
- Spirituelle Verbundenheit mit Kleinem - Antrey / dreamstime.com
Selten zuvor haben sich so viele Menschen mit Spiritualität beschäftigt wie heute. Jedenfalls wird man den Eindruck nicht los, wenn man sich umhört und umsieht. Oder täuscht der Eindruck doch und der große Hunger nach Sinnsuche ist - im Gegenteil - ein Mangel an spiritueller Orientierung? Wer ist nicht davon angetan, sich mit dem Begriff "Spiritualität“ zu schmücken? Da ist die Rede von "spirituellen Werten“ in der Gesellschaft. Unternehmen sehen sich von einem "spirituellen Geist“ durchzogen und beziehen ihn in ihre Firmenphilosophie mit ein. Sogar in staatlichen Verfassungen findet das Wort "Spiritualität“ mehr und mehr Verwendung. Dabei hat Spiritualität, wie sie verstanden wird, besser gesagt verstanden werden sollte, mit dem, wie sie in den angeführten Bereichen angewandt wird, wenig zu tun. Es ist wie mit so vielem in der heutigen Zeit: Etwas, das beeindruckt und damit glauben macht, man kümmere sich um die Welt, ihre Bewohner und deren Wohlergehen, damit ist man auf jeden Fall auf dem richtigen Weg. Ein Begriff wie Spiritualität kann da nur von Vorteilt sein.
Was ist Spiritualität?
Der Begriff "Spiritualität“ geht auf das lateinische Wort spiritus zurück, was "Geist“, "Hauch“ bedeutet. Spiritualität bedeutet somit Geistigkeit, es kann aber auch Geistiges im Sinn von Religiösität meinen. Bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Begriff in Nachschlagewerken aufgeführt und mit "Geistigkeit, geistiges Wesen“ beschrieben. Aktuelle Nachschlagewerke betonen, dass Spiritualität Auswirkungen auf die Ausgestaltung der individuellen Lebensgestaltung hat. Es heißt dort: "Spiritualität ist die durch seinen Glauben begründete und durch seine konkreten Lebensbedingungen ausgeformte geistig-geistliche Orientierung und Lebenspraxis eines Menschen“. Darüber hinaus ist "spirituell“ bedauerlicherweise zu einem oft verschwommenen Modewort geworden und wird mit den Begriffen Esoterik und Lebenshilfe in Verbindung gebracht. Was nicht negativ zu sein braucht, nur hat Spiritualität damit wenig zu tun. In nahezu allen profanen Bereichen ist das Wort präsent und, wie erwähnt, bedient man sich seiner gern.
Vom psychologischen Standpunkt aus definiert sich Spiritualität als mehr oder minder bewusste Beschäftigung mit Sinn- und Wertefragen des Daseins, insbesondere der eigenen Existenz und seiner Selbstverwirklichung im Leben. Mit dem Begriff Spiritualität wird eine nach Sinn und Bedeutung suchende Lebenseinstellung bezeichnet, bei der sich der/die Suchende ihres "göttlichen“ Ursprungs bewusst ist und eine Verbundenheit mit anderen, der Natur und dem Göttlichen spürt. Die Religionspsychologie stellt das "Suchen nach dem Heiligen“ in den Vordergrund bei der Definition von Spiritualität. Die transzendentale Psychologie versteht Spiritualität als Wahrnehmung der Einheit von Wirklichkeit und das Anerkennen des Geistigen als Realität.
Wer darf sich einen spirituellen Menschen nennen?
Vornehmlich sind es solche Menschen, die ihr Glück nicht im Materiellen, nicht im Lifestyle und einer Omnipräsenz ihrer selbst suchen. Spirituelle Menschen wissen, dass Materie eine vergängliche Existenzform des unendlichen Geistes ist. Diese wichtige Einsicht ist jedoch erst dann möglich, wenn die Maske der materiellen Verblendung gefallen ist. In diesem Sinne ist ein spiritueller Mensch jemand, der neben der äußeren Erscheinung der Dinge auch das unsichtbare Band, das sie miteinander verknüpft, im Auge hat. Der große Unterschied zwischen Materialismus und Spiritualität besteht darin, dass der Materialist rein immanent denkt und handelt, während der spirituelle Mensch beides transzendent tut.
Einen spirituell ausgerichteten Menschen zeichnet aus, dass er sensibel gegenüber Missständen ist. So formieren sich weltweit starke Kräfte gegen allzu viel Materialismus. Ihr gemeinsamer Nenner besteht darin, ganzheitlich zu denken und zu handeln. Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen etwa gehören dazu. Überhaupt ist es das zunehmende Umweltbewusstsein, das sich formiert; sei es organisiert und weltumspannend oder seien es Einzelpersonen, die dafür ein verstärktes Bewusstsein entwickeln. Die globale Vernetzung ist sicher ein Vorteil bei dem Vorhaben. Auf den Punkt gebracht: Für einen spirituell ausgerichteten Menschen ist jeder Augenblick ein Aspekt der Ewigkeit. Was er wahrnimmt, tut er unter dem Gesichtspunkt des Ewigen.
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