Sport in Macao: Fußball, Rugby und Co.

Macaoische Flagge - Tim Ruster
Macaoische Flagge - Tim Ruster
Sport spielt in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao eine große Rolle. Beliebteste Sportarten sind Fußball, Rugby und das Drachenbootfahren.

Sowohl für diejenigen, die Macao kennen, als auch für die, die noch nie etwas von dem kleinen Fleck Erde gehört haben, dürfte es äußerst erstaunlich sein, dass Macao in unzähligen Sportarten eigene Auswahlen stellt. Zunächst einige grundlegende Informationen über Macao: Macao liegt an der südchinesischen Küste, fast genau 2.000 Kilometer von Peking entfernt. Die heute 560.000 Einwohner zählende Stadt wurde bereits im Jahre 1516 von portugiesischen Seefahrern besucht. Im Laufe der Jahrhunderte bauten die Portugiesen Macao zu einem wichtigen Hafen aus, bis es im Jahre 1887 offiziell von chinesischer in portugiesische Gewalt überging. Eine florierende Wirtschaft, die vorallem auf Glücksspiel beruht, entwickelte sich. Im Jahre 1999 gab Portugal Macao an China zurück. Das kapitalistische System Macaos konnte bestehen bleiben, da China (wie mit Hongkong) nach der "Ein Staat – Zwei Systeme"-Doktrin vorging, vermutlich um Macaos wirtschaftliche Stärke nicht zu gefährden.

Der macaoische Fußball

Jener Doktrin ist es auch zu verdanken, dass Macao über eigene Nationalmannschaften verfügt. So erscheint es eigentlich seltsam, dass eine Stadt, die circa halb so viele Einwohner hat wie Köln, eigene Auswahlen stellt. Die Entwicklung des macaoischen Sports lässt sich gut am nationalen Fußballverband darstellen: Die Macau Football Association wurde bereits im Jahre 1939 gegründet, der Spielbetrieb konnte jedoch für die nächsten Jahre nicht stattfinden, da Japan Macao im Zuge des zweiten Weltkrieges von 1943 bis 1945 besetzte. Danach kam der Sport und vor allem der Fußball in Macao wortwörtlich ins Rollen. Das erste Länderspiel fand 1949 gegen Südkorea statt. Man verlor mit 1:5. Erst einige Jahrzehnte später konnte man den ersten Sieg feiern: Ein 2:1 gegen Panama im Jahr 1975.

Der FIFA trat der Verband erst drei Jahre später, also 1978, bei. Seitdem konnte man sich noch nicht für eine Welt- oder Asienmeisterschaft qualifizeren. Bekannteste macaoische Fußballer sind Domingos Chan, der es immerhin in die 1. Liga Hongkongs geschafft hat (die als stärker gilt als die macaoische) und der ehemalige Spieler Passarinho, der es sogar in die portugiesische Liga schaffte. Obwohl also schon im frühen 20. Jahrhundert einige Sportverbände in Macao gegründet wurden, nahm die sportliche Entwicklung erst ab den 1970er Jahren Fahrt auf.

Rugby in Macao

Andere populäre Sportarten in Macao sind unter anderem Basketball und Rugby. Obwohl Macao auch einen eigenen Rugby-Verband hat, konnte man sich bisher noch für kein Turnier qualifizieren. Der Rugby-Sport blickt auf eine noch relativ junge Geschichte zurück. Am 10. Februrar 1996 beschlossen einige Portugiesen, die nach Macao übergesiedelt waren und bereits in ihrer alten Heimat Rugby gespielt hatten, auch in Macao einen Rugby-Verein zu gründen. Es entstand der Clube de Raguebi de Macau. Das erste Spiel gegen den Verein Old Contemptibles XV. aus Hongkong endete mit 12:12 unentschieden. 2006 trat man dann auch der Rugby-Liga Hongkongs bei und spielt heute in der 3. Liga. Der Verein besteht mitlerweile immerhin aus 100 Mitgliedern, davon sind ungefähr 60 Jugendspieler. Rugby ist also durchaus populär bei den jungen Macaoern. De Facto ist der Verein auch das Rugby-Nationalteam Macaos, welches schon Siege über Kambodscha, Indonesien und Pakistan feiern konnte.

Traditioneller Sport: Drachenbootfahren

Auch einheimische Sportarten sind beliebt, vor allem der Rudersport mit den sogenannten Drachenbooten. Die Boote sind auffällig und bunt hergemacht und in Drachenform geschnitzt. Obwohl der Sport in einem anderen Teil Chinas entstand, wird er in Macao, wo er "ba long chaun" genannt wird, schon seit 100 Jahren ausgeübt. Im Zuge des jährlich stattfindenden Duanwu Festes wird ein großes Drachenbootrennen ausgetragen. Auch für diesen Sport existiert ein eigener Verband, der es in den letzten Jahren geschafft hat, vor allem junge Leute für den traditionellen Sport zu begeistern.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es erstaunlich ist, wie eine für chinesische Verhältnisse kleine Großstadt es geschafft hat, eine derart eigene Sportidentität zu schaffen.

Tim Ruster, © Tim Ruster

Tim Ruster - Tim Ruster ist 20 Jahre alt und studiert Jura in Köln. Im Laufe der Zeit hat er sich eine Menge Wissen über ...

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