
- Kulturell dabei: Sinsheim - Stadtverwaltung Sinsheim
Frauen und Fußball − was früher ein Widerspruch war, ist heute längst selbstverständlich und genauso selbstverständlich stellen die Bereiche Fußball und Kultur schon lange keinen Widerspruch mehr dar. Wenn am 26. Juni 2011 die Fußball-WM der Frauen beginnt, finden deshalb im Austragungsland Deutschland auch zahlreiche kulturelle Begleitveranstaltungen statt. Die Deutschen und ihre ausländischen Gäste können nicht nur Birgit Prinz, Abby Wambach und der viermaligen Weltfußballerin Marta beim Spiel mit dem Ball zusehen, sie können auch Kunst und Kultur genießen. „Spielraum 2011“ nennt sich das Veranstaltungsprogramm, das von der Kulturstiftung des Deutschen Fußballbundes unterstützt wird. Einige der mehr als 100 Veranstaltungen laufen bereits, um eine entsprechende Vorbereitung auf das Sportereignis zu gewähren, andere finden während der WM-Wochen und auch noch danach statt.
Spiel, Spaß und Engagement
„Spielraum 2011“ versucht viele Ziele zu vereinen, denn dass ein Kunst- und Kulturprogramm zur WM der Frauen Spaß und Freude bereiten soll, ist ebenso klar, wie die Tatsache, dass gesellschaftliche Probleme nicht ausgeblendet werden dürfen. Dass Menschen aus unterschiedlichen Generationen ebenso angesprochen werden wollen wie Menschen aus unterschiedlichen Schichten, versteht sich genauso. Natürlich muss es Ereignisse, die zum Zuschauen und solche, die zum Mitmachen einladen geben, und ganz wichtig ist der interkulturelle Aspekt. Schließlich spielen ja auch während der WM Frauen aus Deutschland, Kanada, Nigeria, Frankreich, Japan, Neuseeland, Mexiko, England, USA, Nordkorea, Kolumbien, Schweden, Brasilien, Australien, Norwegen und Äquatorial-Guinea gegeneinander. Bilden soll ein Kunst- und Kulturprogramm natürlich ebenfalls, und so werden die Gäste und die Bürger hierzulande natürlich auch etwas die Herkunftsländer der Teilnehmerinnen erfahren.
Frauenfußball in Kreuzberg und „ErdBall2011“ in Bochum
Einige der Veranstaltungen haben auch in den vergangenen Jahren schon stattgefunden und werden nun dieses Jahr unter das Motto Frauenfußfall gestellt, so etwa der Jugendfotopreis. Bereits im vergangenen Jahr Premiere hatte auch das internationale Fußballkulturfest „Discover Football“. Eingeladen wurden Frauenfußball-Mannschaften, die sich durch gesellschaftliches Engagement in ihren Ländern qualifiziert haben. Zu den Teilnehmern, die ab 27. Juni in Berlin-Kreuzberg aufeinandertreffen, gehören unter anderem Mannschaften aus Indien, Afghanistan und Ruanda. Berlin ist einer der neun Austragungsorte und bietet vieles rund um das Turnier, zum Beispiel auch Ausstellungen. Dem Frauenfußball in Ägypten, Palästina, der Türkei und Deutschland widmet sich eine Präsentation im Kreuzberg-Museum, „Frauenfußball – Homosexualität – Homophobie“ lautet das Thema im Schwulenmuseum.
Auch an den anderen acht Spielorten ist viel los. Das Thema „Frauen, Fußball und Frieden“ stellt die Stadt Augsburg in den Mittelpunkt ihrer WM-Veranstaltungen, die von Literatur über klassische und Popmusik bis zum Gebetskreis Fußball so ziemlich alles bieten. Bochum sorgt unter anderem mit „ErdBall 2011“, einem besonderen Lichtkunstprojekt der Sternwarte, für Aufmerksamkeit. An den Dresdener Fußballfestivitäten beteiligt sich auch der Evangelische Kirchentag, der bereits vom 2. bis 4. Juni stattfindet, mit einem Turnier im Sportpark Ostra, bei dem es vor allem darum geht, Interreligiosität zu erleben. Wenn der Kirchentag vorbei ist, bietet Dresden aber auch noch einiges zum Thema Frauen-WM. Auf dem Frankfurter Veranstaltungsplan findet man unter anderem die Kunstinstallation „Flagge zeigen“ von Maike Häusling und in Leverkusen gibt es neben einer Fußball-Skulpturenmeile auch einen Film zu sehen. Als Schauspieler wirken Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Nationalitäten, die an den Leverkusener Schulen gecastet wurden, mit, und auch an der übrigen Filmarbeit waren sie beteiligt. In Mönchengladbach haben Bürger aller Altersgruppen gemeinsam ein intergeneratives Fußballtheaterstück erarbeitet, außerdem wird dort zur WM ein besonderes Fassadendenkmal enthüllt. Verraten wird nur soviel: Die Fassade steht gegenüber von Günther Netzers Geburtshaus.
In Sinsheim wird’s farbenfroh
Dass Wolfsburg nicht nur Fußball und VW zu bieten hat, dürfte vielleicht manchem bisher entgangen sein, ist aber so. In der Autostadt kann man auch Kunst und Kultur machen, zum Beispiel im Schloss Wolfsburg wo der Kunstverein der Stadt die Arbeit je einer Künstlerin aus den sechs während der Vorrunde in der Volkswagen Arena antretenden Ländern vorstellt. Auch das mit 35.000 Einwohnern relativ kleine Sinsheim lässt sich nicht lumpen, und es wird wohl farbenfroh werden, denn Kindergärten gestalten die Schaufenster der Geschäfte. Schüler und Schülerinnen haben außerdem aus Spanplatten Fußballspielerinnen gesägt und nach Gusto bemalt, dazu werden noch Frauen-Fußball-Skulpturen der Bildhauerin Christel Lechner zu sehen sein.
Überregionale Veranstaltungen
Manche Veranstaltungen touren auch durch alle Austragungsstädte, neben dem Internationalen 11mm-Fußballfilmfestival, das bereits am 25. März in Berlin eröffnet wurde, auch die Augsburger Puppenkiste mit ihrem Stück „Steffi – ein Sommermärchen“. Die von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Kulturstiftung des DFB veranstaltete Reihe „Gegnerinnen-Aufklärung“ lädt sogar in zwölf Städten zu Veranstaltungen mit Gästen aus den Teilnehmerländern ein. Yomi Kuku, die ein Straßenfußballprojekt für Mädchen in Lagos leitet, wird dabei sein, ebenso Diana Sousa aus Sao Bento. Die Brasilianerin kickt nicht nur mit den Mädchen, sie kümmert sich auch um Ausbildungsplätze für sie. Die Abende bieten Filme, Diskussionen, Fan-Songs und zu gewinnen gibt es auch etwas, nämlich Fan-Objekte.
Apropos Songs: Auch das Musikzentrum Hannover beteiligt sich am Veranstaltungsreigen. Gesucht wurden Mädchenfußball-Mannschaften aus den neuen WM-Städten, die nicht nur über fußballerisches, sondern auch musikalisches Talent verfügen. Mit einem eigenen Team-Lied samt Video repräsentiert je eine Mädchenmannschaft während der WM ihre Stadt – und die Gelegenheit eine CD aufzunehmen gibt es obendrein. Einen Überblick über sämtliche Veranstaltungen bietet eine vom DFB zusammengestellte Broschüre (PDF).
