Von wegen besinnliche Weihnachtszeit. Drei Tage vor dem Christfest gab es für ein halbes Dutzend Spieler des Fußball-Bundesligisten Sportclub Freiburg eine unliebsame Bescherung. Sturmtief "Joachim" ist längst abgezogen. Aber an der sonst so beschaulich ruhigen "Schwarzwaldstrasse", der sportlichen Heimat des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga toben derzeit ungewohnte Turbulenzen.

Kapitän Heiko Butscher ebenfalls auf dem Abstellgleis

So erhielten mit Torhüter Manuel Salz, Kisho Yano, Kapitän Heiko Butscher, Maximilian Nicu und Felix Bastians gleich fünf Spieler von Marcus Sorg die "Rote Karte". "Diese Spieler spielen in den Planungen des Trainers für die Rückserie keine Rolle mehr", bestätigt der Verein in einer Pressemitteilung. Dazu hat sich der Bundesligist mit sofortiger Wirkung von Yacine Abdessadki wegen eines Vorfalls in einem Kölner Hotel beim letzten Auswärtsspiel des Jahres 2011 getrennt. SC-Sportdirektor Dirk Dufner: "Es sind Dinge geschehen, die wir einem Profi mit Vorbildfunktion nicht durchgehen lassen können. Dieses Auftreten werden wir als SC Freiburg nicht hinnehmen". Der gestern im online-Dienst "Bild.de" verbreiteten Darstellung seitens seines Managers widerspricht der Verein, "als nicht korrekt".

Yacine Abdessadki erhebt via Anwalt Kündigungsschutzklage

Einem Bericht der Badischen Zeitung zufolge hat der 30-jährige marokkanische Mittelfeldspieler inzwischen beim Arbeitsgericht Freiburg wegen seiner Kündigung über seinen Anwalt Kündigungsschutzklage erhoben. Darin wird ein Fehlverhalten von Abdessadki bestritten.

Sportführung des SC Freiburg trifft ungewöhnliche Entscheidungen zur Personalpolitik

Nur drei Siege, schlappe 13 Punkte aus 17 Bundesligaspielen. Dies ist und war selbst für den sonst so bescheidenen Sportclub Freiburg zu wenig. Zwar glaubte man nach zwischenzeitlich vier ungeschlagenen Spielen (sechs Punkte, bei drei Remis und einem Sieg) die Kurve schon bekommen zu haben - aber das blamable 0:4 von Köln und auch die 1:4 Heimschlappe gegen den amtierenden Deutschen Fußball-Meister Borussia Dortmund brachten das Fass bei den Breisgauern endgültig zum überlaufen. Zwar skandierten auch einige Fans der Nordkurve mit "Sorg raus" für eine Trainerentlassung, aber wie gewohnt sitzt ein Trainer beim SC Freiburg fest im Sattel.

So war die Vereinsführung an anderer Stelle zum Handeln gezwungen, setzte bei der Mannschaft die Stellschrauben neu. Am Montag hatten sich der geschäftsführende Vorstand mit dem Vorsitzenden Fritz Keller an der Spitze, Sportdirektor Dirk Dufner und Cheftrainer nach einem von Marcus Sorg initiierten Gespräch auf die für Freiburger Verhältnisse ungewöhnliche Vorgehensweise festgelegt. Am Dienstag, 20. Dezember 2011 wurden die betroffenen Spieler umgehend informiert. "Wir wollten nicht bis zum Trainingsauftakt am 2. Januar warten, sondern die fünf Spieler gleich darüber in Kenntnis setzen, dass wir ihnen keine Steine in den Weg legen werden", so Marcus Sorg. Im Klartext: Alle Akteure können und sollen sich einen neuen Verein suchen. "Somit sind die Spieler ab sofort für andere Vereine frei, sofern die Modalitäten stimmen", ergänzt Dirk Dufner.

Manuel Salz wechselt zur Bundesliga-Reserve und Alexander Schwolow zu den Profis

Mit dieser Maßnahme will Marcus Sorg den sportlichen Umbruch einleiten, um Perspektiven für die Rückrunde und den durchaus noch möglichen Klassenerhalt zu schaffen. Bei Manuel Salz steht bereits fest, dass er nach der Winterpause zur Regionalliga-Mannschaft stoßen wird, für ihn rückt aus der Freiburger Fußballschule U20-Nationaltorhüter Alexander Schwolow zu den Profis.

Sportliche Zukunft für Demba Papiss Cissè weiter offen

Ob Demba Papiss Cissé auch in der Rückserie für den Sportclub auf Torejagd gehen wird, steht derzeit in den Sternen. Zum Auftakt der Rückrunde am 18. Spieltag, am Samstag, 21. Januar 2011, gegen den FC Augsburg und in den darauffolgenden Spielen würde der Nationalspieler des Senegal wegen des Afrika-Cups den Freiburgern ohnehin fehlen. Und dies ist genau auch das Problem für einen eventuellen Transfer in der Winterpause. Denn auch beim neuen Club würde Cissé dann zu Jahresbeginn nicht zur Verfügung stehen.

Freiburg will einen Innen- und Außenverteidiger sowie Mittfeldmann holen

Und so dürfte auch die Weihnachtspause für die SC-Verantwortlichen in diesem Jahr etwas kürzer und ungewöhnlich ausfallen. Manager Dirk Dufner und Trainer Marcus Sorg basteln am neuen Gesicht des SC Freiburg. Ein neuer Innenverteidiger und ein Außenverteidiger sollen dem Sportclub in der zu oft löchrigen Hintermannschaft die notwendige Stabilität verleihen. Außerdem gilt es in der Schaltzentrale des Mittelfeldes einen neuen Akteur zu installieren. Kein leichtes Unterfangen, wenn man weiß, dass diese Spielertypen über überdurchschnittliche physische Werte verfügen, technisch versiert sein müssen, um das schnelle Freiburger Kombinationsspiel mitzutragen. Außerdem sollten die neuen Akteure für Freiburger Verhältnisse erschwinglich sein. Und dies unter dem Aspekt, dass diese Wunsch-Spieler in der Regel allesamt unter Vertrag stehen.

Gefordert ist aber nach der Winterpause auch Marcus Sorg. Der Trainer muss mit einem runderneuerten Bundesligakader auch seine eigenen Qualitäten als Bundesligatrainer unter Beweis stellen. Sonst könnten die „Gesetze des Marktes“ auch für den SC-Coach greifen.