
- Lead - Schubert - Heiko Wilhelm
Neueinsteiger, die mit dem Klettern selber nichts am Hut haben, denen aber das Klettern als Zuschauer gefällt; Menschen, die mit dem Kletterjargon wenig vertraut sind, finden hier einen kurzen Wegweiser durch den Kletterdschungel. Was bedeuten die einzelnen Wettkämpfe Bouldern, Vorstieg / Lead und Speedklettern? Ein weiterer Blick, nach dem Bouldern, in die Feinheiten des Klettersports.
Lead-Klettern, auch Vorstieg- oder Schwierigkeitsklettern genannt
Das Lead-Klettern wird mit Seil an Kunstwänden geklettert. Dafür wird bei einem Wettkampf mit bunten Griffen und Trittelementen eine Route mit verschiedenen Schwierigkeiten gelegt. Die Route ist mindestens 15 Meter lang, der Sportler wird mit Klettergurt und Seil gesichert. Beim Vorstieg erfolgt die Sicherung des Kletterers von dem Punkt aus, an dem die Kletterroute begonnen wurde. Je nachdem, ob die Route nach oben oder seitlich verläuft, verläuft auch die Sicherung. Die Zwischensicherung soll zu große Sturztiefen verhindern. Der Kletterer clippt in regelmäßigen Abständen das Seil in die vorbereiteten Sicherungen.
Wie wird ein Lead-Bewerb gewertet?
Jeder Kletterer muss innerhalb eines Zeitlimits möglichst bis zum Top klettern. Im Unterschied zum Bouldern ist der Wettkampf in dem Moment beendet, in dem der Kletterer ins Seil fällt. Wer am höchsten klettert, gewinnt. Bei gleichen Höhen der Sportler entscheidet die Wertung der Vorrunde. Bei total gleichen Ergebnissen wird ein Superfinale geklettert.
Beim Vorstieg- oder Leadklettern ist nicht nur eine hohe Konzentration erforderlich, sondern auch viel Kraft und Ausdauer. Die Kletterprobleme sind zwar oft nicht so artistisch zu bewältigen, wie beim Boulderbewerb, dafür kann so manchem Kletterer schon auch die Kraft ausgehen. 2011 alles überstrahlender Lead-Kletterer bei den Herren ist der Österreicher Jakob Schubert mit neuem Weltrekord im Weltcup (mit sieben Siegen en suite).
Was ist Speed-Klettern?
Zwei Kletterer treten dabei in einer Art K.O. System gegeneinander an. Die Routen sind deckungsgleich und liegen auf zwei Wänden direkt nebeneinander. Am Top ist ein Buzzer, der berührt werden muss. So kann der Zuschauer die zwei Gegner gut vergleichen. Geklettert wird an einer Seilsicherung, wie beim Leadklettern, allerdings „Top Rope“, also von oben gesichert. Für das Einclippen der Sicherungen fehlt bei dieser Art Bewerb dem Athleten nämlich schlicht und einfach die Zeit. Wer einclippen würde, hätte gleich verloren. Der Schnellere zieht in die nächste Runde ein.
In der Speed-Disziplin gibt es seit 2007 eine Standardroute, die der IFSC, der internationale Kletterverband für den Weltrekord entworfen hat. Hier gilt es 9,04 Sekunden bei den Frauen und 6,26 Sekunden bei den Männern zu schlagen, um den aktuellen Rekord zu toppen. Derzeitiger (2011) Weltrekordhalter ist der Chinese Qixin Zhong.
Team-Speed und Duell, die neuen Bewerbe bei Weltmeisterschaften
Eine Novität beim Team-Bewerb sind die Mixed-Teams, das sind Sechser-Team bestehend aus drei Männern und drei Frauen. Bei der WM 2011 in Arco wurde er nur als Show-Wettkampf ausgetragen. Ebenfalls als Showbewerb erfolgte das Duell, bei dem die besten 16 Lead-Kletterer im Kampf gegen die Uhr gegeneinander angetreten sind.
Welche Kletter-Wettbewerbe gibt es international und national?
- Weltmeisterschaft (2011 in Arco, Italien), alle 2 Jahre
- Paraclimbing Weltmeisterschaft
- Weltcups
- Continentalcups
- nationale Bewerbe
- Jugendbewerbe
- Jugendweltmeisterschaft (2011 in Imst, Österreich), jährlich
Seit 2011 gibt es auch eine Weltmeisterschaft für behinderte Sportler:
Vertreten werden die Sportler vom IFSC (International Federation of Sport Climbing). In den Ländern sind sie vorwiegend unter dem Dach der alpinen Verbände (DAV=Deutscher Alpenverein, ÖAV=Österreichischer Alpenverein) als eigene Sektion beheimatet. Seit 2005 ist der ÖWK (Österreichischer Wettkletterverband) Mitglied des Internationalen Sportkletterverbandes IFSC und betreut das Nationalteam.
Sportklettern, erstmals auf der Shortlist für Olympia
Bei der 123. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im südafrikanischen Durban 2011 wurde Sportklettern auf die sogenannte "Short List" für die Olympischen Sommerspiele 2020 genommen. Damit kommt die Sportart Klettern erstmals in den Fokus der olympischen Ringe nach der Anerkennung des Weltverbandes IFSC durch das IOC.
Auf der Short List befinden sich neben Klettern noch Baseball, Softball, Wushu, Karate, Rollersports, Squash und Wakeboard. Eine dieser Sportarten wird bei der 125. Session des Internationalen Olympischen Komitees im Herbst 2013 in Buenos Aires für das Programm 2020 vorgeschlagen. Sportklettern boomt weltweit. Die nationalen Verbände freuen sich über steigende Mitgliederzahlen und der Weltverband bekommt ständig neue Mitgliedsverbände auf allen fünf Kontinenten.
Kletterjargon - ein kleines Glossar
- Clippen: das Kletterseil in eine Zwischensicherung einhängen.
- Crux: die Schlüsselstelle einer Kletterroute.
- Überhang: ein aus der Senkrechten mit 20 bis 50 Prozent Neigung vorspringender Fels oder Hindernis. Geht es über 50 Prozent hinaus, nennt man es Dach.
- Nähmaschine oder Elvis: unkontrolliertes Zittern der Beine beim Klettern durch Kraftmangel, Aufregung oder Angst.
- Top-Rope: Dabei läuft das Seil nicht durch Zwischensicherungen, sondern durch einen Umlenker am Ende der Kletterroute.
- Zwischensicherung: Das Anbringen eines Karabiners, Hakens oder Klemmkeils.
Ein Literaturtipp für Kletter-Interessierte: Indoor Klettern: Das offizielle Lehrbuch zum DAV-Kletterschein/Sojer, Heckmair, blv
Quellen: IFSC. DAV. ÖWK. kletterwiki.de
