Sprachen lernen – Arbeit und Vergnügen

Fremdsprachen als Futter für die grauen Zellen

Fremdsprachen zu beherrschen ist heute für viele Berufe nützlich oder gar notwendig. Doch auch als Freizeitbeschäftigung kann Sprachen Lernen unser Leben bereichern.

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ ist Schnee von gestern. Die moderne Hirnforschung hat den Volksmund längst widerlegt. Natürlich haben es Kinder einfacher Sprachen zu lernen. Denn wie alle neuen Fertigkeiten erwerben sie auch diese spielerisch. Schon Jugendliche tun sich schwerer. Manche von uns erinnern sich wohl mit Schrecken an stures Auswendiglernen und vergebliches Einpauken von Vokabeln. Es scheint paradox, doch oft wird es im Erwachsenenalter wieder leichter, eine Fremdsprache zu erlernen. Folgende Gründe sprechen dafür:

  • Interesse und Motivation

Erwachsene sind im Gegensatz zu Schülern meist hochmotiviert. Schließlich hat man sich bewusst für diese Sprache entschieden, um sich im Urlaub in der Landessprache zu verständigen, weil es das berufliche Fortkommen erleichtert oder gar Voraussetzung für den neuen Job ist. Zudem können sich erwachsene Menschen besser auf eine Sache konzentrieren, lassen sich nicht so schnell frustrieren oder ablenken als Jugendliche.

  • Erfahrung und Training

Das Gehirn ist schon gut „verschaltet“, das heißt die neuronalen Verbindungen in den für das Lernen zuständigen Bereichen sind vernetzt. Damit ist gespeichertes Wissen abrufbar. Ähnlichkeiten mit bereits erlernten grammatikalischen Strukturen oder Wörtern werden erkannt, was das Lernen einer neuen Sprache erleichtert. Eine Schlüsselrolle dabei spielen die Synapsen zwischen den rund 15 Milliarden Nervenzellen, die auf bestimmte Signale hin – zum Beispiel Ausschüttung von Botenstoffen – den Kontakt zwischen den Neuronen aktivieren oder unterbinden. Wir besitzen unvorstellbare 500 Billionen dieser Schaltstellen, die für Signalübermittlung und Informationsspeicherung zuständig sind. Sie verfügen über Erkennungsmoleküle, welche bei regelmäßiger Wiederholung bestimmte Gedächtnisinhalte verankern (Bahnungseffekt).

Lebenslanges Lernen

Bereits auf der Expo 2000 in Hannover betonte eine Ausstellung im “Pavillon der Arbeit“ den Stellenwert von lebenslangem Lernen. Denn wie jeder Muskel erschlafft und sogar an Masse verliert, wenn er nicht gebraucht wird, bleibt auch unser Gehirn nur leistungsfähig, wenn wir die grauen Zellen nutzen. „Denksport“ ist Fitnesstraining für unseren Kopf und wichtig bis ins hohe Alter. Die Möglichkeiten, auch im Ruhestand geistig rege zu bleiben, reichen von Schachspielen, Kreuzworträtsellösen bis zum Sudoku. Zu den schönsten und sinnvollsten Freizeitbeschäftigungen gehört das Lernen einer Fremdsprache. Es erweitert den Horizont, lernen wir doch nebenbei eine Menge über Land und Leute. Viele von uns haben eine Lieblingssprache, die sie schon immer gerne beherrscht hätten, sei es um französische Chansons zu verstehen oder sich im nächsten Urlaub nicht nur mit Händen und Füßen zu verständigen.

Wer eine Sprache nicht lernen muss, sondern sich freiwillig dafür entscheidet, geht unvoreingenommen an die Sache heran und ohne Leistungsdruck. Sich mit Muße und in eigenem Tempo dem Erlernen einer Fremdsprache zu widmen, kann eine Ahnung von Aufbruch und Abenteuer vermitteln. Es weckt Entdeckerlust – eine Erfahrung, die wohl die meisten von uns zuletzt in der Kindheit gemacht haben, als alles neu und spannend war und Lernen noch richtig Spaß machte.

Vom Segen der Zweisprachigkeit

Natürlich sind jene Menschen zu beneiden, die von klein auf bilingual aufgewachsen sind. Haben sie doch mit der Muttermilch die eine und von Vaters Lippen die zweite Sprache aufgesogen. Was so poetisch klingt ist meist Arbeit, nämlich für die Eltern. Bedeutet es doch, dass jeweils ein Elternteil mit dem Kind von Anfang an konsequent in seiner Muttersprache spricht, nicht wechselt und schon gar nicht beide Sprachen mischt. Das Kind sollte im besten Fall Gelegenheit haben, die Sprachen auch außerhalb des Elternhauses anzuwenden, zum Beispiel in den Ferien bei den Großeltern. Und leider gilt auch hier: Wer nicht übt, der vergisst. Dem Elternhaus entwachsen muss man am Ball bleiben und die „Zweitsprache“ weiterhin hegen und pflegen.

Dies legt nahe, Kleinkindern bereits im Kindergarten eine Fremdsprache zu vermitteln. Meist handelt es sich um Englisch. In Grenzregionen zur Schweiz oder zu Frankreich wird vielleicht Französisch vorgezogen. Das ist eine große Chance, wenn die Erzieherin die Sprache gut beherrscht oder eine Lehrkraft sie den Kleinen auf spielerische Weise vermittelt. Es macht jedoch kaum Sinn, eine Woche lang englische Begrüßungsformeln einzuüben, in der nächsten Woche den guten alten Bruder Jakob als „Frère Jaques“ zu singen oder beim Zubereiten von Pizzabrötchen eine italienische Speisekarte vorzulesen. Das alles mag für Kinder interessant sein und abwechslungsreich. Es kann Neugier auf das fremde Land wecken, doch sprachlich bringt es eher wenig.

Um eine Fremdsprache zu lernen braucht es Kontinuität, und man sollte sich dann ganz auf die eine konzentrieren. Ansonsten besteht die Gefahr zu mischen, vor allem bei eng verwandten Sprachen wie Spanisch und Französisch. Parallel lernen geht kaum, auch spielerisch nicht. Schließlich dürften die wenigsten Kinder zuhause ein Au-pair-Mädchen haben, das tagtäglich mit ihnen spricht. Für Sprachbegeisterte gilt ebenso wie für (allzu) ambitionierte Eltern: alles immer schön der Reihe nach. Sobald die Grundlagen der einen Fremdsprache wirklich sitzen und in Wort und Schrift sicher beherrscht werden, kann man sich an die Nächste wagen. Meist fällt das Lernen einem dann tatsächlich leichter auch im fortgeschrittenen Alter – den Synapsen sei Dank!

Ursula Wyputta, Ursula Wyputta

Ursula Wyputta - Über zwanzig Jahre lang arbeitete ich als technische Assistentin, Gesundheits- und Umweltberaterin. Nach einem Fernstudium ...

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