Sprachentwicklung: So erweitert Ihr Kind seinen Wortschatz

Wortschatz will erworben sein! - CFalk
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Wie lernen Kinder in der Sprachentwicklung die Bedeutung von Worten? Was benötigt das Kind, um einen altersgerechten Wortschatz aufzubauen?

Als Pippi Langstrumpf, Astrid Lindgrens rotschopfige Heldin der Kinderbuch-Klassiker, das Wort "Spunk" entdeckt, ist sie zwar sehr beglückt darüber, solch ein schönes Wort gefunden zu haben, aber auch gleichermaßen bedrückt, dass sie keine Ahnung hat, was "Spunk" denn bedeutet, was ein "Spunk" ist. Als kundige Leser kramen wir auch gleich in unserem mentalen Lexikon und suchen zwischen "Spuk" und "Spule" etwas, das mit einem eindeutigen Inhalt belegt ist. Aber da ist nichts - ein "Spunk" ist zunächst nur eine Ansammlung von Buchstaben oder Sprachlauten, mehr nicht. In der Geschichte mit Pippi Langstrumpf muss Pippi also herausfinden, was ein Spunk denn ist. Und nichts anderes müssen Kinder tun, wenn sie mit Worten konfrontiert werden, die sie noch nicht kennen: sich auf die Suche nach ihrer Bedeutung machen!

Worte und ihre Bedeutung - es muss nicht immer logisch sein

Bei einigen Worten liegt es auf der Hand: "bumm" klingt nach einem dumpfen Aufprall, "wauwau" macht der Hund, und zerbrechendes Glas "klirrt" durchaus. Wir benutzen Worte, die mit ihren Lauten quasi die Bedeutung "aufmalen", deutlich machen: Lautmalereien nennt man sie und Kinder lernen sie entsprechend schnell. Bei anderen Worten ist die Bedeutung nicht mehr auf Anhieb zu erkennen: Die Erdbeere wächst zu ebener Erde, die Blaubeere ist blau - und die Brombeere? Ist sie "brom"? Ja, denn "brom" kommt aus dem Altdeutschen, wo es noch vor dem Mittelalter "braun" bedeutete. Aber wie steht es eigentlich mit dem "Ball"? Ist er besonders "ballig"? Oder "ballt" er, wenn man ihn auf den Boden prellt? Es gibt kurzum keinen Grund, ein rundes Ding, mit dem man spielen kann, "Ball" zu nennen. Er hätte auch "Wanne" heißen können. Oder "Leichtkugel". Sogar: "Auto". "Warm" heißt auf italienisch schließlich auch "caldo". Wenn man also sein Vokabular erweitert, muss das nicht gleich mit Logik zu tun haben.

Nicht alle Wörter sind gleich

Warum lernt ein Kind das Wort "und" nicht gleich zu Beginn? Oder das Wort "ich" - es braucht fast drei Jahre, bis es endlich mal auftaucht! Was ist mit Wörtern wie "Holunderbusch" oder "Rose"? Erst mit etwa vier bis fünf Jahren nehmen die Kids es damit auf. Und "neben" oder "bei" wissen nebenbei viele Vorschulkinder noch nicht richtig einzuschätzen. Woran liegt das? Nun, es gibt Worte, die sich viel leichter einprägen, weil sie eine klare und eindeutige Vorstellung im Kopf hervor rufen, sie sind an einen Inhalt gebunden. Später kommen abstraktere Worte hinzu, die vor allem Funktionen erfüllen.

Bei Inhaltswörtern wie Mama, Papa, Ball, Auto, Puppe, essen, trinken, A-a, Pipi, Teddy, spazieren (teita), schlafen (heia) werden die ersten Strukturen, mit denen das Kind konfrontiert wird, inhaltlich erkannt und benannt. Und so sind die ersten Worte, die wir von den Sprösslingen hören, solche, die sie kennen und die sie interessieren. Das Kind erobert sich die Sprache zunächst über die Dinge wie Spielzeuge und Namen, bald kommen auch Tu-Wörter (Verben) hinzu, später sogar Wiewörter (Adjektive): heiß, kalt, putt, schön, lieb.

Niemand erklärt einem Kind, was "der" bedeutet oder was mit "oder" gemeint ist. Und wenn Sie es versuchen würden, würden Sie merken, dass es auch gar nicht so leicht ist. Diese Worte erfüllen eher eine Funktion. Das Wort "oder" kündigt eine Entscheidungsmöglichkeit an, das Wort "wenn" eine Bedingung. Kinder lernen diese Wörter in Verbindung mit ihrer Anwendung, oft über die Frage-Technik: Warum ist es so kalt? Weil es Winter ist. Wo kommt der Regen her? Er fällt vom Himmel. Ganz unbewusst vermitteln wir ein komplexes Gefüge inhaltsloser Worte, die aber für die Satzbedeutung sehr wichtig sind: Der Bus fährt den Mann - oder fährt der Mann den Bus? Das ist ein großer Unterschied! Zu den Funktionswörtern zählen:

  • Präpositionen (in, auf, unter, zwischen, bei, vor, hinter, mit, ohne)
  • Artikel (der, die das - auch mit grammatischer Kennzeichnung: dem Mann, der Frau)
  • Pronomen oder Fürwörter (ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie - auch mit grammatischer Kennzeichnung: mir, mich, dir, dich, uns, ihnen...)
  • Konjunktionen oder Bindewörter (weil, obwohl, damit, dass, und, oder, trotzdem)
  • Ober- und Unterbegriffe: "Baum" weiß jedes Kind! Später erst lernt es: Kastanie, Birke, Lerche. Oberbegriffe sind leichter zu lernen. "Bobtail" und "Spaniel" gehören wahrscheinlich nicht zur gleichen Kategorie wie "Kobra" - oder? Ist der Oberbegriff "Tiere", doch, dann schon. Ist er aber "Hunde" - dann wohl kaum.

So wird klar, dass Inhaltswörter komplexere grammatische Satzgefüge möglich machen - dies zu erlernen, braucht Zeit. Genauer: Es braucht Jahre! Begriffe stehen in Beziehung zu einander. Diese Beziehungen werden von den Funktionswörtern beschrieben und ausgelotet. Hat ein Kind Schwierigkeiten, Beziehungen zu erkennen, wird es die Funktionsworte kaum oder falsch benutzen. Das Eis wird anfangs immer "mit ohne Sahne" geordert, und es braucht lange, bis ein Kind begreift, dass es nicht nur "Jonas" heißt, sondern von sich selbst immer als "ich" reden kann, und das "ich" und "du" für jeden andere Personen sind.

Der Mensch ist ein Beziehungs-Wesen

Immer mehr löst sich der Wortschatz (ab etwa vier Jahren) von den konkreten Bezügen. Worte wie "Trauer", "Freundschaft" oder "Wut" erobern das Vokabular. Sie kann man nicht direkt sehen oder anfassen, aber sie bezeichnen, wie wir uns in Bezug zu etwas oder jemandem fühlen, drücken Wertungen aus. Es bedarf des täglichen Umgangs mit Sprache in vielfältiger Form, also Zuhören, Beobachten, ausprobieren, Korrekturen erfahren, an Grenzen stoßen, um die komplexen Beziehungsgefüge zu verstehen, die dann sprachlich ausgedrückt werden wollen.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.

Quellen: Jampert, Zehnbauer et al. (Hrsg.): Kinder-Sprache stärken! Band 1: Wie kommt das Kind zur Sprache? verlag das netz, Weimar, Berlin 2009, 128 Seiten

Helene Weiß - Helene Weiß staatl. examinierte LogopädinMutterEhefrauReferrentinGitarristinSängerin

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