
- Lust, Caution Filmposter, Tony Leung, Tang Wei - EDKO Film
Die Thematik der japanischen Besatzung Chinas wird in zahlreichen Filmen aufgegriffen, vielleicht auch ein Weg der Vergangenheitsbewältigung. Bei der Thematik lassen sich zwei Trends erkennen: zum einen gibt es Actionfilme, die einen Bösewicht brauchen, der ordentlich eins auf die Mütze bekommt, natürlich ein erbarmungsloser, grausamer Japaner, wie es in den Filmen „Yip Man“ und „Legend of the Fist: Return of Chenzhen“ der Fall ist. Die zweite Variante sind Spionage-Filme mit einem klassischen Setting im japanisch besetzten Shanghai der 40er Jahre, deren Thematik sogar schon von Hollywood aufgegriffen wurde. Im Folgenden werden drei spannende Spionagefilme vorgestellt.
„East Wind Rain“ (2010) – Pearl Harbour und die Jagd nach der Filmrolle
Der kommunistische Spion An erfährt durch einen japanischen Kontakt vom bevorstehenden Angriff auf Pearl Harbour, hat jedoch keine Möglichkeit seine Vorgesetzten oder die Amerikaner zu warnen. Sein japanischer Kontakt erzählt ihm außerdem von einer Filmrolle mit äußerst wichtigen Informationen, in deren Besitz er ist. Bevor er An jedoch sagen kann, wo sie versteckt ist, wird der Kontakt verhaftet. Sowohl An als auch der Leiter des japanischen Geheimdienstes machen sich auf die Jagd nach der Filmrolle, während die Japaner Shanghai unter ihre Kontrolle bringen und in den Krieg gegen Amerika ziehen.
Die Hauptrolle des Spions An übernimmt Liu Yunlong, ein bis dato noch relativ unbekannter Schauspieler. Fan Bingbing spielt ebenfalls eine Spionin, die als Sängerin in einem Shanghaier Nachtclub arbeitet. Fan Bingbing tauchte seit 2000 in zahlreichen bekannten Filmen auf, wie „Bodyguards and Assassins“ mit Donnie Yen und Tony Leung Ka-Fai, „Sophie’s Revenge“ mit Zhang Ziyi oder dem neuen Film „Shaolin“ mit Filmgrößen wie Jackie Chan und Andy Lau.
Definitiv ein sehr sehenswerter Film, ist die Geschichte von „East Wind Rain“ doch eine etwas komplizierte und man sollte genau aufpassen, um noch mitzukommen. Besonders positiv fällt die ästhetische Szenerie auf, die auf eine wunderschöne Weise gefilmt wurde und einen Augenschmaus bietet.
„Shanghai“ – Spionagethriller mit John Cusack, Ken Watanabe und Chou Yun-Fat
Der Film „Shanghai“ (2010) könnte sozusagen als die amerikanische Version oder Sichtweise von „East Wind Rain“ beschrieben werden. Ein amerikanischer Spion, der unter dem Decknamen Paul Soames agiert, kommt nach Shanghai, nur um zu erfahren, dass sein guter Freund Conner getötet worden ist. Als er sich daran macht, herauszufinden, wer Conner getötet hat, gerät er immer tiefer in einen Sumpf aus Verrat und Lügen. Schließlich schwebt auch er in Lebensgefahr, nicht nur weil er von den japanischen Angriffsplänen auf Pearl Harbour erfährt, sondern sich auf die falschen Leute einlässt.
Neben vielen bekannten Hollywood-Gesichtern spielt John Cusack in „Shanghai“ die Hauptrolle des Spions Soames, während Ken Watanabe, bekannt aus den Filmen „Die Geisha“ und „Der letzte Samurai“, den japanischen Befehlshaber gibt, also den Bösewicht des Films. Die chinesischen Parts im Film übernehmen Chou Yun Fat, bekannt aus „Fluch der Karibik 2“ oder „Tiger and Dragon“, und Gong Li. Diese war ebenfalls in „Die Geisha“ zu sehen und spielte außerdem 1993 im Film „Lebewohl, meine Konkubine“. Fat spielt Anthony Lan-Ting, einen einflussreichen Gangsterboss, und Gong Li seine Frau. Regisseur des Filmes ist der Schwede Mikael Håfström.
In diesem Film ist deutlich zu erkennen, dass es sich um eine westliche Perspektive handelt, denn gezeigt werden hauptsächlich die westlichen Expatriates, also die ausländischen Einwohner Shanghais, sowie die japanischen Besatzer. Ein bisschen wirkt es so, als seien die chinesischen Rollen nur in den Film geschrieben worden, damit man nicht vergisst, dass er eigentlich in China spielt, denn der Fokus liegt eindeutig auf dem Konflikt Amerika-Japan. Auch viele typische Merkmale amerikanischen Kinos wird man hier finden, starke emotionale Momente, die an der Grenze zum Kitsch liegen, und eine exotische, glamouröse Atmosphäre, während „East Wind Rain“ den politischen Aspekten der Geschichte mehr Aufmerksamkeit schenkt und eine schlichtere Atmosphäre bietet.
„Lust, Caution“ von Regisseur Ang Lee – Erotik, Machtspiele und gespaltene Loyalität
Der vielleicht sehenswerteste Film von den hier erwähnten ist „Lust, Caution“ (2007) mit Tony Leung Chiu-Wai, Sänger Wang Leehom und Tang Wei. Regie führte Ang Li, der Regisseur von „Tiger and Dragon“. Die junge taiwanesische Schauspielerin Tang Wei sowie der Film selbst wurden von der chinesischen Regierung auf eine schwarze Liste gesetzt und es wurde angeordnet, nicht mehr über sie zu berichten, da der Film zum einen zu explizite Sexszenen enthalte, zum anderen chinesische Kollaborateure, die Japaner unterstützen, in einem zu positiven Licht darstelle.
Die Geschichte von „Lust, Caution“ dreht sich um Wong Chia Chi, eine junge Frau, die in eine Gruppe von Möchtegern-Rebellen gerät. Diese planen den bekannten Kollaborateur Yee (Tony Leung) zu ermorden und verschaffen Chia Chi und einem Freund zu diesem Zweck eine neue Identität. Sie verpassen jedoch ihre Chance. Ein paar Jahre später bietet sich ihnen erneut eine Gelegenheit, an ihn hernazukommen, dazu muss Chia Chi jedoch eine Affäre mit ihm anfangen. Bald sieht sie sich in einem Gefühlskonflikt, da sie zu dem einerseits gewalttätigen, anderseits liebevollen Mann Gefühle aufbaut, während ihre Kollegen des Geheimdiesntes den Mord an ihm planen.
Dieser Film zeigt sehr deutlich den inneren Konflikt der jungen Chia Chi, die aus romantischen Gefühlen zum Anführer der Rebellengruppe (Wang Leehom) heraus, bereit ist, alles aufzugeben und ihr Leben zu riskieren. In ihr vollzieht sich im Laufe des Films ein deutlicher Wandel vom jungen, naiven Mädchen zu einer starken Frau, die jedoch von inneren Konflikten geplagt wird. Besonders gelungen ist ihre Schilderung dieses Konfliktes, ihrer Gefühle für Yee, trotzdem er sie misshandelt und ihre Treue eigentlich ihrem Vaterland gehört. Die Sexszenen in dem Film sind definitiv nichts für schwache Gemüter, dienen jedoch nicht bloß dazu, Aufsehen zu erregen, sondern erfüllen den Zweck, den Charakter von Yee deutlich zu machen.
Eins ist sicher, alle drei Filme sind sehr spannend. Zum einen fragt man sich immer wieder: Wer ist hier Spion beziehungsweise wird seine oder ihre wahre Identität herauskommen? Man bekommt darüber hinaus auch einen tollen Eindruck vom Shanghai der 40er Jahre. Für Fans von Spionage-Filmen sind diese drei Filme einfach ein Muss.
Quellen:
Informationen zu „East Wind Rain“ und „Shanghai“
„Lust, Caution“ auf der schwarzen Liste
