Sport bei Bandscheibenerkrankungen

Die Wirbelsäule - pixelio
Die Wirbelsäule - pixelio
Bewegung und Sport ist bei Bandscheibenerkrankungen zur Therapie und Prophylaxe unerlässlich. Doch welche Sportarten sind in diesen Fällen empfehlenswert?

Erkrankungen der Bandscheiben sind mit den daraus resultierenden Rückenschmerzen die Volkskrankheit Nummer eins in den modernen Industrieländern. Hier zählt diese Diagnose zu den meist gestellten innerhalb der Arztpraxen. Nahezu jeder Mensch wird während seines Lebens, meist zwischen dem 30. und 60. Lebensjahr, an einer verschleißbedingten Bandscheibensymptomatik leiden. Neben der medikamentösen Therapie, physikalischen Maßnahmen und Physiotherapie wird den Patienten meist ein aktiveres Alltagsleben mit mehr Bewegung und weniger Stress ans Herz gelegt. Betrachtet man jedoch die Pathologie dieser Erkrankungen genauer, so sind nicht alle Sportarten empfehlenswert.

Bandscheiben unter Druck

Die zwischen den einzelnen Wirbelkörpern des Menschen liegenden 23 Bandscheiben bestehen aus einem zentral liegenden Gallertkern, der von einem mehrschichtigen festen Faserring umgeben wird. Sie dienen als Stoßdämpfer oder Puffer, um bestimmte Druckeinwirkungen aufzufangen und auszugleichen und sind daher für eine gesunde Wirbelsäule von großer Bedeutung. Für die Funktionsfähigkeit der Bandscheiben ist deren Wasserhaushalt entscheidend: vergleichbar mit einem Schwamm ist der Gallertkern der Bandscheibe praller und elastischer, je größer der Wassergehalt ist. Folglich ist eine mit viel Wasser angereicherte Bandscheibe gesünder und widerstandsfähiger und kann somit ihrer Funktion als Stoßdämpfer am besten nachkommen. Neben dem Wasserhaushalt ist jedoch ebenfalls eine ausreichende Menge an Vitalstoffen von großer Bedeutung. Diese können vor allem durch Bewegung und vielseitige Aktivität produziert werden.

Im Laufe des Lebens verringert sich jedoch der Wasserhaushalt im Rahmen des natürlichen Alterungsprozesses. Dies hat zur Folge, dass die Höhe der Bandscheiben deutlich abnimmt, was sich beispielsweise auf Röntgenbildern als verringerter Abstand zwischen den Wirbelkörpern, aber auch durch die abnehmende Körpergröße des Menschen äußert. Aspekte, die den normalen Alterungsprozess der Bandscheibe vorantreiben, sind Fehlhaltungen, Bewegungsmangel, Überbelastung und falsche Bewegungsabläufe (z.B. Heben, Bücken, etc.).

Bandscheibenerkrankungen sind vielseitig

Die wohl bekannteste Erkrankung der Bandscheiben ist wohl der Bandscheibenvorfall. Hierbei entsteht durch die verminderte Elastizität aufgrund von Alterungsprozessen ein Schaden im Faserknorpelring der betroffenen Bandscheibe. Durch diesen Riss wölbt sich der innere Gallertkern nach außen und klemmt dadurch die entsprechende Nervenwurzel auf Höhe der betroffenen Bandscheibe ein. Folgen dieses Mechanismus sind ausstrahlende Schmerzen, lokale Schmerzen sowie Taubheitsgefühle oder Lähmungen, die das Versorgungsgebiet des jeweiligen Nervs betreffen.

Ähnliche Symptome ergeben sich im Fall einer Bandscheibenvorwölbung, einer Vorstufe des Vorfalls. Die Vorwölbung unterscheidet sich vom tatsächlichen Vorfall dahingehend, dass der Faserring an sich noch intakt ist, eine Wölbung des inneren Gallertkerns ist allerdings bereits vorhanden.

Weiterhin kann durch die Höhenminderung der Bandscheibe ein vermehrter Druck auf die kleinen Gelenke zwischen jedem einzelnen Wirbel, den so genannten Facettengelenken, entstehen. Hieraus kann im Verlauf ein weiteres Krankheitsbild, die so genannte Facettengelenksarthrose entstehen. Die Symptome dieser Erkrankung ähneln grundsätzlich denen des Bandscheibenvorfalls oder der Vorwölbung und können nur durch eine gezielte Diagnostik differenziert werden.

Der Verschleiß der Bandscheiben kann diverse Folgeerkrankungen und Symptome hervorrufen, die allesamt die Lebensqualität des Erkrankten deutlich beeinflussen können.

Das Behandlungskonzept: selbst aktiv werden

In den meisten Fällen werden Bandscheibenerkrankungen konservativ behandelt. Verschiedene operative Maßnahmen können bei großen Schäden vorgenommen werden. Zu den konservativen Maßnahmen zählen meist Physiotherapie, physikalische Therapie, Chiropraktik, Elektrotherapie, physikalische Maßnahmen, medikamentöse Therapie und Akupunktur. Jedoch erzielen diese Anwendungen lediglich eine Linderung der primären Symptome, gleichen jedoch die grundlegenden Defizite nicht aus.

Langfristige Erfolge können nur durch einen aktiven Lebensstil erreicht werden. Gezieltes Krafttraining mit Betonung der Rumpfmuskulatur sollte unter fachlicher Aufsicht, beispielsweise im Rahmen einer Rückenschulgruppe zusammengestellt und durchgeführt werden. Einen höheren Stellenwert für einen bewegungsfreudigeren Alltag stellt der Ausdauersport dar. Doch auch die Optimierung des Arbeitsplatzes im Fall des im Büro tätigen Patienten ist von großer Bedeutung.

Welche Sportarten sind empfehlenswert?

Optimale sportliche Tätigkeiten für Bandscheibenpatienten sind beispielsweise Walken, Schwimmen (besser: Rückenschwimmen), Aquafitness, Fahrrad fahren oder leichte Aerobic. Grundsätzlich sind die Schmerzfreiheit und der Wohlfühlfaktor während der sportlichen Betätigung ausschlaggebend. Dennoch gibt es einige Sportarten, die auch bei sauberer Ausführung für Bandscheibenpatienten nicht geeignet sind. Sportarten mit großer Druckbelastung, Richtungswechseln oder Sturztendenz sind nicht empfehlenswert. Hierzu zählen zum Beispiel Reiten, Joggen, Kampfsportarten, Tennis und Leichtathletik. Sprünge sollten grundsätzlich vermieden werden.

Zusätzlich sollten verschiedene Entspannungsmaßnahmen, die den Ausdauer- und Kraftsport ergänzen, hinzugezogen werden. Yoga, autogenes Training oder andere Konzepte können selbstständig oder in entsprechenden Kursen erlernt werden und beugen so langfristig einer erneuten Erkrankung oder deren Verschlimmerung vor.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

ME!, Karolin Speen

Karolin Speen - Mein Name ist Karolin Speen. Seit Oktober 2010 darf ich mich als staatlich examinierte Physiotherapeutin bezeichnen. Direkt nach dem ...

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