmsweise mal die Gebrauchsanweisung beachtet werden sollte. Und einmal am Zielort angekommen, darf man letztlich nicht vergessen, dass sich ein frisches Kondom auch ganz gut zur Verhütung und zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten beim Geschlechtsverkehr eignet.
Wäre der Papst als bekennender Gummifeind also mal öfters lebensnah in der Wildnis unterwegs – zum Beispiel um wirklich alle seine Schäfchen auch an mutmaßlich weniger zivilisierten Orten der Welt zu besuchen – würde er vielleicht anders über diese vielseitig nützliche Errungenschaft und Begleitung der Menschheit namens Kondom denken. Und er hätte einen Grund, sich ein Portemonnaie anzuschaffen.
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